Kommentar von Marcus Franken

Die Klimahysterie-Durchschauer

Klimaforscher Stefan Rahmstorf tritt Journalisten auf den Fuß. Die Besichtigung der Debatte darüber offenbart Menschliches. Allzumenschliches.

Endlich, denkt man. Endlich hat sich mal einer hingestellt und mit Wucht und Wissen diejenigen abgewatscht, die seit Jahren denselben alten Besen reiten. Einer, der den pathologischen wie professionellen Warnern vor der Klimahysterie einen großen Eimer Seifenwasser über den Kopf kippt, auf dass ihr ganzer Mist den Bach runter geht. Jede Zeile, die der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf in der „Frankfurter Allgemeinen“ vom 13. August 2007 über Journalisten und selbsternannten Umweltexperten wie Dirk Maxeiner, Uli Kulke von der „Welt“ oder das Magazin „Cicero“ schreibt, ist nicht nur gut geschrieben, sondern genauso gut recherchiert. Damit hat er diesen Journalisten etwas ganz Grundsätzliches voraus.

Rahmstorf hat sich in den vergangenen Jahren einen weltweiten Ruf als Klimaforscher erarbeitet. Und da er früh begriffen hat, dass er mit der Wissenschaft im stillen Kämmerlein allein nicht weit kommt, hat er viel Zeit für Hunderte Interviews und öffentliche Auftritte hergeschenkt. Ein Interview mit dem Forscher findet sich in der „neue energie“ 6/2007. Kann schon sein, dass einem da die Wut hoch kommt, wenn Klima-Larifaris wie Maxeiner und Co. dem Publikum immer wieder ihre vorrationale Sicht als kritische Wissenschaft verkaufen.

Was viele Menschen nicht wissen: Hier ficht eine Handvoll ehemals grüner Vorkämpfer auch einen ganz persönlichen Kampf aus: Nennen wir ihn den Überdrusskampf. Dirk Maxeiner hat einmal das Magazin „Natur“ geleitet und war ganz schwer in Sachen Umwelt unterwegs. Bevor Uli Kulke seine begabte Reporterseele in den Dienst der konservativen Tageszeitung „Die Welt“ stellte, arbeitete er voller Überzeugung bei der frisch gegründeten Berliner „Tageszeitung“ (taz) und war entwicklungspolitischer Referent in der ersten Bonner Bundestagsfraktion der Grünen. Das waren noch Zeiten! Da strickten Maxeiner und Kulke selbst an den Kassandrarufen gegen den Atomtod und das Waldsterben. Kann schon sein, dass sie das irgendwann nicht mehr glauben wollten: Den auch von ihnen geschaffenen moralin-durchträngten Warnton, der jetzt in der Klimadebatte mitschwingt. Wo ist er geblieben, der Atomtod? Sind die Wälder gestorben? Wo bleibt der Weltuntergang? Mit 150.000 Klimatoten pro Jahr, die die Weltgesundheitsorganisation jährlich vor allem in Afrika ausmacht, kann man die Jungs nicht schocken. Wahrscheinlich vermuten sie ihre eigenen alten Tricks am Werke.

Als Journalisten mit Bewusstsein für den eigenen Marktwert machen sie das Beste draus und profilieren sich als Kritiker der Kritiker. Als gewendete Bewusstseine. Als besonders Schlaue. Sie suchen das Haar in der Suppe und gerieren sich als Klimahysterie-Durchschauer

Den Rest besorgen bekannte Medienmechanismen: Aufmerksamkeitserzeugung durch pointierte Gegenthesen. Die Redakteure von „Report München“, Wolf Lotter von „Brand Eins“ oder der Zukunftsforscher Matthias Horx, deren fehleranfällige Berichte Rahmstorf fachgerecht zerlegt, sind nur Nachahmungstäter der „ich-mach-mich-wichtig-indem-ich-mich-gegen-den-Trend-stelle“-Strategie. Ob sie merken, dass sie zu spät kommen? Denn dieses Feld beackert Dirk Maxeiner seit Jahren.

Wenn Rahmstorf von ihnen und ihren Redaktionen „Wahrhaftigkeit und sorgfältige Recherche“ fordert, immerhin das erste Gebot im Pressekodex, ist das schlecht fürs Geschäft mit der Aufmerksamkeit. Dass die Kollegen ob Rahmstorf Kritik die Pressefreiheit in Gefahr sehen, ist dagegen ein Armutszeugnis.

 

 

Der Text von Stefan Rahmstorf im Internet:

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/klimahysterie.html