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Story des Monats

Offshore-Wind: Runter mit den Kosten

Anne-Katrin Wehrmann, 02.04.15
Seit Jahren spricht die Offshore-Windbranche davon, billiger Strom zu produzieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein. Jetzt sollen den Worten Taten folgen.

Dass die Preisfrage die Akteure der Offshore-Branche nachhaltig beschäftigt, wurde im März bei der EweaOffshore in Kopenhagen erneut deutlich: Die Organisatoren der Konferenz und Messe hatten den Aspekt der Kostenreduzierung in den Fokus gerückt und das Programm im Wesentlichen auf dieses Thema ausgerichtet. Passenderweise hatte die britische Organisation Offshore Renewable Energy Catapult knapp zwei Wochen vor Beginn der Veranstaltung einen Bericht veröffentlicht, laut dem die Stromgestehungskosten für Offshore-Windenergie in Großbritannien zwischen 2010 und 2014 um elf Prozent gesunken sind – ein erstes Zeichen also, dass der Weg offensichtlich in die gewünschte Richtung führt.

In der Branche herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass bis 2020 ein Wert von zehn Cent pro Kilowattstunde erreicht oder sogar unterschritten werden soll. Zum Vergleich: Für voriges Jahr beziffert Siemens, unangefochtener Marktführer bei der Produktion von Offshore-Turbinen, die Stromgestehungskosten in einem Fallbeispiel mit einer Sechs-Megawatt-Anlage noch auf 14,5 Cent pro Kilowattstunde.

Aufmerksamkeit erregte kurz vor der Fachmesse Vattenfall mit der Nachricht, die Ausschreibung für den dänischen Meereswindpark „Horns Rev 3“ gewonnen zu haben und für die ersten zehn bis zwölf Jahre eine Einspeisevergütung von umgerechnet rund 10,3 Cent pro Kilowattstunde zu erhalten. „Wenn wir nicht davon überzeugt wären, dass das für uns attraktiv ist, hätten wir das Angebot nicht abgeben“, betont Gunnar Groebler, Leiter des konzernweiten Geschäftsbereichs Wind. Als neuer Maßstab könne dies allerdings nicht betrachtet werden: „Man darf diesen Wert auf keinen Fall mit Werten in anderen Ländern vergleichen, weil ,Horns Rev 3ʻ einfach ein paar projektspezifische Besonderheiten hat.“

Trend zum Joint Venture

So wird der Windpark in einer geringen Wassertiefe und nahe an der Küste gebaut, zudem kann Vattenfall bei Errichtung und Betrieb Synergien mit seinen in unmittelbarer Nähe gelegenen deutschen Offshore-Projekten „DanTysk“ und „Sandbank“ sowie dem dänischen Windpark „Horns Rev 1“ nutzen: Für alle vier Projekte befinden sich sowohl der Basishafen als auch das Kontrollzentrum im dänischen Esbjerg. Und nicht zuletzt ist in Dänemark der staatliche Netzbetreiber Energinet.dk für die gesamte Netzanbindung, also auch für den Bau der Umspannplattform, zuständig. Allgemein betrachtet gebe es nicht das eine und alles entscheidende Kostensenkungspotenzial, meint Groebler. „Es ist vielmehr eine Kette von Teilelementen, die da eine Rolle spielt: Das beginnt bei der Lernkurve und geht über größere Turbinen und Effizienzsteigerungen bei den Zulieferern bis hin zu Genehmigungs- und Zertifizierungsaspekten, die im europäischen Kontext geregelt werden müssen.“

An größeren und leistungsstärkeren Anlagen arbeiten aktuell alle Hersteller (neue energie 06/2014), und das mittlerweile zum Teil in neuen Allianzen. Nachdem Vestas und Mitsubishi Heavy Industries vor einem Jahr ihr Joint Venture MHI Vestas Offshore Wind aus der Taufe gehoben hatten, gaben Areva und Gamesa nun die offizielle Gründung ihres Offshore-Gemeinschaftsunternehmens Adwen (Akronym von „Advanced Wind Energy“) bekannt. Das Signal, das davon ausgeht: Kampflos will man Mitbewerber Siemens das Feld nicht überlassen.

Der Branchenprimus brachte gleich zwei Neuerungen mit nach Kopenhagen. Auf der Turbinenseite präsentierte der Konzern mit der SWT-7.0-154 eine getriebelose Sieben-Megawatt-Anlage und steigerte damit die Nennleistung seiner ersten direkt angetriebenen Offshore-Anlage SWT-6.0-154 um ein Megawatt. Darüber hinaus stellten die Siemens-Verantwortlichen eine neue Lösung zur Netzanbindung von Offshore-Windparks vor: Mithilfe eines so genannten Offshore-Transformatormoduls soll künftig ein dezentrales System zur Wechselstromübertragung zur Verfügung stehen, das nach Unternehmensangaben etwa ein Drittel kleiner ist als die bisher gängigen Umspannplattformen und die Kosten in diesem Bereich um bis zu 40 Prozent reduzieren soll.

Kostensenkung per Baukastensystem

Gemeinsam mit Dong Energy und MHI Vestas veröffentlichte Siemens außerdem eine Erklärung „für eine vereinigte Industrie“, laut der im Sinne der Kostenreduzierung Partnerschaften entwickelt und Zusammenarbeiten gefördert werden sollen. „Wir müssen profitable Investitionsbedingungen auch ohne Subventionen schaffen“, sagt dazu Michael Hannibal, Offshore-Chef von Siemens Wind Power. „Als vereinigte Industrie sind alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette gleichermaßen verantwortlich für ihren Beitrag und dessen Umsetzung.“ Bei der Technologie sei Wettbewerb natürlich weiterhin sinnvoll und erwünscht: „Aber es gibt reichlich Bereiche, in denen intensiver Erfahrungsaustausch hilft, die Kosten zu senken.

Auch der dänische Energiekonzern Dong Energy hat sich vorgenommen, Offshore-Windenergie ab 2020 um 35 bis 40 Prozent günstiger zu erzeugen als heute. „Das wird vor allem mittels Standardisierungen erfolgen“, erläutert Deutschland-Chefin Trine Borum Bojsen. Seien Meereswindparks bisher eher Einzelanfertigungen gewesen, wolle man es künftig schaffen, mittels eines Baukastensystems für die unterschiedlichen Komponenten die Preise nach unten zu bekommen. Dies könne allerdings nur gelingen, „wenn das Ausbauvolumen entsprechend vorhanden ist und es wenige landesspezifische Ausnahmevorgaben gibt“. Für Projekte in Großbritannien habe Dong Energy beispielsweise jüngst fünf identische Umspannplattformen in Auftrag gegeben. „Möglich ist das nur dank unserer umfangreichen Projektpipeline und der Ausbauziele der britischen Regierung“, so Borum Bojsen.

Dass sich durch Synergien beim Bau und Betrieb sowie durch Erfahrungen einiges erreichen lässt, weiß Marcel Sunier, Projektdirektor des Windparks „Nordsee Ost“ von RWE Innogy. Wegen der Verzögerungen bei der Netzanbindung musste das Unternehmen seinen Zeitplan mehrfach anpassen und neue und kostspielige Übergangslösungen zur Zwischenlagerung von Komponenten finden. „Wenn man weiß, wo Kosten entstehen können, weiß man auch, wo man sie senken kann“, sagt Sunier. Der Schweizer ist überzeugt davon, dass Offshore-Windenergie eines Tages auch ohne garantierte Einspeisevergütungen funktionieren wird. Nicht heute oder morgen, aber in zehn Jahren: „Wir sehen das alle als unsere Zukunft, und wir werden uns nicht die Zukunft kaputt machen, indem wir nicht günstiger werden.“ 

 

Kommentare (5)

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  • 09.04.15 - 23:18, Alfred-Röck-Cand-Ing

    Ja zu Offshore-Windstrom Ausbau Nord- u. Ostsee --> SuedLink --> Bayern | Thüringer Strombrücke --> Bayern | und Westtangente Norden --> Baden- W. | [Offshore- Gestehungskosten laut TU- München, nur 10,65 Cent/ kWh, lt. Siemens 14, (wen wundert`s!)
    Zudem muß man an Land um jd. Standort ewig streiten.
    II) "BAYERN SPIELEND STROMAUTARK"!
    III) Diese Autarkie wäre mit über 5000 WindKraftAnlagen möglich, aber es spart viel
    Speicher- Capacity, wenn BY sich vernetzt, z.B. den SuedLink (800 km aus HH) akzeptiert u. evtl. die "Thüringer Strombrücke" auch. Das würde für Bayern auch häufigen Stromexport ermöglichen!
    IV) Es würde somit die Idee des BUND, tausende VW- Motoren inkl.- E-Generator in die Keller zu setzen, zum Überbrücken der Sonnen- und Windflauten, und mit deren ca. 65 % Abwärme zu heizen, entfallen! [von Mai - 1. Nov. wird die Wärme ohnehin kaum benötigt.
    V) Dr. Gabriel will das supermoderne Gas- KW in Irsching klugerweise erhalten, weil es in naher Zukunft unverzichtbar ist, um die Flauten der PV - u. WindKraftAnlagen (WKA) zu überbrücken, auch Seehofer will es, aber paradoxerweise keine WKAs! D.h., er würde das edle Erdgas, das nur noch ca. 60 Jahre reicht, also dauernd verbrennen (!), statt, so gut es geht, die Anzahl WKAs- erhöhen u. das Gas nur bei Flauten einsetzen! (Kurzsicht eines Anti-WKA -"Ästhetikers").
    VI) Die konventionellen Ressourcen gehen lt. IPCC bald aus, Erdöl in 38 J., Erdgas in ca. 60 J., lt. IAEA (Wien), wird Uran-235 zu 2025 knapp, wäre es jetzt schon, würde nicht Pu + U-235 von alten Atomsprengköpfen verwendet. Da Erdgas sowieso in ca. 60 J. endet, ist es im Folgenden nicht eingerechnet:
    VII) Copy (Ausschnitt) meines Texte aus Bayer. Staatszeitung, 19.4.2014, neu gerechnet mit Datenstand vom 31.12.1014: "Bayern stromautark mit 5833 WKA" [in %]: Strom aus Wasser 19 (bisher 15), PV 16, Geothermie (2030) 2%, aus WKA 38%, (bisher 1,5), Biomasse 12 und Biogas 13 (bisher 6,5%, Seehofer will auf 13% verdoppeln) = 72 % (66,8 TWhel/Jahr).
    VIII) Es wären also zu dem Ziel, „10% aus Wind“ noch 28 % aus WKAs nötig, (=38% = 35,2 TWh / annum), Dazu sind insges. 5833 WKA nötig, Rotor ∅ = 117m, Höhe Nabe HN 138- 142 m (Schwachwindanlagen), d.h. großer Rotor ∅ (117m) relativ kleiner Generator, der also wenig bremst.
    IX)) Das ergäbe bei 72ooo km² Bayerns eine optisch sehr gut erträgliche Dichte von 12,3 km² je WKA.
    X) Onshore WKAs erzeugen inzwischen am billigsten Strom zu ca. 3 Cent/ kWh; die AUDI AG meldete vor 2 J., sie erzeuge zu 2,0 Ct/ kWh mit eig. WKA! Der Endkunde zahlt ca. 30 Ct/kWh zuzügl. Grundgebühr.
    XI) Mischungsrechnung für den kfm.-AZUBI i. d. 1. Berufsschulwoche: Stromanteile im Jahr 2060 u. Vergütung von 2015 verrechnet: 70 % Wind kWh zu 8 Cent/ kWh vergütet | 20 % PV -Strom zu 13 Cent | 28 % offshore zu 10 Ct| 10 % PSW-Strom/ 12ct| 6% Biogas / 10 Ct| 4,5 % Wasserkraft 8 Ct = 9,6 Cent/ kWh. Diese werden, auch im Jahr 2060, wie gewohnt, für ca. 30 -35 Ct/ kWh an den Endkunden verkauft- also die Margen bleiben groß genug". Wobei die
    hohen Schädigungen (Krebs durch Kohle an Mensch u. Tier u. der Wälder) entfallen u. die ungeheuren Entsorgungskosten für Radio-Müll und Rückbau von AKWs, auch. Der Neubau (durch Siemens), des AKW in Finnland, hat sich von 3,5 Mrd. (Festpreis), auf weit über 10,5 Mrd. mehr als verdreifacht. Der Rückbau des AKW Greifswald, (Ex-DDR), der seit 1990 mit täglich 1000 Arbeitern anhält, wird auf 5 Mrd. € geschätzt! Da dürfte die Entscheidung nicht mehr schwer fallen. 9.4.2015, A. Röck

  • 13.04.15 - 12:51, GernotKloss

    Wenn die Politik und die Versorgungsunternehmen rechtzeitig an intelligenten Lösungen gearbeitet hätten, gäbe es heute wesentlich weniger Probleme. Eine Radikal-Lösung dieser Probleme wäre zum Beispiel der Bau neuartiger Speicher in Form von Pumpspeichern mit schwimmendem Speicherteil. Diese werden aber von der Politik und den großen Versorgungsunternehmen vehement ignoriert. Im Besonderen von der Politik, die den Bau dieser Speichertechnologie nicht nur nicht fördert, sondern durch Gesetze und Auflagen geradezu verhindert. Auf diese politische Fehlstellung wurde Herr Minister Gabriel bereits zweimal schriftlich hingewiesen. Bisher ohne Antwort. Das lässt vermuten, dass er entweder beratungsresistent oder fremdgesteuert ist. Letztes würde einen dunklen Schatten auf seine Mitarbeiter oder auf Lobbyisten-Kreise werfen.

  • 15.04.15 - 12:17, martin

    Was soll das? An Land gibts nur 5-9 Ct Vergütung, auf dem Meer 19 Ct - bis 2018(?). Warum also den teuren Weg wenn hier in D genug Potential auf dem Land ist.
    Windstrom zentral zu erzeugen erhöht auch den backup Bedarf. Wenn in der Nordsee Windstille herrscht weht mit 80%iger Sicherheit genug Wind im Süden. Also dezentral aufstellen!
    Das ist günstiger je kwh, braucht weniger teure Stromnetze und macht weniger Stromübertragungsverluste.

  • 12.05.15 - 23:27, Andreas Klet

    beides totaler Unsinn, Geschäftsmodelle, die sich nicht selbst tragen, sollten nicht über Dekaden gefördert werden.

  • 21.02.16 - 11:04, A. Röck Cand.-Ing.

    i) STOPP mit Ihrem dogmatischen Dummgeschwätz - haben Sie den Satz schön auswendig gelernt, „Geschäftsmodelle ..bla, bla..“; von einem irren Betriebswirtschaftler, statt selbst zu denken? Sie Unfähiger, Unbelesener wissen also nicht (wollen es nicht wissen, wäre doch überall zu lesen!) :
    I) Laut des IPCC (UN) sind die Reichweiten der fossilen Ressourcen [Jahre]: Erdöl 38, Erdgas 60, Br. Kohle 98, St. Kohle 190 -350; wenn die EE nicht schnellstens ausgebaut werden, wird es also logischerweise in wenigen Jahren wirklich exorbitant teuer!
    II) Wenn die Fossilen zu Ende gehen, müssen die REGENERATIVEN verwendet werden, das dürfte dem Dümmsten klar sein- egal, wieviel es kostet.
    III) Glücklicherweise sind die EE billiger auf Dauer!
    IV) Windstrom wird seit den großen Rotoren (115- 126 m) u. Höhe Nabe (ab 138 -141- 149 ) spottbillig erzeugt zu 2,0 - 2,8 -3,5 Cent/ kWh, je nach Standort. [Der Endkunde zahlt 30
    Cent/ kWh];
    V) Die AUDI AG meldete im Sommer 2012, dass sie mit eigenen WKA den Strom zu 2,0 Cent/ kWh erzeugt. PV- Strom wird zu 9- 14 Cent/ kWh erzeugt und offshore Strom laut TU München zu 10,65 Cent/ kWh; der Endkunde zahlt 30 Cent/ kWh.
    VI) Auf Dauer sind die EE sowieso viel billiger als die Endlichen! Mister A. Klet wird freilich an seinem irren Stus festhalten; aber:
    VII) Die Alten, die Starrsinnigen, die Ewiggestrigen, werden - Gott sei Dank - von der Biologie bald entsorgt, u. die Jungen machen den NÖTIGEN PARADIGMENWECHSEL!
    VIII) Das hat die Evolution klugerweise so eingerichtet, sonst kämen wir nie weiter, und würden im energetischen NICHTS landen. Diesem a- intellektuellen Gesocks wäre es offensichtlich egal, wenn die nächsten Generationen ohne Energie, vor allem Strom, da stünden – nur weil sie keine WKA- Türme sehen wollen!
    Eigentlich gehört solchen Unverantwortlichen das Wahlrecht entzogen!
    IX) Die Knappheits- Falle, die lernt der kfm. Azubi i. d. 1.Berufsschulwoche- dass nämlich dann die Preise ins Exorbitante steigen! Schon diese simple Überlegung schafft Mister A. Klet nicht! Packen Sie ein- werden Sie Zuckerbäcker!
    X) Selbstverständlich sind die 22.000 Naturwissenschaftler der Fraunhofer Gesellschaft dümmer, als Sie!
    XI) Davon forschen allein 2000 Ing. "nur" daran:
    a) 80 % Windstrom im Jahre 2050 u. 20 % PV-Strom zur Basis zu machen, mittels Ausleichs-Management:
    b) Lastverschiebung nach ausserhalb von 11-16 Uhr, 40 Mio Kühlschränke, 40 Mio Waschmaschinen ebenfalls,
    c) Pumpwasserspeicher (PSW) u.
    d) Vernetzung Nord-Süd usw.;
    Überlassen Sie das den Ingenieuren- Sie braucht man dazu ganz gewiss nicht! 21.2.2016,
    A. Röck

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