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COP23 in Bonn

„Wir brauchen weltweit höhere CO2-Preise“

Foto: Thomas Koehler/photothek.net

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Interview: Katja Dombrowski, 30.11.17
… sagt der Ökonom und Klimaforscher Ottmar Edenhofer. So könne auch der Kohleausstieg gelingen. Damit ärmere Länder mitmachen, müsse aber mehr Geld fließen.

neue energie: Sie haben an der COP23 teilgenommen. Welches Fazit ziehen Sie?

Ottmar Edenhofer: Es ging auf dieser Klimakonferenz darum, eine Art Regelbuch zu erarbeiten, um das Abkommen von Paris umzusetzen. Das sind sehr viele technische Fragen. Wir – damit meine ich die Vertragspartner und somit die gesamte Menschheit – haben vor zwei Jahren in Paris den Beschluss gefasst, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Das gibt uns ein Restbudget von etwa 800 Gigatonnen CO2. Wenn man aber die Selbstverpflichtungen der Länder aufaddiert, wären davon bis 2030 schon 600 Gigatonnen verbraucht. Nach 2030 wäre demnach eine enorme Absenkung der Emissionen nötig, die einfach extrem unrealistisch ist. Daher ist jetzt die große Herausforderung: Wie schaffen es die Staaten, ihre Ambitionen zu erhöhen? Dafür sind auch Transparenz und Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Ländern nötig. Es geht also darum, einen gemeinsamen Nenner für die nationalen Selbstverpflichtungen zu finden. Wir sind in eine neue Phase der Klimapolitik eingetreten. Bisher hat die Wissenschaft Argumente dafür geliefert, warum es sinnvoll ist, Klimaschutz zu betreiben. Die Zeit des „Warum“ ist vorbei. Es geht nun um das „Wie“ – also mit welchen konkreten Maßnahmen die Klimaziele umgesetzt werden können.

ne: Auf der COP ist der Eindruck entstanden, dass gute Initiativen im Gang sind, dass aber der Zeitdruck enorm hoch ist und das CO2-Budget vor der Umsetzung der Klimaschutzziele aufgebraucht sein könnte. Was denken Sie?

Edenhofer: Da ist eine gewaltige Herausforderung zu stemmen. Wenn es gelingt, kurzfristig einen Ausstieg aus der Kohle zu finden – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit –, ist es bestimmt noch nicht zu spät. Die Kohleverstromung lediglich effizienter zu machen, was China derzeit stark vorantreibt, reicht aber auf keinen Fall. Auch eine Wende im Transportsektor hin zur Elektromobilität setzt voraus, dass der Stromsektor dekarbonisiert ist.

ne: Demnach ist ein weltweiter Kohleausstieg Ihrer Meinung nach die wichtigste Maßnahme zur Rettung des Weltklimas?

Edenhofer: Ja, kurzfristig, um überhaupt die Tür zu einem ambitionierten Klimaschutz offenzuhalten. Wir reden von zehn bis 15 Ländern, auf die wir uns konzentrieren müssen, allen voran China und Indien. Der Blick muss aber auch nach Afrika gehen, wo die Emissionen heute praktisch noch gar keine Rolle spielen, aber in Zukunft wegen der Wachstumschancen dieses Kontinents eine große Rolle spielen könnten. Manche Länder in Afrika haben zweistellige Ausbauziele für Kohlekraft. Einige multilaterale Entwicklungsbanken unterstützen noch immer die Investitionen in Kohlekraftwerke, das ist für das Weltklima durchaus relevant. Wir brauchen weltweit höhere CO2-Preise. Schon bei einem CO2-Preis von etwa 50 Euro pro Tonne würde die Kohle unattraktiv und dadurch aus dem Markt gedrängt. Ärmeren Ländern, die sich hohe CO2-Preise nicht leisten können, müssen wir einen Teil der Umbaukosten, die zur Modernisierung ihres Energiesystems notwendig sind, erstatten, sonst werden sie ihre CO2-Preise nicht erhöhen. Diese Kostenerstattung könnte zum Beispiel aus dem Green Climate Fund finanziert werden. Dazu ist es aber dringend notwendig, dass die reichen Staaten ihre Zahlungen erhöhen.

Das komplette Interview mit Ottmar Edenhofer finden Sie in der aktuellen ePaper-Leseprobe von neue energie.

 

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