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AKW Flamanville

Atomkraft kann das Klima nicht retten

Foto: Michel Stoupak/picture alliance/NurPhoto

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Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire (Mitte) informiert zum Problemfall Flamanville. Links Umweltministerin Elisabeth Borne, rechts Jean-Bernard Levy, CEO des Betreibers EDF.

Joachim Wille, 31.10.19
Weniger CO2 durch mehr Kernkraft? Ein Beispiel aus Frankreich zeigt, warum diese Rechnung nicht aufgeht: Die Kosten sind enorm und der Bau dauert viel zu lang. Ein Experte prophezeit, die Technologie werde aussterben.

Es sollte das Leuchtturmprojekt der französischen Atombranche werden und die Renaissance der Kernkraft in den Industriestaaten einläuten: das neue AKW, das derzeit in Flamanville am Ärmelkanal erstellt wird. Doch das Projekt entwickelt sich immer mehr zum Fiasko. Der Bau des Reaktors sei ein „Misserfolg“ für die Nuklearindustrie des Landes, sagte jetzt Wirtschaftsminister Bruno Le Maire in Paris. Das sind ungewöhnlich deutliche Worte in dem Staat, der mit über 70 Prozent den höchsten Atomstrom-Anteil weltweit hat. Le Maire forderte den Energiekonzern EDF auf, binnen eines Monats einen Aktionsplan vorzulegen, um die Probleme in den Griff zu kriegen.

Flamanville ist der erste Reaktor der neu entwickelten EPR-Serie, der in Frankreich die alten AKW ersetzen soll. Er sollte ursprünglich 3,3 Milliarden Euro kosten und in viereinhalb Jahren fertig werden. Le Maire zufolge werden es am Ende über zwölf Milliarden und 15 Jahre sein. Erneute Probleme mit Schweißnähten am Sicherheitsbehälter verzögern die Inbetriebnahme, nun soll der Reaktor frühestens Ende 2022 ans Netz gehen. Ähnliche Probleme gibt es in Finnland, wo EDF in Olkiluoto einen baugleichen Reaktor baut. Und auch beim dritten EPR-Projekt in England, Hinkley Point, sieht es wegen Mehrkosten düster aus.

Selbst wenn EDF die bautechnischen Probleme in den Griff bekommt: Die Aussichten für eine echte Renaissance der Atomkraft sind schlecht, obwohl sie Strom relativ CO2-arm produziert – vor allem aus Kostengründen. Der jüngst vorgelegte „World Nuclear Industry Status Report“ für 2018 zeigt, dass weltweit 417 Reaktoren am Netz waren und damit 21 weniger als beim Höchststand 2002. Zwar sind zuletzt netto vier AKW hinzugekommen, doch der Bau neuer Anlagen geht sukzessive zurück, während immer mehr Reaktoren ans Ende ihrer Betriebszeit kommen.

Immer weniger neue Kraftwerke

Eine echte Trendwende ist laut dem Bericht trotz der Atomprogramme von Ländern wie China, Russland und Japan nicht in Sicht. Vor 40 Jahren standen 234 AKW als „im Bau“ auf der Liste, 2013 waren es 68 und Mitte 2019 nur noch 46. „Die Verjüngungsrate ist zu klein, um die kommerzielle Kernspaltung vor dem Aussterben zu bewahren“, kommentierte der Hauptautor des Berichts, der renommierte Atomkritiker Mycle Schneider.

Mit Blick auf die globalen Klimaschutz-Ziele muss das kein Fehler sein, ganz im Gegenteil. Um CO2 im Stromsektor einzusparen ist die Atomkraft nicht nur die teuerste Option, sondern auch die langsamste, wie der Report zeigt. Der Bau eines AKW dauert demnach fünf bis 17 Jahre länger als das Errichten von Solar- oder Windkraft-Anlagen, die im gleichen Umfang Leistung erbringen können. Solche Zeiträume sind zu lang, bedenkt man, dass der Weltklimarat zur Einhaltung des Erwärmungslimits von 1,5 Grad eine Halbierung des weltweiten CO2-Ausstoßes bereits bis 2030 für nötig hält. Während der Bauzeit würden die Kohlekraftwerke, die von den AKW ersetzt werden sollen, ja weiter Emissionen produzieren.

Der Bericht verweist darauf, dass selbst in China, das ein starkes AKW-Programm hat, die Installation von Solar- und Windkraft viel schneller vorangeht und sich in den USA neue Solarkraftwerke inklusive Stromspeicherung bereits mit den reinen AKW-Betriebskosten messen können. Dass die immer noch hochfliegenden Pläne der verbliebenen Atomfans aufgehen, erscheint da mehr als fraglich.

 

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