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Fridays for Future

Wer genau demonstriert da eigentlich?

Foto: Christoph Soeder/picture alliance/dpa

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„Fridays for Future“-Demo am 22. März in Berlin

Tim Altegör, 27.03.19
Eher links, gut gebildet und bereit, den eigenen Lebensstil anzupassen: Protestforscher haben sich genauer angeschaut, was die Teilnehmenden an den Schülerstreiks für mehr Klimaschutz ausmacht.

Nach den bislang größten Demonstrationen im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung am 15. März gibt es erstmals Daten zu deren Zusammensetzung und dem Hintergrund der Teilnehmer. Ein Bündnis von Protestforschern hat sie in verschiedenen europäischen Städten befragt, zum einen online, über einen Flyer, der bei den Demos verteilt wurde, zum anderen in kurzen Interviews.

Für Deutschland, wo das Institut für Protest- und Bewegungsforschung die Demos in Berlin und Bremen untersucht hat, liegen schon erste Ergebnisse vor. Die Forscher halten sie für weitgehend repräsentativ. Demnach sind fast 60 Prozent der Teilnehmenden weiblich (bei den Stuttgart-21-Protesten war das Verhältnis umgekehrt), viele haben Abitur oder streben es an. Wenn sie sich einer sozialen Schicht zuordnen sollen, nennen 45 Prozent die obere, 25 Prozent die untere Mittelschicht. Rund die Hälfte ihrer Eltern hat einen Uniabschluss.

Bei der Frage, wie sie von den Demos erfahren haben, spielen Freunde und Bekannte sowie soziale Medien mit Abstand die größten Rollen. Auch nach dem Einfluss der schwedischen Initiatorin Greta Thunberg fragten die Wissenschaftler; rund zwei Drittel geben an, sie habe ihr Interesse am Thema verstärkt und die Entscheidung zu demonstrieren zumindest etwas beeinflusst.

Dass die Demonstrationen das Ziel voranbringen, die globale Erwärmung zu stoppen, glauben die allermeisten der Befragten, wobei sie das Ausmaß des Einflusses unterschiedlich einschätzen: 35 Prozent sagen „etwas“, knapp 40 Prozent „ziemlich“ und 23 Prozent „sehr“. Lösungsansätze für das Problem  sehen sie noch am ehesten bei der Wissenschaft oder in einer Anpassung des Lebensstils, während sie Unternehmen und Politik wenig zutrauen.

Weniger Konsum, weniger Flüge

Dazu passt, dass viele – nach eigener Aussage – bereits privat handeln: So haben 70 Prozent ihren Konsum verringert, 68 die Ernährung umgestellt, 61 Prozent sparen Energie und 40 Prozent haben schon fürs Klima auf einen Flug verzichtet. Politisch ordnen sich drei Viertel als „links“ oder „sehr links“ ein, wobei 40 Prozent keiner Partei nahestehen. Die Grünen kommen bei der Parteipräferenz auf 36 Prozent, die Linken auf zwölf. Die Regierungsparteien CDU und SPD wurden mit 1,5 und 3,2 Prozent dagegen kaum genannt.

Befragungsergebnisse gibt es zudem auch aus Konstanz, wo die Universität die Schüler direkt vor Ort befragte. Größtenteils decken sich die Ergebnisse mit den Werten aus Berlin und Bremen, teils wurden aber andere Fragen gestellt. Die Antworten aus Konstanz sprechen etwa gegen den vielgeäußerten Vorwurf, es gehe ums Schwänzen des Unterrichts.

Das verneinen die Schüler direkt befragt größtenteils selbst, es deckt sich aber auch mit anderen Zahlen: 45 Prozent berichten, ihnen sei seitens der Schule die Teilnahme verboten worden (wobei 62 Prozent auch sagen, sie würden durch Lehrer unterstützt), 37 Prozent erwarten deshalb eine Strafe. Dennoch geben 84 Prozent an, sie wollten auch weiterhin an Klimastreiks teilnehmen.

Finanziell gefördert wurde die Erhebung des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung von der Heinrich-Böll-Stiftung, der 100-Prozent-Erneuerbar-Stiftung und der Otto-Brenner-Stiftung. Die Konstanzer Befragung fand im Rahmen eines von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Projekts statt.

Kommentare (1)

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  • 11.04.19 - 00:07, Gerhard Schreiber

    Ein guter Beitrag, den Hasskampagnen gegen die Schüler etwas entgegenzusetzen. Vielen Dank!

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