Ausschreibungen

Solar räumt alles ab

Tim Altegör, 12.04.18
Bei der ersten Auktion, in der zwei verschiedene Erneuerbaren-Technologien miteinander konkurrierten, geht die Windkraft komplett leer aus. Beobachter loben die Kostensenkungen der Solarenergie, den direkten Wettbewerb findet aber selbst deren Branchenvertretung falsch.

Der Sieger ist eindeutig, aber so recht glücklich ist damit niemand: Die Bundesnetzagentur hat heute (12. April) die Ergebnisse der ersten gemeinsamen Ausschreibungen für Wind- und Solaranlagen veröffentlicht. Für insgesamt 200 Megawatt Leistung konnten sich Projekte bis zum 1. April bewerben, 32 von ihnen erhielten am Ende den Zuschlag, bei ausnahmslos allen handelt es sich um Solaranlagen.

Im Durchschnitt sicherten sie sich eine Vergütung von 4,67 Cent pro erzeugter Kilowattstunde, das Spektrum der Zuschläge liegt zwischen 3,96 und 5,76 Cent. Laut der Behörde ging knapp das Doppelte der ausgeschriebenen Leistung an Geboten ein. Von 54 Bietern hätten 18 Windkraftanlagen geplant. Sie gingen jedoch leer aus.

Auffällig ist die große Lücke zwischen den durchschnittlich angebotenen Preisen: Für Solaranlagen waren es demnach 4,82 Cent, für Windräder dagegen 7,23 Cent. Bei der Auktion handelt es sich um ein Pilotverfahren, der Großteil des Zubaus wird bislang Technologie-spezifisch ausgeschrieben. Zum Vergleich: Bei der jüngsten reinen Wind-Auktion lag der Durchschnittswert bei 4,73 Cent.

Zweifel am System

Ein Windprojekt, das ansonsten in der aktuellen Runde erfolgreich gewesen wäre, scheiterte offenbar noch an einer speziellen Hürde: einem automatischen Aufschlag in Gebieten mit bereits hoher Anlagendichte, der einer höheren Belastung der Verteilnetze Rechnung tragen soll.

Ein allgemeiner Trend lässt sich aus dem Ergebnis also nur bedingt ablesen. Branchenexperten hoben dennoch die erheblichen Kostensenkungen der Solarenergie hervor. „Solarstrom ist jetzt auch in Deutschland die kostengünstigste Energiequelle“, kommentierte etwa Patrick Graichen vom Thinktank Agora Energiewende. „Solar ist etwa zehn bis 20 Prozent günstiger als Wind, kostet nur halb so viel wie Strom aus neuen Kohlekraftwerken und nur ein Drittel von dem, was Strom aus neuen Atomkraftwerken kostet.“

Er forderte, wieder mehr Photovoltaik-Anlagen in Deutschland zu errichten. Die laut Koalitionsvertrag geplanten Sonderausschreibungen von jeweils vier Gigawatt für beide Technologien müssten noch vor dem Sommer beschlossen werden. Zugleich bezeichnete Graichen die gemeinsame Ausschreibung für Wind- und Solarkraft in dieser Form als „nicht zielführend“. Für die Energiewende seien beide Technologien nötig. Damit liegt er auf einer Linie mit vielen Kommentatoren, die dem Verfahren eine mehr oder weniger deutliche Absage erteilten.

Kombi gegen Stromlücken

Die Branchenverbände für Wind- und Solarenergie, BWE und BSW, erklärten es in einer gemeinsamen Mitteilung für „gescheitert“, sie sehen darin einen „nicht zielgerichteten Kostenwettstreit“. Unter anderem verweisen die beiden Verbände auf eine Untersuchung des Deutschen Wetterdienstes vom März. Diese kam zu dem Ergebnis, dass eine Kombination beider Erneuerbaren-Technologien das Risiko von Stromlücken deutlich schmälert.

Auch Regierungsvertreter äußerten sich zurückhaltend. Thomas Bareiß, parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, betonte, es brauche „insgesamt einen ausgewogenen Mix der erneuerbaren Erzeugungstechnologien“. Fast wortgleich ließ sich Netzagentur-Präsident Jochen Homann zitieren.

Verfechter der umstrittenen Technologie-neutralen Ausschreibungen sitzen vor allem in der EU-Kommission. Sie pochen auf die europäischen Leitlinien für Umwelt- und Energiebeihilfen, in denen dieses Prinzip festgeschrieben wurde. Ausnahmen sind demnach nur möglich, wenn dies zu einem „suboptimalen Ergebnis“ führt, etwa mit Blick auf eine notwendige Diversifizierung oder die Kosten des Gesamtsystems.


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