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Jahresbilanz

Offshore-Windenergie nimmt nur langsam Fahrt auf

Foto: picture alliance/dpa/DEME Group

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Installation von Fundamenten für den Windpark Arcadis Ost 1.

Michael Hahn, 16.01.23
Nach einem Jahr mit Null-Ausbau hat die Windenergie auf See in Deutschland 2022 wieder leicht zugelegt. Angesichts der erhöhten Ausbauziele fordert die Branche den Aufbau neuer Fertigungskapazitäten und stabile Rahmenbedingungen.

2022 gingen 38 neue Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 342 Megawatt (MW) neu ans Netz. Die Anlagen gehören allesamt zu dem Nordsee-Windpark Kaskasi. Mit Inbetriebnahme der Turbinen hat sich die installierte Offshore-Leistung in Nord- und Ostsee auf 8100 MW erhöht, die Anlagenzahl ist auf 1539 gestiegen. Die Zahlen wurden von der Deutschen Windguard im Auftrag der Branchenorganisationen BWE, BWO, VDMA Power Systems, WAB, Wind Energy Network und Stiftung Offshore-Windenergie ermittelt und heute (16. Januar) vorgestellt.

Demnach wurden zudem bis Jahresende für den Windpark Arcadis Ost 1 in der Ostsee bereits alle 27 Fundamente installiert und neun der Anlagen errichtet. Der Park soll dieses Jahr in Betrieb gehen. 2021 waren dagegen gar keine neuen Anlagen vor den deutschen Küsten gebaut worden.

Die Bundesregierung von SPD, Grünen und FDP hat die Ausbauziele für die Offshore-Windenergie deutlich angehoben. Bis 2030 sollen 30 Gigawatt (GW) installiert sein, zuvor waren es 20 GW. 2035 soll die installierte Leistung auf 40 GW anwachsen. Für 2045 sind 70 GW vorgesehen.

Produktionskapazitäten und Fachkräfte fehlen

Um in weniger als acht Jahren demnach rund 22 GW installieren zu können, fordert die Branche einen gleichmäßigen Zubaupfad und stabile Rahmenbedingungen. Nur so könnten sichere Lieferketten und ein „zukunftsorientierter Ausbau von Fertigungskapazitäten“ entstehen. „Die für das Erreichen der Ausbauziele notwendigen Produktionskapazitäten und Fachkräfte fehlen bisher in substanziellem Maße“, warnen die Organisationen in einer Mitteilung. Ein Plan allein reiche an der Stelle nicht. Stattdessen müsse man „gemeinsam mit der Politik umgehend eine realistische Grundlage für die Umsetzung der Ausbauziele“ schaffen.

Ab 2025 und vor allem gegen Ende des Ausbauziels 2030 erwarte man einen erheblichen Anstieg der Ausbaumengen, „was eine industrielle Machbarkeit voraussetzt“. Damit die Offshore-Windindustrie wieder hochfahren könne und die notwendigen Investitionen in Produktion und Lieferkette, Infrastruktur und Logistik getätigt werden, seien Aufträge nötig. Weil die Ausbaumengen auch international steigen, brauche es auch eine europäische Industriestrategie. Zudem fordert die Branche Änderungen im Windenergie-auf-See-Gesetz, um unter anderem die Risiken für Investoren zu senken.

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