Deutschlands Stromnetz ist noch kein Smart Grid
Ein Smart Grid ist ein intelligentes Stromnetz, das Stromerzeuger, Speicher, Netzbetreiber und Verbraucher digital miteinander vernetzt. Ziel ist es, Energieerzeugung und Stromverbrauch effizient aufeinander abzustimmen. Dafür sind Smart MeterDigitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.Digitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden. nötig – intelligente Messsysteme (iMSys). Mit flächendeckend verbauten Smart Metern sind leistungsorientierte Stromtarife und ein dynamischer Strommarkt keine Zukunftsvisionen mehr. Doch noch sind wir vom Smart Grid weit entfernt. Das liegt unter anderem daran, dass wir hierzulande einen ambitionierteren Weg als viele europäische Nachbarn gehen – mit sehr hohen Sicherheitsstandards.
Was sind Microgrids?
Unser Autor Bernward Janzing erklärt: Bei Microgrids erzeugen meist Solaranlagen oder Windparks per Direktleitung die Energie für den Eigenbedarf. Überschüsse werden in Batteriespeichern gepuffert. Alle Komponenten sind zudem über ein Kommunikationsnetz verbunden. Steuerungssoftware sorgt für Versorgungssicherheit. Bei geringer Stromverfügbarkeit oder auch hohen Preisen des zumeist zusätzlich vorhandenen Netzstroms werden Großverbraucher nach vorgegebenen Regeln abgeschaltet.
Microgrids gibt es sowohl als autarke „Inseln“ wie auch angekoppelt an den Netzverbund. Netzgekoppelte Microgrids steuern Batteriespeicher, Eigenerzeugung und Verbraucher so, dass die Energiekosten minimiert werden. Das kleinste Microgrid in diesem Sinne ist ein Home Energy Management System (HEMS), das die Lastflüsse im Privathaushalt optimiert. Ein solches System steuert flexibel den Stromverbrauch von Photovoltaikanlage, Wallbox oder Wärmepumpe. So kann ein HEMS den Eigenverbrauch durch Photovoltaik maximieren und die Einspeisung aus dem Speicher auf Basis der Spotmarktpreise steuern.
Auch Unternehmen setzen zunehmend auf solche Microgrids, etwa indem sie energieintensive Prozesse in Zeiten niedriger Börsenpreise verlagern. Oder sie kappen ihre Lastspitzen (Peak Shaving genannt), um ihren Leistungspreis für Strom zu senken.
Wo bleiben die intelligenten Stromzähler?
Obwohl Smart MeterDigitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.Digitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden. die Grundlage für ein funktionierendes Smart Grid bilden, stockt der Rollout in Deutschland. In skandinavischen Ländern liegt der Abdeckungsgrad mit Smart Metern ebenso wie in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich und Österreich deutlich über 90 Prozent. Deutschland wird bis Ende 2025 wohl nicht einmal die Zehn-Prozent-Hürde nehmen.
Ein Grund für den schleppenden Ausbau hierzulande ist die Verteilung der Verantwortung auf über 800 Verteilnetzbetreiber, die den Smart-Meter-Rollout unterschiedlich angehen – und unterschiedlich ernst nehmen. Gleichzeitig rechnet sich der Einbau von Smart Metern aktuell nicht für jeden Stromabnehmer, was die Nachfrage insgesamt weiter senkt.
FAQ zum Thema Smart Grids
Wie funktionieren Smart Grids?
Smart Grids funktionieren über digitale Kommunikation zwischen allen Komponenten des Stromsystems. Sensoren, intelligente Messsysteme (Smart Meter) und Steuerungssoftware erfassen Verbrauch, Einspeisung und Netzbelastung in Echtzeit. Dadurch können Stromerzeugung, Speicherung und Verbrauch automatisch angepasst werden. So lassen sich beispielsweise Elektroautos, Wärmepumpen oder Batteriespeicher flexibel steuern – und das Stromnetz insgesamt entlasten.
Was ist der Unterschied zwischen Smart Grids und Microgrids?
Ein Smart Grid beschreibt das übergeordnete intelligente Stromnetz, das große Energiesysteme digital vernetzt. Ein Microgrid hingegen ist ein lokales Energienetz, das Strom selbst erzeugen, speichern und verteilen kann. Microgrids können eigenständig betrieben oder an das öffentliche Smart Grid angebunden werden.
Warum sind Smart Grids wichtig für die Energiewende?
Die Energiewende erfordert eine flexible Steuerung von Stromerzeugung und Verbrauch, da erneuerbare Energien wie Wind- und Solarstrom wetterabhängig sind. Smart Grids schaffen die technische Grundlage dafür, erneuerbare Energien effizient in das Stromnetz zu integrieren. Außerdem fördert ein Smart Grid den Ausbau von Elektromobilität, Wärmepumpen und intelligenten Energiespeichern.