Eine Million Elektroautos wollte die Bundesregierung bis 2020 auf die Straße bringen, doch es werden wohl nur rund 200.000 werden. Die E-Pkw kosten noch immer zu viel, die Reichweite ist bei fast allen Modellen sehr begrenzt – und es gibt zu wenige Ladesäulen. Weiteres Problem: Der Strom, der dort gezapft werden kann, ist oft sehr teuer, und zunehmend bilden sich in dem Sektor neue regionale Anbietermonopole. Das zeigt der „Ladesäulencheck“ des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick und des Marktforschungsinstituts Statista.
Bundesweit existieren derzeit rund 5000 öffentlich zugängliche Ladesäulen mit meist je zwei Anschlüssen; zum Vergleich: Es gibt etwa 14.500 normale Tankstellen für Benzin und Diesel. Für den Stromtank-Service kassiert die Mehrzahl der in dem Test untersuchten Betreiber kräftig ab – sieben von elf Anbieten berechnen zum Teil deutlich mehr, als normale Stromkunden für Haushaltsstrom bezahlen müssen, der im Schnitt 24,4 Cent kostet.
Der Stromkonzern EnBW verlangt laut dem Check zum Beispiel umgerechnet 54,5 Cent pro Kilowattstunde, bei den Stadtwerken München sind es 46,7 Cent und bei Allego in Berlin 44,3 Cent. Der Tarif von Stromnetz Hamburg/Hamburg Energie (29,5 Cent) liegt in der Nähe des Haushaltsstrompreises, preiswert ist das Laden bei der Frankfurter Mainova mit 13,3 Cent. Grundlage dieser Berechnung waren jeweils die Kosten für eine Batterieaufladung für 100 Kilometer mit einem BMW i3 an einem Elf-Kilowatt-Anschluss, wobei die Ladedauer gut eineinhalb Stunden beträgt. Es gibt allerdings auch kostenloses Stromtanken – nämlich bei den Stadtwerken Leipzig sowie der Rhein-Energie in Köln und Umgebung. Für den Check wurden nur Tarife ohne Vertragsbindung berücksichtigt.
Mal SMS, mal Ladekarte
Problematisch ist, dass jeder Anbieter laut der Studie sein eigenes Tarifsystem hat. Deutschlands größter Ladesäulen-Betreiber Innogy verlangt pauschal 7,95 Euro pro Ladevorgang respektive 39 Cent pro Kilowattstunde. EnBW rechnet zeitbasiert ab, hier kostet eine Stunde Laden für einen BMW i3 sechs Euro. Stromnetz Hamburg/Hamburg Energie rechnet nur pro Kilowattstunde ab. Zusätzlich kompliziert wird das Laden durch die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen. Nutzer müssen sich entweder per SMS, App oder Ladekarte anmelden, anderswo geht es nur mit Vorabregistrierung auf der Internetseite des Anbieters. Roaming-Anbieter wie „Plugsurfing“ oder „The New Motion“ bringen hier zwar eine Erleichterung, weil sie E-Auto-Fahrern einen flächendeckenden Zugang für jeweils rund 10.000 Ladepunkte ermöglichen. Den einheitlichen Strompreis bringt das jedoch nicht, er variiert weiter nach dem Betreiber der Ladesäule.
Bei der Analyse der lokalen Märkte zeigte sich, dass dort zunehmend regionale Monopole entstehen. Der Oldenburger Stromversorger EWE zum Beispiel betreibe rund 90 Prozent der rund 500 öffentlichen Ladesäulen im eigenen Netzgebiet der Weser-Elbe-Region, heißt es in der Studie. In München, wo die Stadtwerke Stromnetzbetreiber sind, sei der Anteil mit 88 Prozent ähnlich hoch. Gero Lücking von der Lichtblick-Geschäftsführung kritisierte: „Die örtlichen Stromnetzbetreiber und Grundversorger nutzen ihre Vormachtstellung im Strommarkt, um über das Ladenetz ein weiteres Monopol zu etablieren und den Wettbewerb zu unterlaufen.“ Lücking fordert hier einen radikalen Schnitt: „Kunden sollten mit einer Ladekarte ihren Haushaltsstrom-Tarif an jeder Ladesäule tanken können.“

