KIT sieht großes Potenzial für Biokraftstoffe – und erntet Kritik
Forschende am Karlsruher Institut für Technologie haben errechnet, dass Europa über genügend erneuerbare Ressourcen verfügt, um den Verkehr langfristig zu defossilieren. Doch die Ergebnisse der Studie stoßen auf Kritik.
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Grüner Sprit für alle: Mit den am KIT entwickelten Biofuels laufen laut Institutsangaben Verbrennungsmotoren für alle Anwendungen.
Foto: Markus Breig und Amadeus Bramsiepe, KIT
Das wirklich große Potenzial liegt in Materialien wie Pflanzenresten und Holzfasern."Thomas Koch, KIT
Nicht erst seit der Schließung der Straße von Hormus und der daraus resultierenden Versorgungslücke von 11 Millionen Barrel Rohöl pro Tag sucht die EU händeringend nach Alternativen zu fossilen Brennstoffen, vor allem im Verkehr. Ein Forschungsteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) bricht nun eine Lanze für sogenannte Biokraftstoffe, die der grüne Sprit von morgen werden könnten.
„Das wirklich große Potenzial liegt in Materialien wie Pflanzenresten und Holzfasern, die ohnehin in vielen Prozessen anfallen und klimafreundliche Kraftstoffe liefern können“, sagt Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen (IFKM) am KIT. Derzeit würden etwa Stroh aus der Landwirtschaft, Holzreste aus der Forstwirtschaft und andere organische Abfälle meist entsorgt, ohne deren energetisches Potenzial zu nutzen.
Landwirte könnten Energiepflanzen Vorrang vor Nahrungsmitteln geben
Viele Klimafachleute lehnen sogenannte Biofuels hingegen ab, da sie meist aus Grundnahrungsmitteln wie Mais und Sojabohnen hergestellt werden. Das kann dazu führen, dass Landwirte dem Anbau von Energiepflanzen Vorrang vor Nahrungsmitteln geben. Dadurch können die globalen Lebensmittelpreise steigen und die Ernährungsunsicherheit zunehmen, insbesondere in Ländern des Globalen Südens. „Wir opfern riesige Landflächen für den Anbau von Pflanzen, die wir in Autos verbrennen“, sagt Maik Marahrens, Biokraftstoffexperte bei der Umweltdenkfabrik T&E. Auf Dauer helfe im Verkehrssektor nur der komplette Umstieg auf Elektroantrieb.
Nach dem Bericht setzt sich das Forschungsteam des Karlsruher Instituts für Technologie für Biokraftstoffe ein, die dann der grüne Sprit von morgen werden könnten. Das Potenzial läge dabei bei Pflanzenresten und Holzfasern. Derzeit würden etwa Stroh aus der Landwirtschaft, Holzreste aus der Forstwirtschaft und andere organische Abfälle meist entsorgt, ohne deren energetisches Potenzial zu nutzen. Bei dieser Erwägung geht unter, dass diese Reststoffe nicht durch Verbrennung , also unter Bildung von CO2 „entsorgt“ werden müssen, sondern ökologisch korrekt kompostiert in den Naturkreislauf zurückgeführt werden können. Hinzu kommt noch, dass der Verbrennungsmotor den größten Teil der im Kraftstoff gleich welcher Art gespeicherten Energie nicht in Bewegung, sondern mindestens 60 % in Wärme umsetzt, die allenfalls zu einem eher kleinen Teil zeitlich begrenzt für die Heizung des Innenraumes verwendet werden kann.
06.07.2026 - 06:52 | Alfred Mayer
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Grüner Sprit für alle: Mit den am KIT entwickelten Biofuels laufen laut Institutsangaben Verbrennungsmotoren für alle Anwendungen.