Nachhaltige Flugzeugkraftstoffe, sogenannte Sustainable Aviation Fuels (SAF), gelten als entscheidender Hebel, um die CO₂-Emissionen des Luftverkehrs zu senken. Doch die Transformation der Branche in Richtung Netto-Null kommt kaum voran, wie eine Reuters-Studie jüngst ergab. Demnach wurden bislang nur 36 von weltweit 165 angekündigten SAF-Projekten großer Airlines und Treibstoffkonzerne umgesetzt – lediglich der finnische Hersteller Neste liefert SAF bereits in marktrelevantem Umfang. Die Nachrichtenagentur hatte die Studie beauftragt, nachdem die US-Firma World Energy, einst als Vorreiter für grünen Flugtreibstoff gefeiert, die SAF-Produktion im April dieses Jahres eingestellt hatte.
Die Gründe für die schleppende Substitution von herkömmlichem Flugbenzin durch SAF liegen auf der Hand: Der nachhaltige Treibstoff kostet zurzeit drei- bis fünfmal so viel wie fossiles Kerosin, und das Angebot ist verschwindend gering. Der Anteil von SAF am Treibstoffverbrauch liegt laut der internationalen Luftfahrtorganisation ICAO bei gerade einmal 0,7 Prozent. Zudem ist die Produktion technisch aufwendig; Investitionen gelten als riskant.
Anteil der SAF-Flüge soll 2050 bei 70 Prozent liegen
Fluggesellschaften, die klimafreundlicher agieren wollen, stecken in einem Dilemma, denn die EU-Kommission hält trotz der akuten Knappheit des Ersatztreibstoffs an den ambitionierten Quoten ihres Programms Refuel EU fest: Ab 2025 soll der SAF-Anteil von Flügen, die innerhalb der EU starten oder landen, zwei Prozent betragen; bis 2050 soll er schrittweise auf 70 Prozent steigen. Airlines, die sich nicht daran halten, drohen Strafzahlungen – oder Flugverbote. Ziel der umstrittenen Quotenregelung: Die Branche soll zu Investitionen gezwungen werden, um die SAF-Produktionskosten infolge zunehmender Skalierung zu senken.
„Mandate ohne verfügbare Mengen bringen keinen Umweltnutzen“, sagte Willie Walsh, Chef der internationalen Luftverkehrsorganisation IATA auf der Jahreskonferenz des Verbands in Neu-Delhi. Zugleich gab er zu bedenken, dass die Branche inzwischen einen „ernsthaften Rückstand beim Klimaschutz“ habe. Kritisch fällt auch die Reaktion der Airlines aus: In einem offenen Brief an die EU-Kommission warnten 17 europäische Fluggesellschaften – darunter Lufthansa und Air France-KLM – vor „erheblichen Wettbewerbsnachteilen“ gegenüber internationalen Konkurrenten, die für ihre Langstreckenflüge Drehkreuze außerhalb der EU nutzen.
Der Branchenverband Airlines for Europe (A4E) fordert daher dringend eine „realistische SAF-Strategie“. Rückendeckung erhält A4E unter anderem durch eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte. Die kam unlängst zu dem Ergebnis, dass „rund ein Viertel der mit Refuel EU erreichten Emissionsreduktionen lediglich dazu führten, dass die Airlines Drehkreuze außerhalb der EU ansteuern werden“. Die europäische Klimapolitik würde dadurch jedenfalls substanziell untergraben.