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Raumfahrt

US-Regierung will Klimasatelliten abschalten

US-Präsident Donald Trump will zwei wichtige Klimasatelliten abschalten lassen. Das hätte auch Folgen für die europäische Copernicus-Mission. Gegen den Plan regt sich massiver Widerstand.
10.11.2025 | 4 Min.
Erschienen in: Ausgabe 11/2025
Klimasatellit
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Bild: dpa picture alliance

Es ist eine bislang kaum beachtete, aber folgenreiche Entscheidung: Die US-Regierung unter Donald Trump will zwei der wichtigsten Satellitenmissionen zur Beobachtung der Erderwärmung beenden. OCO-2 und OCO-3, die seit Jahren die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre messen, sollen abgeschaltet werden. Forschende weltweit warnen, dass damit ein Blindflug im Kampf gegen die Klimakrise drohe – und versuchen zugleich, bisher angesammelte Daten über das Klima zu sichern, bevor sie auf Geheiß der US-Regierung gelöscht werden. Auch in Europa wächst die Sorge: Die OCO-Daten werden seit Jahren für das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus genutzt. Fällt die Quelle weg, ginge ein zentrales Element der globalen Klimaberichterstattung verloren.

Die beiden Satelliten gelten als Kernstück der Klimabeobachtung. OCO-2, gestartet 2014, liefert Daten zur CO2-Konzentration in der Atmosphäre mit einer Genauigkeit, die kein anderes System erreicht. OCO-3, im Jahr 2019 an der Internationalen Raumstation ISS installiert, ergänzt diese Messungen mit flexiblen Kartierungen, die etwa urbane Ballungsräume, die Vegetation oder Abholzungsgebiete im Detail erfassen. Gemeinsam bilden die Daten beider Satelliten die Grundlage für das Monitoring von Emissionen, das Verifizieren internationaler Klimazusagen und die Verbesserung von Klimamodellen. Die Betriebskosten der Satelliten sind dabei vergleichsweise gering – umgerechnet knapp 13 Millionen Euro pro Jahr.

Termination Plans sollen bereits erarbeitet werden

Im US-Haushalt für 2026 sind für die OCOs keine Mittel mehr vorgesehen. Und nach Recherchen mehrerer US-Medien wurden Nasa-Mitarbeiter bereits angewiesen, sogenannte Termination Plans zu erarbeiten: Pläne für das Beenden der Missionen. Für OCO-2 bedeutet das die Vorbereitung eines kontrollierten Absturzes des Satelliten über dem Pazifik. OCO-3 soll an der ISS schlicht abgeschaltet werden. „Aus wirtschaftlicher Sicht ergibt es keinen Sinn, Nasa-Missionen zu beenden, die solche unglaublich wertvollen Daten liefern“, sagt David Crisp, ehemaliger Projektleiter der Mission.

Hinter dem Schritt steht nicht etwa die Notwendigkeit von Einsparungen, sondern offenkundig politische Absicht. Trump hat in seiner zweiten Amtszeit die Angriffe auf die Klimaforschung verschärft. Im Juli veröffentlichte das US-Energieministerium einen Bericht, deren den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel infrage stellte. Parallel dazu versucht die Regierung, die sogenannte Gefährdungsfeststellung der Umweltbehörde EPA – die juristische Grundlage für die Regulierung von CO2-Emissionen – rückgängig zu machen. Satelliten, der Daten die Notwendigkeit des Klimaschutzes untermauern, sind da unerwünscht. „Anscheinend glaubt man in Washington, dass der Klimawandel aus dem Bewusstsein der Bürger verschwindet, wenn er nicht mehr gemessen wird“, sagt Klimaforscher Michael Mann.

 

Die Folgen der Abschaltung wären in der Tat gravierend. Die Satelliten lieferten wertvolle Daten, mit denen erstmals belegt werden konnte, dass der Amazonasregenwald in der Trockenzeit seine CO2-Aufnahme drastisch reduziert, dass nordische Wälder im Frühjahr explosionsartig CO2 aufnehmen und dass Agrarflächen in China während der Wachstumsperiode zu gewaltigen CO2-Speichern werden. Ohne die Messungen der Satelliten wäre es zudem viel schwieriger, regionale Emissionsquellen zuverlässig zu erfassen. Weder die Abholzung im Amazonas noch der CO2-Ausstoß von Metropolen wie Los Angeles oder Peking könnten dann so präzise wie bisher überwacht werden, erschwert würden zudem Prognosen von Ernteerträgen. Auch die Fähigkeit, Fortschritte oder Rückschritte bei Klimazusagen einzelner Staaten zu überprüfen, würde erheblich leiden. Gerade für Entwicklungsländer, die auf frei verfügbare Daten angewiesen sind, wäre der Verlust fatal. Sie nutzen die Informationen, um Strategien zur Klimaanpassung zu entwickeln und Finanzhilfen zu beantragen.

Alternative Finanzierungspartner

Kampflos wollen sich die Forschenden in den USA freilich nicht geschlagen geben. Inzwischen gibt es Versuche, die OCO-Satelliten ohne staatliche Finanzierung weiterzubetreiben. Universitäten und private Stiftungen bemühen sich, Mittel bereitzustellen, um zumindest OCO-3 am Leben zu halten. Auch europäische Forschungskonsortien prüfen, ob sie einspringen können. Das ist allerdings fraglich. Denn ohne Zugang zur Dateninfrastruktur der Weltraumbehörde Nasa sind die Erfolgsaussichten begrenzt.

Auch an anderen Fronten wehrt sich die Fachwelt gegen Trumps wissenschaftlichen Kahlschlag. Die National Academy of Sciences (NAS) hat ein Schnellverfahren gestartet, um die Gefahren von Treibhausgasen für Gesundheit und Umwelt noch einmal umfassend zu dokumentieren – rechtzeitig, bevor die von Trump gesteuerte Umweltbehörde EPA Fehlinformationen streut. „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Politik auf Bundesebene auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert“, sagt NAS-Präsidentin Marcia McNutt. Parallel dazu archivieren Initiativen wie das Public Environmental Data Project derzeit massenhaft Daten, die auf Anweisung der EPA gelöscht werden könnten. Die Behörde hat bereits einen Großteil der Websites und Datenbanken über den Klimawandel verändert oder entfernt, darunter die nationalen Klimaberichte, die bislang öffentlich zugänglich waren.

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