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Forschungsreaktor Jülich

Störfälle über Jahre verheimlicht

Wassereinbrüche, Überhitzung, Manipulationen am Notfallsystem: Eine Expertenkommission kommt in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass es während des Betriebs des Hochtemperaturforschungsreaktors bei Jülich zu mehreren schweren Störfällen kam - mindestens zweimal wurde dabei die Umwelt kontaminiert.
Von:  Clemens Weiß - energiezukunft.eu
29.04.2014 | Aktualisierung: 29.04.2014 | 2 Min.

Das bis 1988 von der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor Jülich (AVR) betriebene Kernkraftwerk bei Aachen steht schon seit vielen Jahren in der Kritik. Eine unabhängige Expertengruppe unter Vorsitz des Physikers Christian Küppers, stellvertretender Leiter des Bereichs „Nukleartechnik und Anlagensicherheit“ am Öko-Institut, hat die Betriebshistorie des Forschungsreaktors untersucht und dabei zum Teil große Missstände im Betriebsablauf aufgedeckt. Demnach kam es im Zeitraum zwischen 1967 und 1988 zu mehreren Störfällen. Mindestens zweimal wurde dabei nach Ansicht der Wissenschaftler die Umwelt kontaminiert.

Im Jahr 1978 und bereits davor sei es zu einer „lokalen, aber hohen Strontium-90-Kontamination des Bodens“ gekommen, möglicher Weise sei auch das Grundwasser betroffen gewesen, heißt es in dem Gutachten. Aufgefallen sei der Vorfall aber erst im Jahr 1999, als im vom Reaktor abgeführten Regenwasser Radioaktivität nachgewiesen wurde. Da dieses Wasser, über den Regenwasserkanal, den Hauptentwässerungskanal und eine Druckrohrleitung in den  Abschlaggraben des Krauthausen-Jülicher Mühlenteiches und von dort in die Rur eingeleitet wurde, gehen die Forscher davon aus, dass es in diesem Zusammenhang auch zu einer Kontaminierung des Grundwassers gekommen sein kann.

Automatische Notabschaltung manipuliert

Laut Gutachten ist die Bevölkerung durch die Störfälle allerdings nicht in Gefahr gewesen – die Liste der erfassten Unfälle lässt an dieser Einschätzung aber Zweifel aufkommen. Ebenfalls 1978 drangen etwa 27 000 Liter Wasser in den inneren Teil des Reaktors ein. Erst sechs Tage nach Beginn des Störfalls fuhren die Betreiber den Reaktor herunter und meldeten den Störfall der zuständigen Aufsichtsbehörde lediglich mit der niedrigsten Meldekategorie „N“ („geringe sicherheitstechnische Bedeutung“).

Die Gutachter kommen außerdem zu dem Schluss, dass der Reaktor offenbar unbemerkt lange Zeit mit deutlich überhöhter Temperatur betrieben wurde. Betreiber und Techniker der Anläge hätten außerdem die automatische Notabschaltung der Anlage manipuliert. Der Versuchsreaktor Jülich befindet sich noch immer im Rückbau. Nach der Stilllegung 1988 war zunächst ein „sicherer Einschluss“ der gesamten Anlage vorgesehen, alle radioaktiven sollten im Reaktorgebäude konzentriert oder entfernt werden. 2003 wurde dann entschieden, die Anlage komplett abzubauen.

Die Kurzfassung des Untersuchungsberichts können Sie hier herunterladen.

Clemens Weiß - energiezukunft.eu

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