Forschung

Mikroplastik belastet das Klima stärker als gedacht

Mikroplastik greift einen der wichtigsten natürlichen Klimapuffer an: die Ozeane. Eine Übersichtsarbeit zeigt, dass die winzigen Kunststoffpartikel die biologischen Prozesse im Meer so stark stören, dass die Fähigkeit der Ozeane, Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufzunehmen, messbar geschwächt wird.
26.02.2026 | 2 Min.
Erschienen in: Ausgabe 02/2026
Große Belastung: Verschmutzung der Ozeane durch Plastik.
Große Belastung: Verschmutzung der Ozeane durch Plastik.
Foto: Justin Hofmann, Greenpeace

Ozeane spielen im Klimasystem eine Schlüsselrolle: Sie produzieren 50 Prozent unseres Sauerstoffs, binden etwa 30 Prozent der CO₂-Emissionen und speichern 90 Prozent der Wärme, die durch Emissionen entsteht. Damit sind sie der größte Kohlenstoffspeicher der Erde und ein wichtiger Puffer gegen die globale Erwärmung.

Für ihre im Fachjournal Journal of Hazardous Materials unter Beteiligung der University of Sharjah veröffentlichte Analyse werteten die Forschenden 89 Studien aus den Jahren 2010 bis 2025 aus. Die Ergebnisse zeigen, dass Mikroplastik die sogenannte biologische Kohlenstoffpumpe beeinträchtigt – einen Prozess, bei dem Phyto- und Zooplankton Kohlendioxid aufnehmen und in tiefere Ozeanschichten transportieren, wo es langfristig gespeichert wird. Mikroplastik verringert die Photosyntheseleistung des Phytoplanktons und stört den Stoffwechsel des Zooplanktons.

Kunststoffpartikel selbst tragen zur Klimabelastung bei

Die Bekämpfung der Plastikverschmutzung ist somit Teil des Kampfes gegen die Erderwärmung.“ Ihsanullah Obaidullah, Professor für integrierte Wasseraufbereitungstechnologien an der University of Sharjah
„Mikroplastik untergräbt diesen natürlichen Schutzschild gegen den Klimawandel“, sagt Ihsanullah Obaidullah, Professor für integrierte Wasseraufbereitungstechnologien an der University of Sharjah. „Die Bekämpfung der Plastikverschmutzung ist somit Teil des Kampfes gegen die Erderwärmung.“ Denn auch die Kunststoffpartikel selbst tragen zur Klimabelastung bei. Beim Abbau der Kunststoffe entstehen Gase wie Methan und Ethylen. Zudem fördern Mikroorganismen, die sich auf Plastikoberflächen ansiedeln, den Abbau organischer Substanzen und die CO₂-Freisetzung. Mikroplastik reduziert damit nicht nur die Fähigkeit der Ozeane, das Treibhausgas zu binden, sondern wirkt potenziell als zusätzliche Emissionsquelle. Langfristig drohen eine beschleunigte Ozeanerwärmung, Versauerung und der Verlust mariner Biodiversität.

Mikroplastik ist inzwischen nahezu überall nachweisbar – von der Tiefsee bis in den menschlichen Körper. Weltweit wurden bislang rund 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert, von denen etwa 80 Prozent in der Umwelt oder auf Deponien landen. Nur neun Prozent werden recycelt. Angesichts der engen Verknüpfung von Plastikverschmutzung und Klimawandel fordert das Forschungsteam einen integrierten politischen Ansatz. Weniger Einwegplastik und ein besseres Abfallmanagement seien „nicht nur für den Meeresschutz, sondern auch für das Klima und die Gesundheit entscheidend“.

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