Das schafft Vertrauen und sorgt für mehr Rechtssicherheit in Genehmigungsverfahren."
Christoph Scholz, Fraunhofer IEE
Wenn Windparkprojekte durch Klagen gebremst werden, geht es häufig um potenziell bedrohte Vögel. Deshalb finden Ornithologen heraus, welche Arten tatsächlich vor Ort leben. Neuerdings werden die Forschenden von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützt. „Mithilfe von Deep Bird Detect können Unternehmen effizient hochwertige, aussagekräftige Artenschutzgutachten zur Artenpopulation erstellen“, sagt Projektleiter Christoph Scholz vom Fraunhofer IEE. „Das schafft Vertrauen und sorgt für mehr Rechtssicherheit in Genehmigungsverfahren – ein klarer Vorteil angesichts möglicher Klagen.“
Wenn Ornithologen ihre Tonaufzeichnungen abhören, ist das meist zeitaufwendig, sodass die Ergebnisse nicht sofort vorliegen. Das ändert Deep Bird Detect: Die KI kann die Stimmen von 10 000 Vogelarten und sogar Ruftypen unterscheiden. Die Forschenden müssen sich nur noch mit den Fällen beschäftigen, bei denen sich das System unsicher ist. Die immens schnelle Verarbeitung der Daten hat einen weiteren Vorteil: Im Planungsgebiet können mehr Rekorder aufgestellt werden, die länger aufnehmen. Die zusätzliche Datenmenge verarbeitet Deep Bird Detect problemlos.
KI legt Fokus auf die Rote Liste
Mit der KI lassen sich immer wieder Vogelarten nachweisen, mit denen man gar nicht gerechnet hätte."
Stefan Kahl, TU Chemnitz
„Wir haben uns konzentriert auf Vögel von der Roten Liste, die potenziell durch Windräder gefährdet werden können“, sagt Stefan Kahl von der TU Chemnitz. Die Universität ist ebenso ins Projekt involviert wie die Universität Kassel und die Christian-Albrechts-Universität Kiel. Der Blick richtete sich auf Haselhühner und Wachtelkönige, Birkhühner und Ortolane. „Mit der KI lassen sich immer wieder Vogelarten nachweisen, mit denen man gar nicht gerechnet hätte“, sagt Kahl. Etwa Alpenschneehühner: „Die sind ausgerechnet dann am aktivsten, wenn das Wetter Menschen davon abhält, in ihre Nähe zu kommen.“
Als Projekt läuft Deep Bird Detect zum Jahresende 2025 aus, doch die Datenbasis wird veröffentlicht und kann allgemein genutzt werden – etwa von Google, um dessen Projekt namens Perch zu verbessern. Stefan Kahl wertet es „als immensen Erfolg“, dass der Einstieg in die Bioakustik dank Deep Bird Detect für Einsteiger ohne informatisches Fachwissen möglich wird. „Wir kommen schon jetzt bei den Planungsbüros in die Prozesse“, sagt er. Der nächste Schritt: „Dieser Ansatz muss bei Artenschutzgutachten zum Standard werden.“