Artenschutz

Feldlerchen im Solarpark: Artenvielfalt und Projektfinanzierung gefährdet?

Eine bundesweite Feldstudie zeigt: In geeigneten Solarparks brütet die Feldlerche häufig – teils mit außergewöhnlich hohen Dichten. Trotzdem verlangen Behörden oft umfangreiche Ausgleichsflächen. Sind die Vorgaben noch zeitgemäß?
Gastbeitrag: Bernhard Strohmayer
23.02.2026 | 6 Min. | 1
Feldlerche im Solarpark: Artenvielfalt und Projektfinanzierung könnten gefährdet sein.
Feldlerche im Solarpark: Artenvielfalt und Projektfinanzierung könnten gefährdet sein.
Foto: bne, Lars Petereit

Bernhard Strohmayer

ist Leiter erneuerbare Energien der Geschäftsstelle des Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne). In dieser Position betreut er die Arbeit des Verbandes zu PV-Freiflächenanlagen, Speichern und mehr.

Kommt die Feldlerche auf der Projektfläche eines Solarparks vor, muss Ausgleich geschaffen werden. Oft müssen Projektierer mehrere Hektar für Feldlerchen-Maßnahmen reservieren. Je nach den Vorgaben der örtlichen Behörde ist die Finanzierbarkeit eines Projektes bedroht. Doch nicht nur das: Maßnahmen für die Feldlerche können auch das Potential für Artenvielfalt innerhalb einer Anlage deutlich senken.

Brutplatz im PV-Park: Das Schutzgut Feldlerche

Feldlerchen sind Steppenvögel. Als Kulturfolger sind sie damit heute hauptsächlich auf Wiesen, Brachen aber insbesondere auf Feldern anzutreffen, wie beispielsweise auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Sie sind nicht sonderlich selten. Trotzdem ist sie nach der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland als gefährdet eingestuft. Grund dafür ist, dass ihr Bestand stark rückläufig ist.

Solarparks werden heute zum weit überwiegenden Teil auf landwirtschaftlichen Flächen gebaut. Daher kommt es sehr oft vor, dass sich auf den Flurstücken eines geplanten Solarparks Feldlerchen befinden. In diesem Fall verlangt die zuständige Behörde Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in den Lebensraum der Feldlerche, was grundsätzlich als interner oder externer Ausgleich erfolgen kann.

Höchste Feldlerchendichte in einem Solarpark in Brandenburg

Doch wie groß ist der Einfluss von Modultischen auf die Vögel tatsächlich? Nach Lehrbuch meidet der Steppenvogel vertikale Strukturen, hier in Form von Modulreihen. An diese Lehrbücher hält sich der Vogel allerdings in der Realität nicht. Es gibt eine evidente Studienlage dafür, dass Feldlerchen in Solarparks brüten und der Bruterfolg innerhalb geeigneter Anlagen größer sein kann als außerhalb auf einer Ackerfläche. In der bne-Studie „Artenvielfalt im Solarpark – Eine bundesweite Feldstudie“ konnte sogar die Fläche mit der nachgewiesen höchsten Feldlerchendichte in Deutschland ermittelt werden – in einem Solarpark in Brandenburg.

Je nach Bundesland und Behörde wird der aktuelle Kenntnisstand noch unterschiedlich bewertet und damit oft zu viel Ausgleich gefordert. Nicht selten wird noch immer eine komplette Meidung des Solarparks durch die Feldlerche unterstellt. Pro Projekt können dann mehrere Hektar Ausgleich festgelegt werden, die feldlerchenfreundlich bepflanzt und gepflegt gehören. Damit verbunden sind hohe Kosten, welche die Rentabilität eines knapp kalkulierten Projektes durchaus bedrohen können.

Feldlerchen brüten zwischen den Modulreihen

Im Rahmen der Untersuchungen unserer Studie wurde keine Vogelart häufiger im Solarpark angetroffen als die Feldlerche. In 19 von 26 ausgewerteten Standorten brütet sie. In modernen Solarparks kommt die Feldlerche folglich regelmäßig vor. Wir haben im Solarpark Bundorf und im Solarpark Weesow-Willmersdorf sogar Brutdichten erfasst, die in der Kulturlandschaft eigentlich nicht anzutreffen sind. In der zuletzt genannten Anlage in Brandenburg wurden bis zu 46 Brutpaare pro 10 Hektar erfasst. Die studienleitenden Biologen Rolf Peschel und Dr. Tim Peschel stellen dazu fest: „Die Studie zeigt, dass Vermutungen und behördliche Maßnahmen hinsichtlich vorgezogener Ausgleichserfordernisse vor allem in Bezug auf Vogelarten und speziell der Feldlerche regelmäßig unbegründet sind.“

Schon länger ist der Solarpark als Lebensraum der Feldlerche bekannt. So hat Dr. Helmut Schlumprecht in einem der Monitorings, das in unserer Studie ausgewertet wird, eine Literaturrecherche durchgeführt, bei der Feldlerchendichten von Untersuchungen zwischen 2008 bis 2013 verglichen wurden. Daraus ergab sich ein Mittelwert von 0,33 Revieren pro Hektar. Ein deutlicher Unterschied zu der bei Behörden fehlerhaft verbreiteten Annahme, dass Feldlerchen Solarparks grundsätzlich meiden würden.

Aus der Studie des bne: Gesamte Nachweise von Brutvögeln in den untersuchten PVA 2023-2024 mit Präsenzen und Stetigkeiten der nachgewiesenen Brutvogelarten an insgesamt 26 ausgewerteten Standorten, absteigend sortiert nach den Stetigkeiten mit Angaben zur bundesweiten Gefährdung in der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland RL BRD Ryslavy et al. 2020, + = ungefährdet, V = Vorwarnliste, 3 = gefährdet, 2 = stark gefährdet, 1 = vom Aussterben bedroht sowie die Präsenzen und Stetigkeiten der nachgewiesenen Brutvogelarten an insgesamt 26 ausgewerteten Standorten, absteigend sortiert nach den Stetigkeiten.

Feldlerchen-Ausgleich innerhalb eines Solarparks, aber wie?

Offensichtlich braucht es keinen externen Ausgleich. Stattdessen sind gut geplante Solarparks an sich bereits geeignete Habitate, wenn sie entsprechend gestaltet sind. Aus unserer Studie ergibt sich insbesondere, dass die Pflege entscheidend für die Ansiedlung der Feldlerche in einem Solarpark ist. Eine möglichst kurze Vegetation ist für Feldlerchen optimal, für die generelle Artenvielfalt allerding nicht in gleichem Maße. Bei kurzer Vegetation können sie unter den Modultischen hindurch weit Blicken und ihr Nest sichern. Die Modulreihen stellen damit aus Perspektive der Feldlerche keine undurchsichtigen vertikalen Strukturen dar – sie guckt unten hindurch. Beispielsweise im Solarpark Weesow-Willmersdorf wurde auf Stoßbeweidung mit Schafen gesetzt, wodurch eine besonders dünne Vegetationsdecke geschaffen wurde. In dieser Anlage variieren auch die Reihenabstände. Die Brutdichte in den unterschiedlichen Abschnitten war nicht von ihr beeinflusst.

Niedriggehaltene Vegetation zum Wiesenbrüterschutz ist nicht für alle Tier- und logischerweise Pflanzenarten vorteilhaft. Auch Hecken und Bäume an den Rändern von Solarparks können Feldlerchen vergrämen, die für andere Brutvögel, wie beispielsweise die ebenfalls gefährdeten Bluthänflinge, wiederum Lebensräume darstellen. Daher steht eine Anlagenausgestaltung optimiert allein für die Feldlerche durchaus im Konflikt mit der Maximierung der Artenvielfalt. Wir schlagen daher in der Studie vor, dass nur Teilbereiche speziell für die Feldlerche aufbereitet werden sollten. Für den behördlich gebotenen Ausgleich reicht das aus – der Artenvielfalt nützt es insgesamt mehr.

Entwurf des neuen Feldlerchen-Erlasses in Brandenburg

Aktuell erstellen Landesministerien Leitfäden, damit naturschutzfachliche Ausgleichsbelange die örtlichen unteren Naturschutzbehörden zu einheitlicheren Bewertungen kommen. Im Gegensatz zu den anderen Bundesländern konzentriert sich Brandenburg vollkommen auf die Feldlerche. Der Erlass zur Berücksichtigung der Feldlerche bei der artenschutzrechtlichen Prüfung zur Planung und Errichtung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen des Landes Brandenburg aus dem September 2025 zeigt, wie Ausgleichsvorgaben für die „Lehrbuch-Feldlerche“ gewählt würden. Praxistauglich ist das nicht.

Zwar wird laut Erlass auch ein interner Ausgleich ermöglicht, doch die Vorgaben von fünf Meter Reihenabstand, einer maximalen Modultischhöhe von nur drei Metern und zusätzliche „Feldlerchenfenster“ pro Revier, machen diesen wirtschaftlich unmöglich. Bei erlassgemäßer Gestaltung würde für jedes Revier pro 2,5 Hektar eine Anlage bis zu einem Megawatt an Leistung verlieren. Damit ist für Betreiber wirtschaftlich nur ein externer Ausgleich sinnvoll. Artenreiche Solarparks baut man so nicht. Dieser Erlass würde Solarparkprojekte, und damit die Energiestrategie in Brandenburg, signifikant gefährden und stellt dazu keine Verbesserung für die Artenvielfalt in Aussicht.

Feldlerche, Finanzierbarkeit und Biodiversität gemeinsam denken

Statt weiter in überholten Schemata zu denken, kann und sollte ein PV-Freiflächenprojekt ganzheitlich betrachtet werden. Es braucht eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Schutz der Feldlerche und der Artenvielfalt. Möglicherweise liegt der übermäßige Fokus auf die Feldlerche in Solarparks daran, dass das Potential von Solarparks für die Artenvielfalt immer noch systematisch unterschätzt wird.

Solarparks auf landwirtschaftlichen Flächen sind und bleiben die Regel. Bei einer modernen Ausgestaltung und Pflege sind sie grundsätzlich ein Gewinn für die Artenvielfalt im Vergleich zum Ausgangszustand. Das konnten wir in unserer Studie eindeutig zeigen – für Pflanzen, Vögel, Fledermäuse und weitere Artgruppen. Insgesamt haben wir bei 30 im Detail ausgewerteten Anlagen 23 Stück auf Ackerbauflächen ausgewertet. Solarparks bieten durch unterschiedliche Bedingungen unter und zwischen den Modulen, auf den Wegen und in den Randbereichen Strukturvielfalt, die durch eine extensive Pflege und den Verzicht auf Pflanzenschutzmitteln und Dünger für gute Lebensraumbedingungen für eine Vielzahl von Arten sorgen. Dieses Potential gilt es zu heben.

Für Betreiber haben wir kürzlich eine neue KI-Variante der Studie veröffentlicht, in der wir alle knapp 3.000 Seiten an Studiendokumenten einfacher nutzbar machen. Speisen Sie das Dokument einfach in ein LLM ein und lassen Sie sich Antworten auf die für Sie aktuell drängendsten Fragen geben.

Dieser Beitrag erschien im BWE-BetreiberBrief, Ausgabe 2-2025.

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Kommentare (1)

Aus meiner Sicht steckt hinter dem „Feldlerchenproblem“ etwas deutlich Grundlegenderes: Das oben für Solarparks beschriebene Lerchenproblem kenne ich persönlich aus Windkraftgebieten völlig analog. Dort haben ökologisch fortschrittliche Landwirte durch jahrelange Arbeit unter und neben ihren z. T. eigenen Windrädern große Lerchenpopulationen in ihren Feldern etabliert. Dann sollten die Windräder repowert und erweitert werden. Für die großen Populationen wurden Ausgleichsflächen verlangt, obwohl sich an den Feldern praktisch nichts verändert hat.
1. Wir müssen grundsätzlich weg vom Gedanken der Einfachnutzung. Jeder Solarpark muss in Zukunft den Doppelnutzen als Biotop/Rückzugsökosystem und als Sonnenerntefläche haben.
2. Das Leitbild des ökologisch wertvollen, vom Menschen überformten Ökosystems muss gegenüber der Idee vom ungestörten Naturschutzgebiet und der daneben liegenden artenarmen Industriefläche Priorität bekommen. Eisenbahngleise sind auch hochvernetzte Biotope für Eidechsen....
3. Flächensparsamkeit muss Priorität haben. Das gilt sowohl für die Versiegelung durch Straßen und Gewerbeflächen als auch dafür, wenn für Ausgleichsflächen Felder zu zerstört werden, obwohl die Nutzungsänderung (Solarpark) gar keine Zerstörung eines Ökosystems war.

04.03.2026 - 13:34 | Matthias Eberius

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