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Journalistenpreis

Eine Frage der Wortwahl

Journalistische Beiträge aus fünf Kategorien sind in Berlin mit dem jährlich ausgelobten Preis „deutschland hat unendlich viel energie“ ausgezeichnet worden. Ein Diskussionsthema bestimmte dabei den Abend: Wie soll man über die Energiewende reden und schreiben?
01.11.2016 | Aktualisierung: 09.11.2016 | 3 Min.

Zum mittlerweile elften Mal wurde gestern (31.10.) in der Hessischen Landesvertretung in Berlin der Journalistenpreis der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) vergeben. Damit sollen laut AEE Beiträge aus den fünf Sparten Print/Online-Medien, TV, Radio, Multimedia und Lokales ausgezeichnet werden, die „das Wissen rund um erneuerbare Energien erweitern und zu einem besseren Verständnis der Energiewende beitragen“. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.

Als Keynote-Sprecherin des Abends führte die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling von der University of California in Berkeley das Publikum in die Idee des „Framing“ ein. Die lautet, kurz gefasst, dass die Wortwahl wesentlich aber größtenteils unbewusst darüber mitentscheidet, mit welcher Grundeinstellung ein Thema diskutiert wird. Sprächen beispielsweise alle von „Steuerlast“ und „-entlastung“, seien Steuern von vorneherein als etwas Negatives definiert. Entsprechend schwer habe es dann derjenige, der sie erhöhen will.

Auf die Energiewende gemünzt empfahl Wehling den Begriff „saubere“ statt „erneuerbare“ Energien zu verwenden, denn darin stecke das negative Bild, Arbeit in die Erneuerung investieren zu müssen. Klimawandel wiederum sei ein für die Schwere des Problems zu neutraler Begriff, Klimakrise oder gar Klimakatastrophe seien treffender und somit ehrlicher. Das komme für sie nicht infrage, entgegnete in der folgenden Podiumsdiskussion die Journalistin Dagmar Dehmer vom Berliner Tagesspiegel. Ein alarmierender Begriff wie „Klimakatastrophe“ nutze sich viel zu schnell ab, um immer wieder verwendet zu werden. Dehmer plädierte daher für einen möglichst neutralen Tonfall.

Von Stromtrassen bis zu Gemüsebäuerinnen in Peru

Genau diese Qualität hob die Jury des Preises, die aus Gewinnern vom Vorjahr bestand, beim Sieger in der Kategorie Print/Online unter anderem hervor. Claus Peter Müller-von der Grün hatte für seinen Text in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entlang der geplanten Südlink-Stromtrasse mit Befürwortern, Gegnern und Experten gesprochen. Mit der Energieversorgung von Gebäuden befasst sich dagegen der TV-Beitrag „Die Wärmewende – die Zukunft des Wohnens“, für den Susanne Delonge prämiert wurde.

Im Bereich Hörfunk setzte sich Jan-Uwe Stahr durch, der in „Erdgas – Vom Hoffnungsträger zum Ladenhüter und zurück?“ die Probleme und Zukunftschancen des fossilen Brennstoffs beleuchtet. Den Multimedia-Preis erhielt die Scroll-Doku „Ackerbunt“ von Elisabeth Weydt, Jakob Fuhr und Christine Anas. Ihr Thema passt erst auf den zweiten Blick in die Auszeichnung: Es geht darin um zwei Peruanerinnen, die in den Anden Gemüse anbauen und mit traditioneller Landwirtschaft der klimabedingt zunehmenden Dürre trotzen.

Den spartenübergreifenden Preis für die Berichterstattung zu lokalen Energiewende-Themen schließlich gewann Richard Fuchs mit dem  Hörfunkbeitrag „Nach dem Solarboom: Bitterfeld wird Energielabor“, in dem er die Aufs und Abs der Region mit Blick auf den Energiesektor nachzeichnet.

Die Energiewende erfolgreich zu kommunizieren, stoße immer wieder an Grenzen, darin waren sich die Diskussionsteilnehmer auf dem Podium einig. Das liege auch an deren technischem Charakter, sagte Hans Langguth, Geschäftsführer der Werbeagentur Zum Goldenen Hirschen, die unter anderem die derzeitige Effizienz-Marketingkampagne des Bundeswirtschaftsministeriums entwickelt hat. Auch die technische Seite könne man aber anders kommunizieren, ergänzte Peter Birkner, Geschäftsführer des hessischen „House of Energy“ und verwies als mögliches Vorbild auf Tesla-Chef Elon Musk.

 

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