neue energie: Herr Friedrich, die Bundesregierung erwartet, dass dank Milliardenförderung viele Menschen auf E-Autos und Wärmepumpen umsteigen, damit die Nachzügler-Sektoren Verkehr und Gebäude beim Klimaschutz aufholen. Ist das realistisch?
ist Verkehrs- und Umweltexperte. Er war bis 2008 Abteilungsleiter für Verkehr und Lärm im Umweltbundesamt. Bekannt wurde der promovierte Chemiker 2015 durch die Aufklärung des Dieselskandals bei Pkw, vor dem er zehn Jahre lang gewarnt hatte. Er hat die NGO International Council on Clean Transportation (ICCT) mitgegründet, die den Skandal mit aufdeckte. Heute berät er unter anderem Regierungen sowie Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe.
ne: Elektroautos und Wärmepumpen sind technisch überlegen, weil sie die eingesetzte Energie besser ausnutzen als Verbrenner und fossile Heizungen. Das spricht sich langsam herum. Wird das kein Selbstläufer?
Friedrich: Es geht darum: Die Umstellung auf diese Technologien muss so schnell wie möglich umgesetzt werden. Da braucht es einen Turbo. Der Klimawandel beschleunigt sich immer mehr, aber man hat den Eindruck, das interessiert die breite Öffentlichkeit und damit auch die Politik nicht mehr. Man redet von Wasserstoff oder E- Fuels, die erheblich ineffizienter und teurer sind, mal abgesehen davon, dass sie in der nächsten Zukunft nicht verfügbar sein werden. Ein Beispiel: Wenn ein Einfamilienhaus heute einen Jahresverbrauch von 12.000 Kilowattstunden Erdgas hat, läge der Stromverbrauch mit einer effizienten Wärmepumpe unter 3000. Mit Wasserstoff als Energieträger wären es hingegen mehr als 12.000 Kilowattstunden, die erheblich höheren Energieverluste bei Herstellung, Speicherung und Transport kämen noch dazu. Von den Kosten ganz zu schweigen.
ne: Was schlagen Sie konkret vor, damit die Kosten etwa bei den Gebäuden im Rahmen bleiben?
Friedrich: Bei allen Maßnahmen muss man in der Tat auch die Kostenbilanz beachten. Es macht nicht viel Sinn, ein altes Haus sehr stark zu dämmen. Aus meiner Sicht reicht es, das Gebäude auf einen Energiebedarf von 100 bis 120 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr herunterzubringen. Das ist in der Regel mit kostengünstigen Maßnahmen wie einer Dämmung der obersten Geschoss- und der Kellerdecke möglich, und dann sollte man eine effiziente Wärmepumpe verwenden. Das ist spart Kosten und belastet auch das Stromnetz weniger.
ne: Im Klimaschutzprogramm kommt das Thema Energieeffizienz kaum vor. Wie erklären Sie sich das?
ne: Wie könnte die Energieeffizienz gefördert werden?
Friedrich: Bei Förderprogrammen etwa im Gebäudebereich muss die Förderhöhe von der Energieeffizienz abhängig gemacht werden. Bisher erhält man zum Beispiel bei Wärmepumpen die gleiche Förderung für ein ineffizientes wie für eine hocheffizientes Gerät, obwohl der Wirkungsgrad bei der hocheffizienten Anlage zirka 80 Prozent höher ist. Dass muss geändert werden. Denn effiziente Geräte führen dazu, dass dann entsprechend weniger Heizkosten anfallen und zudem das Stromnetz weniger belastet wird.
ne: Gibt es dieses Problem auch bei der E-Auto-Förderung?
Friedrich: Hier ist es genauso. Bei einem Elektroauto bekommt man die gleiche Förderung, egal, ob der Wagen zwölf oder 24 Kilowattstunden pro 100 Kilometer braucht. Es ist für mich völlig unverständlich, dass es keine Verbrauchsobergrenze für Elektroautos gibt, aber eine für Staubsauger und Kühlschränke.
ne: Auch in der Industrie gibt es noch Einsparpotenziale. Was müsste hier für mehr Energieeffizienz geschehen?
Friedrich: In der Industrie gibt es schon Vorgaben für die Energieeffizienz, hier passiert relativ viel. Großen Nachholbedarf gibt es noch beim Thema Wärme-Rückgewinnung, etwa bei in der Chemie- und der Autoindustrie. Hier sind noch sehr große Potenziale vorhanden. Hier muss die Politik entsprechende Vorgaben machen.
ne: Und wie ist es bei den Haushalten? Braucht es, um die Potenziale zu heben, auch Einschränkungen beim Komfort? Weniger Autofahren, niedrigere Raumtemperaturen, weniger Elektronikgeräte? Oder kann alles so bleiben wie gewohnt?
Friedrich: Es kann nicht alles so bleiben wie es ist – das liegt doch auf der Hand. Der Klimawandel spitzt sich zu, die globalen Temperaturen steigen noch schneller als erwartet. Dass selbst eine kleine Einschränkung wie ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen und Landstraßen nicht eingeführt wird, zeigt, dass die Dramatik in der Politik nicht angekommen ist. Oder: Warum hat man die wegen der von Putin ausgelösten Energiekrise 2022 eingeführte Heizgrenze von 19 Grad Celsius in öffentlichen Gebäuden wieder abgeschafft? Das und viele andere Maßnahmen könnten uns jetzt, in der neuesten, der Trumpschen Energiekrise helfen.
ne: Sollte das Klimaschutzprogramm ergänzt werden?

