- Der Klimawandel verstärkt weltweit Extremwetterereignisse wie Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen und Waldbrände deutlich und messbar.
- Mithilfe der Attributionsforschung lässt sich bestimmen, wie viel häufiger und intensiver solche Ereignisse durch die Erderwärmung geworden sind.
- Neue Ansätze wie „Impact Attribution“ und „Source Attribution“ untersuchen zusätzlich Schäden sowie die Verantwortung einzelner Staaten, Unternehmen oder Akteure.
- Ohne schnelle Reduktion von Treibhausgasen drohen Extremwetterereignisse künftig deutlich häufiger aufzutreten und zur dauerhaften Krise zu werden.
Anfang des Jahres fegten schwere Stürme mit Starkregen über Spanien, Portugal und Marokko hinweg – mit Todesopfern, Hunderttausenden Evakuierten und Schäden in Milliardenhöhe. Die Katastrophe schien gar nicht enden zu wollen: Im Wochenrhythmus bildeten sich neue Stürme und hinterließen in den Ländern Schneisen der Verwüstung.
Was viele zunächst nur als Wintertief wahrnahmen, entwickelte sich zu einer Ausnahmesituation, die die Regionen an ihre Belastungsgrenze brachte. „Mehr als 50 Menschen verloren ihr Leben. Hunderttausende mussten ihr Zuhause verlassen, in einigen Regionen kam es zu Stromausfällen, und viele öffentliche Dienste wie Nahverkehr und Schulen wurden eingestellt“, sagt David Garcia-Garcia von der Universität Alicante in Spanien.
Wetterereignisse werden durch anthropogenen Klimawandel verstärkt
Eine weitere Tragödie ereignete sich jüngst in Brasilien, dem Land, das im November 2025 die Weltklimakonferenz ausgerichtet hatte: Seit dem 22. Februar peitschten heftige Regenfalle über das südamerikanische Land, verursachten massive Erdrutsche und schwere Überschwemmungen. Mehr als 70 Menschen verloren ihr Leben, zahlreiche sind seither obdachlos. Etwas weiter westlich, in Chile und Argentinien, wüteten Anfang des Jahres Waldbrande – 21 Menschen kamen dabei ums Leben.
Derlei Stürme, Niederschläge und Waldbrände erstrecken sich über alle Kontinente. Und sie haben eine Gemeinsamkeit: Die Extremwetterereignisse werden durch den anthropogenen Klimawandel deutlich verstärkt. Dies zeigen die Analysen der Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA).
Regenfälle und Überschwemmungen intensiver als vor der Erderwärmung
Um zu ermitteln, wie groß der Einfluss des Klimawandels auf die jeweiligen Wetterereignisse ist, nutzen die Forschenden Computersimulationen. Darin vergleichen sie das heutige Klima mit den klimatischen Bedingungen der vorindustriellen Zeit. Anschließend prüfen sie, wie viel häufiger und starker ein derartiges Unwetter im heutigen Klima auftritt.
So zeigte sich, dass die sintflutartigen Regenfälle und Überschwemmungen in Portugal, Spanien und Marokko um etwa ein Drittel intensiver waren als noch vor der Erwärmung des Planeten um aktuell 1,3 Grad Celsius. „Allerdings haben wir nicht die längerfristigen Niederschläge betrachtet“, sagt Klimaforscherin Clair Barnes. „Denn statt einer anhaltenden Regenperiode rief hier eine Abfolge von eintägigen Ereignissen die Auswirkungen hervor.“ Dementsprechend untersuchte das WWA-Team genau diesen eintägigen Starkregen.
Zudem kam bei den Analysen des Teams herausheraus, dass die bisherige Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden regional teils stark erhöht hat: in Patagonien um das 2,5-Fache, in Chile gar um das Dreifache. Und die australische Hitzewelle Anfang des Jahres wurde durch die globale Erwärmung sogar fünfmal wahrscheinlicher.
Insgesamt 157 extreme Wetterereignisse in 2025 identifiziert
Insgesamt 157 extreme Wetterereignisse identifizierte die Forschungsgruppe im vergangenen Jahr. Die Teammitglieder ordneten den jeweiligen Ereignissen – Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren – spezifische Kriterien zu. So gilt eine Überschwemmung als extrem, wenn sie mehr als 100 Menschenleben kostet, mehr als eine Million Menschen betrifft oder die Mehrheit der Gesamtbevölkerung einer Region.
Das Forschungsteam fokussierte sich in den Analysen auf 22 Ereignisse, die anhand von Faktoren wie Datenlage, Vorstudien oder Verschiedenartigkeit ausgewählt wurden. Es zeigte sich, dass die Erderwärmung 17 der 22 untersuchten Ereignisse verstärkt hatte. Bei den fünf restlichen Ereignissen waren die Ergebnisse wegen fehlender Daten und eingeschränkter Modelle nicht eindeutig.
Erderwärmung macht einige Hitzewellen fast zehnmal stärker
Hitzewellen waren dabei – mit einem Drittel aller identifizierten Ereignisse – das häufigste Extremwetterereignis. Der Einfluss des Klimawandels auf diese Entwicklung ist evident: während die Temperaturen seit 2015 um etwa 0,3 Grad gestiegen sind, hat die Erderwärmung einige Hitzewellen fast zehnmal stärker gemacht.
Und da die Menschheit weiterhin Treibhausgase emittiert, steigen auch die Temperaturen weiter. Denn bereits das Jahr 2025 – wie schon 2024 und 2023 – zählte zu den drei heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen.
Hitzewellen werden häufiger und heftiger
Wie viel häufiger Extremwetterereignisse infolge des Klimawandels auftreten, lässt sich für einige Ereignisse gut vorhersagen. Etwa für Hitzewellen, denn deren Anzahl nimmt mit steigenden Temperaturen proportional zu.
Demnach könnten solche Ereignisse statt wie bisher alle 25 Jahre bald alle zwei Jahre auftreten. „Dieser Sprung von einem Ereignis, das statistisch alle 25 Jahre vorkommt, zu einem, das alle zwei Jahre auftritt, macht den Unterschied aus zwischen einer Welt, die sich erholen kann, und einer, die sich in einem Zustand ständiger Krise befindet“, sagt die Physikerin und Klimaforscherin Friederike Otto.
Mit jedem Grad Erwärmung rund sieben Prozent stärkere Niederschläge
Auch auf Niederschläge wirken sich die steigenden Temperaturen direkt aus. Denn eine wärmere Atmosphäre kann pro Grad rund sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Dementsprechend ereignen sich mit jedem Grad Erwärmung ungefähr um sieben Prozent stärkere Niederschläge. Allerdings sind dies nur Faustregeln: Störfaktoren wie beispielsweise Änderungen in der atmosphärischen Zirkulation können die Zusammenhänge ändern. Das macht den Effekt der Temperatur auf die Häufigkeit und Intensität von Extremwetter schwerer messbar. Unter Umständen kann der Einfluss der Temperatur stärker sein.
Seit Kurzem existiert ein weiteres Feld in der Zuordnungsforschung: die sogenannte Impact Attribution. Dabei untersuchen Forschende, in welchem Maß die durch die globale Erwärmung intensiveren Unwetter Zerstörung anrichten. Dafür berechnen sie zum Beispiel, welche ökonomischen Schäden stärkere Windgeschwindigkeiten bei Stürmen hervorrufen.
Welche Ansätze der Attributionsforschung gibt es?
Event Attribution
Die Event Attribution ist die klassische Attributionsforschung und untersucht, inwieweit der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität eines konkreten Wetterereignisses – wie Hitzewellen oder Starkregen – verändert hat.
Trend Attribution
Die Trend Attribution analysiert langfristige Entwicklungen und zeigt, ob und wie sich Häufigkeit oder Stärke von Extremwetter über eine längere Zeit durch den Klimawandel verändert haben.
Impact Attribution
Die Impact Attribution untersucht, welchen Anteil der Klimawandel an den konkreten Schäden eines Ereignisses hat, etwa an Todesfällen, wirtschaftlichen Verlusten oder zerstörter Infrastruktur.
Source Attribution
Die Source Attribution ordnet die Ursachen des Klimawandels konkreten Emittenten zu, wie Staaten oder Unternehmen. Sie berechnet dann deren Beitrag zu Temperaturanstieg und Extremwetterrisiken.
Source Attribution: Wer verursacht die Emissionen?
Um darüber hinaus noch konkreter zuordnen zu können, welche Organisationen, Akteure oder sogar Einzelpersonen für den globalen Temperaturanstieg und somit für die intensiveren Extremwetterereignisse verantwortlich sind, konzentriert sich die Wetterattribution zunehmend auf ein weiteres neues Forschungsfeld: die sogenannte Source Attribution.
„Statt zu betrachten, welchen Einfluss der Klimawandel auf Extremwetter hat, fragt man bei der Source Attribution, welcher Anteil der Emissionen auf einzelne Organisationen oder Länder, wie etwa Exxon oder die USA, zurückgeht“, erläutert Klimaforscherin Otto. Rechnerisch sei die Zuordnung eher trivial. Denn Konzerne und Staaten müssen offenlegen, wie viel Treibhausgase sie emittieren beziehungsweise emittiert haben. Dementsprechend lässt sich deren Einfluss auf den Temperaturanstieg bestimmen, während dessen Beitrag zu extremen Wetterereignissen dank der Wetterattribution ebenfalls bereits bekannt ist.
Konsumenten oder Hersteller: Wer trägt die Verantwortung?
Allerdings sind dies eher politische Diskussionen als wissenschaftliche Fragen. Klimaforscherin Otto betont jedoch, dass die Menschheit inzwischen ohnehin die Mittel habe, um eine weitere Zuspitzung der Klimakrise und der folgenden Extremwetter zu verhindern. Es fehle gleichwohl der Wille, die gesellschaftlichen Systeme zum Besseren zu verändern. „Dennoch lohnt es sich“, sagt Otto, „jedes Zehntelgrad an Erderwärmung zu verhindern.“

