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Hochspannungsleitungen

Windstrom für den Süden: Warum Suedlink und Ultranet so lange brauchen

Die HGÜ-Verbindungen Suedlink und Ultranet bringen den Windstrom des Nordens in den Süden der Republik. Warum dauert es so lange, bis die beiden Fernleitungen endlich Strom liefern?
02.11.2026 | 4 Min.
Erschienen in: Ausgabe 10/2026
Unter der Elbe durch: Schichtbauleiterin Annika Stopp kontrolliert in der Tunnelröhre von ElbX die Leitungen und Wände auf Feuchtigkeit. Sechs Stromkabel sollen zweimal 2000 Megawatt Strom durch den Suedlink-Tunnel nach Süddeutschland bringen.
Unter der Elbe durch: Schichtbauleiterin Annika Stopp kontrolliert in der Tunnelröhre von ElbX die Leitungen und Wände auf Feuchtigkeit. Sechs Stromkabel sollen zweimal 2000 Megawatt Strom durch den Suedlink-Tunnel nach Süddeutschland bringen.
Foto: Marcus Brandt, dpa, picture alliance

Ganz in der Nähe, in Sichtweite der Baustelle, steht das Atomkraftwerk Brokdorf. Die alte Welt, wenn man so will. An der neuen Welt wird an diesem Sommertag noch gewerkelt. Über Stahltreppen geht es in die Baugrube hinunter, die Sohle liegt 21 Meter unterhalb der Ackerkrume der holsteinischen Wilstermarsch. Seit Februar 2025 frisst sich Elsa, die 190 Meter lange Tunnelvortriebsmaschine, rund um die Uhr durch Lehm, Sand, Kies und Torf. Hinter ihrem Bohrschild kleidet sie das Loch mit insgesamt 24.000 Tübbingen aus, das sind vorgefertigte Betonsegmente.

So entsteht ein 5,2 Kilometer langer Tunnel unter der Elbe, ElbX genannt und vier Meter im Durchmesser breit. Sechs Stromkabel, jedes 15 Zentimeter dick, werden darin den Fluss unterqueren als Teil von Deutschlands größter Stromtrasse. Sie soll künftig in der Lage sein, zweimal 2000 Megawatt nach Süddeutschland zu bringen. „Der Bau von Suedlink ist entscheidend für den Erfolg der Energiewende“, sagt vor Ort Tim Meyerjürgens, Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreiber Tennet. 10 Milliarden Euro sind für den Bau veranschlagt.

Ende Juni erreichte Elsa ihr Ziel in Wischhafen auf der anderen Elbseite. Von dort werden die Kabel komplett unterirdisch in den Süden der Republik geführt. Eine Schneise von 40 Metern muss dafür von Nord nach Süd geschlagen werden. Nach der Fertigstellung wird Landwirtschaft auf der Trasse wieder möglich sein, denn die Kabel liegen mindestens anderthalb Meter unter der Oberfläche. Freileitungen hätten nur ein Drittel gekostet, halten länger und sind zudem bei technischen Defekten schneller zu reparieren. Doch Widerstände in den Gemeinden gegen die „Monstertrassen“ führten dazu, dass der Gesetzgeber Suedlink komplett unter die Erde verbannte: teuer erkaufte Akzeptanz.

Suedlink: Stromtrassen durchs Bergwerk

Von der Elbe aus verlaufen die beiden Suedlink-Trassen weitgehend parallel, bevor eine in Unterfranken abzweigt und bei Schweinfurt am Verknüpfungspunkt Bergrheinfeld endet. Die andere Trasse endet beim Netzverknüpfungspunkt Großgartach unweit von Heilbronn. Dort hat die EnBW-Tochter Transnet BW bereits zwei Konverterhallen fertiggestellt. Sie sind notwendig, wenn auf Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) gesetzt wird. HGÜ-Kabel sind reine Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, also quasi Stromautobahnen ohne Abfahrten. Bei Wechselstromleitungen hingegen kann man unterwegs mittels eines Umspannwerks problemlos Strom abzapfen.

Der Stromtransport mit Gleichstrom verursacht auf Hochspannungsebene nur etwa die Hälfte der Verluste im Vergleich zum klassischen Drehstromnetz“ Sebastian Gehring, Transnet BW
„Der Stromtransport mit Gleichstrom verursacht auf Hochspannungsebene, inklusive der Konverter, nur etwa die Hälfte der Verluste im Vergleich zum klassischen Drehstromnetz“, erklärt Sebastian Gehring, Betriebsingenieur von Transnet BW. Über die gesamten 700 Kilometer Länge von Suedlink liege der Gesamtverlust im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die Konverterstationen an den Start- und Endpunkten einer HGÜ-Verbindung sind große Gleich- und Wechselrichter. Die Hallen sind 20 Meter hoch, vollgepackt mit Leistungselektronik und gebaut von Siemens Energy. Es gibt zwei Hallen, eine für den Pluspol, die andere für den Minuspol. Jeder der beiden Pole hat eine Spannung von 525 Kilovolt.

Nicht nur Konverterhallen, auch der Förderturm des Salzbergwerks Bad Friedrichshall ist in Großgartach zu sehen. 16 Kilometer der Kabel werden in 200 Meter Tiefe durch die Stollen des Bergwerks geführt. Es ist neben der Elbe das zweite große Sonderbauwerk im Trassenverlauf. Was Transnet BW in Oedheim am Kocher zu bewältigen hatte, war verglichen damit als Problem überschaubar: Weil man in einen Weinberg ansonsten hätte eine lange Schneise schlagen müssen – keine gute Idee in wertvollen Lagen –, unterquerte man den Rebhang per Horizontalbohrung von gut 900 Meter Länge.

Ultranet: vom Norden nach Baden-Württemberg

Einfacher hat es Transnet BW beim Projekt Ultranet – der zweiten HGÜ-Verbindung, die künftig aus dem Norden in Baden-Württemberg ankommen wird. Sie verläuft als Freileitung, die Leiterseile können komplett auf bestehenden Hochspannungsmasten geführt werden. Aufgrund der Geometrie der Masttraversen musste man die Spannung allerdings auf 380 Kilovolt beschränken.

98 Masten stehen auf der 42 Kilometer langen Ultranet-Strecke in Baden-Württemberg, einer davon am Mannheimer Rangierbahnhof. Ein Hubsteiger erlaubt eine Fahrt zur Spitze des Mastes. So eröffnet sich in 67 Meter Höhe der Blick über den Rangierbahnhof. „Wir mussten bis zu 27 Meter hohe Schutzgerüste innerhalb der Gleisanlagen errichten, um den Bahnverkehr auch während der Arbeiten zu gewährleisten“, sagt Klaus Kaufmann, Projektleiter Leitungsbau Netzprojekte bei Transnet BW. Auf dem Hochspannungsmast werden gerade die 32 Millimeter dicken Leiterseile aus stahlverstärktem Aluminium montiert.

Bereits Ende 2026 soll der erste Strom fließen, vor allem Windstrom. Von Emden werden HGÜ-Erdkabel über den sogenannten Korridor A nach Meerbusch-Osterath in Nordrhein-Westfalen geführt. Dort beginnt dann Ultranet und endet nach 340 Kilometern im nordbadischen Philippsburg. Zwei Leitersysteme mit einer Kapazität von zusammen 2000 Megawatt werden dort ankommen. Die Konverterhallen hier wurden auf der Fläche der einstigen Kühltürme des Atomkraftwerks Philippsburg gebaut. Das ist kein Zufall: Suedlink und Ultranet orientieren sich an den Standorten früherer Kernkraftwerke, genauer gesagt: an deren Netzinfrastruktur.

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Unter der Elbe durch: Schichtbauleiterin Annika Stopp kontrolliert in der Tunnelröhre von ElbX die Leitungen und Wände auf Feuchtigkeit. Sechs Stromkabel sollen zweimal 2000 Megawatt Strom durch den Suedlink-Tunnel nach Süddeutschland bringen.
Foto: Marcus Brandt, dpa, picture alliance
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