Wer sich mit Auto oder Bus dem Flughafen München von Westen her nähert, passiert eine Photovoltaikanlage auf Stelzen: 35 Meter des vierspurigen Zubringers sind mit einem Solardach überspannt, auch eine Seitenfläche der Konstruktion ist mit Modulen verkleidet. Um einen Tunneleffekt zu vermeiden, lassen die Solarpaneele etwas Licht durch. Die 210-Kilowatt-Anlage erzeugt übers Jahr genug Strom, um rechnerisch rund 70 Haushalte versorgen zu können – und das fast ohne Flächenverbrauch. Ein willkommener Nebeneffekt: Die Module schützen die Fahrbahn vor starker Sonneneinstrahlung, was deren Lebensdauer verlängern dürfte.
Mit diesem Projekt leistet das Staatliche Bauamt Freising echte Pionierarbeit. Abgesehen von einer kleinen Pilotanlage an der Autobahnraststätte Hegau Ost nahe dem Bodensee gibt es hierzulande keine vergleichbaren Solarstraßen. Dabei ist das Potenzial – zumindest auf dem Papier – enorm: Rund 300 Gigawatt Photovoltaik-Leistung geben die Verkehrsflächen in Deutschland einschließlich ihrer Randstreifen theoretisch her, hat das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) ausgerechnet. Das entspricht fast dem Dreifachen der bislang insgesamt installierten Leistung.
Kleine PV-Anlagen vor Tunnelportalen denkbar
Solche Konstruktionen erhöhen die Sicherheit an den Ein- und Ausfahrten der Tunnel: Das Solardach macht den Übergang vom Hellen ins Dunkle und umgekehrt sanfter, sodass sich die Augen besser an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnen können. Interessant ist das Konzept auch für die An- und Abfahrtspuren sowie die Parkplätze der Tank- und Raststätten an den Autobahnen, meint Auerbach. „Der Strom ließe sich dann zum Beispiel für dort installierte Ladestationen nutzen.“
PV-Module an Lärmschutzwänden könnten eine Million Haushalte versorgen
Weitaus günstiger als eine Überdachung kommt eine Montage an Lärmschutzwällen und -wänden. „Solche Photovoltaikanlagen kosten meist kaum mehr als Solarparks“, sagt ISE-Forscher Heinrich. Auch ist der Anschluss ans Stromnetz in der Regel einfacher. Lärmschutzwände und -wälle stehen meist in der Nähe von Siedlungen und damit auch nahe der Netzinfrastruktur. Laut BASt könnten entlang der Fernstraßen 3,2 bis 4,2 Gigawatt Photovoltaik-Leistung auf Wällen und 0,5 bis 0,6 Gigawatt an Wänden installiert werden. Damit ließen sich mehr als eine Million Haushalte mit Strom versorgen.