Digitalisierung

Smart Grid ohne Smart Meter: Warum Deutschlands Stromnetz noch nicht smart ist

Die Stromnetze in Deutschland sind wenig smart, sprich wenig intelligent. Warum es mit der Digitalisierung im Netz so langsam vorangeht, hat weniger technische als viel mehr wirtschaftliche Gründe.
18.05.2026 | 3 Min.
Erschienen in: Spotlight: Smart Grids
Wenig Smart: Noch ist das deutsche Stromnetz nicht so intelligent, wie es sein könnte.
Wenig Smart: Noch ist das deutsche Stromnetz nicht so intelligent, wie es sein könnte.
Foto: Igor Borisenko, iStock

Intelligenz braucht Hirnzellen, die Informationen zu Wissen verarbeiten. Im deutschen Stromnetz gibt es zu wenig Hirnzellen. Diese Aufgabe ist Smart Metern zugedacht, die an deutschlandweit mehr als 50 Millionen Messstellenpunkten aktuelle Informationen über den Stromverbrauch vor Ort aufnehmen und weiterleiten sollen. Mit diesem Wissen kann das Stromnetz als Smart Grid den Stromfluss steuern und Schwankungen ausgleichen. Das erhöht die Versorgungssicherheit und senkt die Kosten – für die Netzbetreiber ebenso wie für die Stromabnehmer. Bei dieser anspruchsvollen Aufgabe kommt Deutschland nur mühsam voran. Damit stockt auch die Energiewende. Die braucht (außer mehr Stromtrassen) ein digitalisiertes Stromnetz. Doch dafür fehlt es an Hirnzellen.

Kaum mehr als fünf Prozent aller Messstellenpunkte sind bislang mit einem Smart MeterDigitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.Digitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden. versorgt, während beispielsweise Schweden bereits vor anderthalb Jahrzehnten alle Unternehmen und Haushalte mit intelligenten Messsystemen (iMSys) versorgt hat. Dort nutzen die Netzbetreiber die Echtzeitdaten längst, gekoppelt mit modernen Lastmanagementsystemen, um die Netzstabilität zu stärken. Der langsame Fortschritt der Digitalisierung in Deutschland hingegen behindere „die dringend nötige Fähigkeit der Netzbetreiber, Lasten effektiv zu steuern und die Netzstabilität zu gewährleisten“, kritisiert Carlo Lazar, Sales Director beim finnischen iMSys-Unternehmen Aidon.

Nur zehn Prozent der deutschen Haushalte haben einen Smart MeterDigitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.Digitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.

In skandinavischen Ländern liegt der Abdeckungsgrad mit Smart Metern ebenso wie in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich und Österreich deutlich über 90 Prozent. Deutschland wird bis zum Jahresende wohl nicht einmal die Zehn-Prozent-Hürde nehmen. Das liegt daran, dass derzeit nur Haushalte mit einem hohen Stromverbrauch, Photovoltaikanlagen auf dem Dach oder neuen und leistungsfähigen Wärmepumpen und Wallboxen verpflichtend ein Smart MeterDigitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.Digitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden. brauchen. Den Einbau übernehmen die jeweils zuständigen Verteilnetzbetreiber, von denen es in Deutschland mehr als 800 gibt. Während einige davon vorbildlich arbeiten, zeigen sich andere saumselig. Im März leitete die Bundesnetzagentur 77 Verfahren gegenüber Netzbetreibern ein, die die gesetzlich festgelegte Quote für den iMSys-Rollout nicht eingehalten hatten. „Der Einbau von Smart Metern spielt eine zentrale Rolle für die Digitalisierung unseres Stromsystems“, erinnerte Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller. Die Zurückhaltung mancher Messstellenbetreiber mag damit zusammenhängen, dass es für sie kaum finanzielle Anreize gibt. Der iMSys-Betrieb, so rechnet die Branche, lohnt sich erst ab 500.000 Messstellen. In dieser Größenordnung rangieren exakt 19 der derzeit rund 850 Verteilnetzbetreiber.

Dass sich Smart MeterDigitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.Digitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden. kaum rechnen, liegt auch an den technisch aufwendigen Messsystemen. Dafür ist das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verantwortlich. Denn wo digitalisiert wird, fallen Daten an – das ruft den Datenschutz auf den Plan. Was heute zertifiziert wird und anschließend eingebaut werden darf, entspricht jedenfalls höchsten Standards. Die BSI-Anforderungen an Datensicherheit „auf Geheimdienstniveau“, kritisiert Carolin Schenuit vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) gegenüber tagesschau.de, habe jahrelang Fortschritt verhindert. Nun soll das Tempo anziehen. Seit 2025 müssen Versorger ihren Kunden dynamische Stromtarife anbieten – das soll das Interesse an Smart Metern auf Abnehmerseite steigern. Das Problem dabei: Finanziell interessant ist dieses Angebot vor allem für Haushalte mit Photovoltaik auf dem Dach, Wärmepumpe und/oder Wallbox. Sie sparen laut Analyse von Metrify Smart Metering jährlich bis zu 180 Euro. Durchschnittlich entlastet ein Smart MeterDigitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.Digitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden. solche bundesdeutschen Haushalte um 116 Euro. Da der iMSys-Betrieb laut Finanztip-Spezialistin Sandra Duy jährlich zwischen 30 und 190 Euro kostet (plus Einbau), ist die Ersparnis überschaubar.

Smart MeterDigitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.Digitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden. und Smart Grid: Es muss sich rechnen

Die Nachfrage lahmt – und das Stromnetz bleibt weiterhin unter seinen Möglichkeiten. Damit ein Smart Grid intelligent agieren kann, muss das Netz digital Millionen Geräte koordinieren und so Angebot und Nachfrage in Echtzeit ausgleichen. Dafür müssen Wärmepumpen, Wallboxen und Batteriespeicher integriert und gesteuert werden. Doch solange es sich weder für Netzbetreiber noch für Stromabnehmer rechnet, auf Smart MeterDigitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden.Digitale Stromzähler, die regelmäßig Daten zum Verbrauch und – falls vorhanden – zur Erzeugung erfassen und auch an Netzbetreiber versenden. zu setzen und so dem Smart Grid weitere Hirnzellen zu spendieren, bleibt das Stromnetz überschaubar „smart“.

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