Die Ergebnisse sind zwar noch nicht vollständig repräsentativ für Deutschland, zeigen aber über die untersuchten Kommunen hinweg deutliche Trends: In den kommunalen Zielbildern bildet die Wärmepumpe neben der leitungsgebundenen Wärmeversorgung (Nah- und Fernwärmenetze) die Basis der künftigen Wärmeversorgung. „Wärmepumpen und Wärmenetze bilden das Rückgrat der kommunalen Wärmewende“, sagt Marc Stobbe, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Energie & Klimaschutz am Öko-Institut. „Damit haben die Kommunen eine gute Grundlage für ihre Infrastrukturplanung – vom Ausbau der Strom- und Wärmenetze bis zum künftigen Umgang mit den Gasverteilnetzen.“ Denn: Perspektivisch sollen die Gasnetze entweder für grüne Gase umgebaut oder gänzlich zurückgebaut werden.
Die kommunale Wärmeplanung liefert die strategische Ebene für die Wärmewende in Deutschland: Jede Kommune muss festlegen, wie sich die Wärmeversorgung vor Ort zukünftig entwickelt. Für Gebäude-Eigentümer entsteht daraus eine zusätzliche Orientierung bei der Frage, ob eine dezentrale Wärmepumpe oder perspektivisch ein Wärmenetz die passende Lösung für die eigene Wärmversorgung ist.
Wärmepumpe wird zur dezentralen Standardlösung
Die neuen Wärmequellen: Für 2045 sehen die ausgewerteten Wärmepläne einen Anteil von rund 41 Prozent an der Wärmenachfrage für Wärmepumpen vor. Bei der leitungsgebundenen Wärmeversorgung sind es 36 Prozent. Zusammengenommen kommen beide Optionen damit auf rund 80 Prozent der geplanten Wärmebereitstellung. In dezentral versorgten Gebieten – sprich Regionen ohne zentrale Wärmeversorgung, etwa durch Fernwärme – gilt die Wärmepumpe laut Studie als Standardlösung. Das bedeutet zugleich einen grundlegenden Umbau der heutigen Wärmeversorgung. Im Ist-Zustand entfallen von rund 171.000 Gigawattstunden (GWh) Wärmebedarf der untersuchten Kommunen etwa 130.000 GWh auf Erdgas und Heizöl. Erdgas ist mit rund 105.000 GWh aktuell der mit Abstand wichtigste Energieträger. Bis 2045 sollen Erdgas und Heizöl in den Zielbildern dagegen weitgehend verschwinden. Der Rückgang wird vor allem durch Wärmepumpen und Wärmenetze kompensiert. Gleichzeitig zeigen die Wärmepläne, dass Wasserstoff für die dezentrale Raumwärme eine deutlich geringere Rolle spielen soll. Rund zwei Drittel der ausgewerteten Kommunen sehen für 2045 überhaupt keinen Wasserstoffeinsatz vor. Wo Wasserstoff eingeplant wird, geht es vor allem um industrielle Anwendungen und Spitzenlasten in Wärmenetzen.
Die kommunalen Wärmepläne setzen aber nicht allein auf den Austausch von Energieträgern. Bis 2045 soll der Endenergiebedarf für Wärme in der ausgewerteten Gesamtheit um rund 32 Prozent sinken. Dahinter stehen Annahmen zu energetischen Sanierungen und Effizienzsteigerungen im Gebäudebestand. Die Studie weist allerdings darauf hin, dass die angenommenen Sanierungsraten vielfach deutlich über dem historischen Mittel liegen. Bleiben Sanierungen hinter den Erwartungen zurück, müssten Wärmenetze, Stromnetze und Erzeugungskapazitäten höhere Lasten bewältigen als in den Zielbildern vorgesehen.

Selbst jüngere Öl- und Gasheizungen werden bereits ausgetauscht
Dass die Wärmepumpe insbesondere im Bestand an Bedeutung gewinnt, zeigt eine von WattFox veröffentlichte Analyse von mehr als 50.000 Heizungstauschen im Jahr 2025. Danach handelte es sich bei 87 Prozent der ersetzten Heizsysteme um Gas- oder Ölheizungen. Gasheizungen machten 58 Prozent, Ölheizungen 29 Prozent aus. Der Austausch fossiler Heizsysteme ist damit derzeit der wichtigste Zugang zur Wärmepumpe im Gebäudebestand.
Bemerkenswert ist dabei das Alter der ausgetauschten Anlagen: Insgesamt waren fast 52 Prozent der ersetzten Heizungen jünger als 20 Jahre. WattFox wertet dies als Hinweis darauf, dass Eigentümer zunehmend vorausschauend modernisieren, statt erst auf einen Totalausfall zu warten. Als Motive nennt die Analyse unter anderem die Senkung künftiger Betriebskosten, die Steigerung der Energieeffizienz sowie die Kombination der Wärmepumpe mit eigener Stromerzeugung, etwa mit Photovoltaik.
Wärmepumpen sorgen für kalkulierbare Energiekosten und Unabhängigkeit
Auch die WattFox-Auswertung kommt zu dem Schluss, dass kalkulierbare Energiekosten, geringere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Förderprogramme die Investitionsbereitschaft stärken. Zugleich sorgt die Veränderung gesetzlicher und förderrechtlicher Rahmenbedingungen weiterhin für Unsicherheit. Die kommunalen Wärmepläne weisen jedoch klar in Richtung Elektrifizierung und Wärmenetze: Wärmepumpen werden in Zukunft eine immer größere Rolle bei der Wärmeversorgung spielen.