Netze und Erneuerbare

„Es wird offen kommuniziert“

Andreas Markowsky, Chef der Ökostromgruppe Freiburg, hat sich in den 2000er-Jahren von Netzbetreibern teils schikaniert gefühlt. Jetzt erlebt er eine ganz andere Situation.
Interview: Ina Matthes
03.05.2023 | Aktualisierung: 31.05.2023 | 3 Min.

neue energie: Vor einigen Jahren noch hörte man von Planern und Betreibern viele Beschwerden, wenn es um den Netzanschluss von Windkraftanlagen ging – wie nehmen Sie die Situation heute in der Region um Freiburg wahr?

Andreas Markowsky: Es ist heute vieles besser im Vergleich zur Situation vor 20 Jahren. In den 2000er-Jahren erlebten wir ein hohes Maß an Schikanen. Von manchem Verteilnetzbetreiber wurden wir regelrecht als Feinde gesehen.

ne: Wenn Sie von Schikanen in der Vergangenheit sprechen, was genau meinen Sie damit?

Markowsky: Die Anlagen stehen bei uns auf den Bergen, die Leitungen müssen ins Tal. Es ist sehr teuer, wenn man vom Berg ins Tal bauen muss. Wir haben zum Beispiel einen Antrag für einen Anschluss gestellt und einen Verknüpfungspunkt genannt bekommen, der extrem weit weg lag. Im Laufe der zweijährigen Verhandlungen konnte dann unsere Netzanbindungsstrecke von 22 Kilometern auf 150 Meter verkürzt werden. Uns wurden auch widersprüchliche Netzdaten genannt oder die Angaben dann plötzlich wieder verändert. Solche Dinge, die oft schikanös waren, die gibt es nicht mehr. Im Gegenteil: Viele Netzbetreiber sehen sich heute als Teil der Energiewende.

ne: Sind für Ihr Unternehmen vor allem die Verteilnetzbetreiber Partner oder hin und wieder auch die Übertragungsnetzbetreiber?

Markowsky: Mit den Übertragungsnetzbetreibern haben wir nur in Spezialfällen zu tun. Wir speisen in die Verteilnetze ein. In der Regel sprechen wir schon sehr frühzeitig mit dem Netzbetreibern. Es ist in unserer Region aufgrund der topographischen Gegebenheiten mühsam und teuer, Anlagen ans Netz anzubinden. Es muss zunächst ermittelt werden, welcher der nächstgelegene zum Anschluss verpflichtete Netzbetreiber ist. Es gibt darüber hinaus viele technische Fragen zu klären. Aber wir kommen heute im gegenseitigen Austausch immer zu Ergebnissen. Manche Netzbetreiber machen sich schon sehr früh Gedanken, etwa über notwendige Erweiterungen von Umspannwerken, um mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt zu halten.

ne: Wie erleben Sie die Kommunikation mit den Netzbetreibern heute? Wie transparent ist sie?

Markowsky: Wir machen gute Erfahrungen. Unsere Anträge werden sachgerecht geprüft, es wird offen kommuniziert.

ne: Worin bestehen gegenwärtig die Herausforderungen, wenn es um die Netzanbindung von Windkraftanlagen geht? Was könnte aus Ihrer Sicht dabei verbessert werden?

Markowsky: Das Hauptproblem ist, dass die Ortsnetze zunehmend voll sind. Gegenwärtig werden für mehrere Windparks auch mehrere 20-KV-Leitungen parallel von den Bergen ins Tal verlegt. Wenn absehbar ist, dass mehrere Anlagen ans Netz gehen, wäre es besser, auf die höhere Spannungsebene zu wechseln und statt vieler Mittelspannungsanschlüsse eine 110-KV-Leitung zu bauen. Ein vorausschauender Netzausbau ist aber bislang so gar nicht vorgesehen. Allerdings gibt es jetzt in Baden-Württemberg eine Arbeitsgruppe, die sich damit beschäftigt, wie der Bau von Verteil- und Übertragungsnetzen regional diesbezüglich besser koordiniert werden kann.

ne: Derzeit wird auch die Idee hybrider Netzanschlusspunkte diskutiert – PV-Anlagen und Windräder speisen am selben Punkt ein. In seltenen Fällen gibt es das schon. Was halten Sie davon?

Markowsky: Ich finde das grundsätzlich gut. Nur in Extremfällen laufen Solar- und Windenergieanlagen zeitgleich unter Volllast und müssten dann abgeregelt werden. Technisch ist das kein Problem, aber es stellen sich zahlreiche juristische und kaufmännische Fragen

ne: Wo sehen Sie außerdem Verbesserungsbedarf?

Markowsky: Die Ungleichbehandlung von Offshore- und Onshore-Anlagen stört uns. Die Befreiung der Offshore-Parks von den Netzanschlusskosten ist historisch bedingt aus der Zeit, als unklar war, ob für Windenergieanlagen auf dem Meer überhaupt Investoren gefunden werden. Auch für Windmühlen, die im Mittelgebirge gebaut werden, ist der Netzanbindungsaufwand sehr hoch. Heute gibt es keinen sachlichen Grund mehr, Onhill-Windenergieanlagen gegenüber Offshore-Windenergieanlagen zu diskriminieren.


Andreas Markowsky
steht gemeinsam mit Lukas und Thomas Schuwald an der Spitze der Ökostromgruppe Freiburg. Das Unternehmen wurde 1990 gegründet. Es projektiert und betreibt Erneuerbare-Energien-Anlagen im Bereich Wind, Solar und Wasser. Die Ökostromgruppe hat sich nach eigenen Angaben auf Beteiligungsmodelle für Bürger mit einer regionalen Wertschöpfung spezialisiert.

 

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