Strom und Wärme sind neuralgische Punkte, um Gegner zu zermürben. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs zerstört das russische Militär gezielt die Energieinfrastruktur der Ukraine: Kraft- und Umspannwerke, Stromnetze und Leitstellen. Inzwischen sind mehr als 60 Prozent der Anlagen offline. Mitte Januar hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Notstand im Energiesektor ausgerufen.
Makeiev schildert mit eindringlichen Worten die bittere Realität in einer Welt, in der das Recht des Stärkeren zum entscheidenden Zünglein an der geopolitischen Waage geworden ist. Sein Vortrag macht die derzeitige Verwundbarkeit der kritischen Infrastruktur auf dramatische Weise sichtbar.
Blackout in Berlin: Der Anschlag war ein Weckruf
Einen Vorgeschmack auf diese neue Realität erlebten die Menschen im Südwesten Berlins, als dort am 3. Januar 2026 der Strom ausfiel. Ein Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte die Stromversorgung in mehreren Stadtteilen lahmgelegt. Plötzlich ging nichts mehr: Supermärkte blieben geschlossen, Straßen dunkel – Menschen saßen ohne Heizung in ihren Wohnungen. Bei Außentemperaturen bis zu minus zwölf Grad. Erst nach fünf Tagen konnten die betroffenen 45.000 Haushalte und mehr als 2000 Gewerbebetriebe wieder aufatmen. Es war der längste Blackout der Berliner Nachkriegsgeschichte.
Der Anschlag war vor allem eines: ein Weckruf, der zeigt, wie fragil das Energiesystem auch hierzulande ist. Und während wir noch über die Bezahlbarkeit der Energiewende diskutieren, spielen Autokraten Monopoly mit den Ressourcen der Erde – koste es, was es wolle.
Verteidigungsausgaben auch in die Energieinfrastruktur investieren
„Ohne eine solche Energieinfrastruktur fällt uns die zukünftige Verteidigung zunehmend schwerer. Wir müssen uns gegen geopolitische Erpressungsversuche zur Wehr setzen können.“ Aus seiner Sicht kann der Umbau zu einem dezentralen, erneuerbaren Energiesystem das Land in vielerlei Hinsicht stärken, nicht nur verteidigungspolitisch, sondern auch volkswirtschaftlich. Streitkräfte, die weniger fossile Brennstoffe benötigen, seien zudem operativ einsatzfähiger.
Die Energiewende ist digital – und doppelt verwundbar. Vernetzte Windparks und Photovoltaikanlagen bieten Angreifern enorme Flächen. Ein Ausfall der IT-Systeme würde die Netzstabilität bedrohen. Cybersicherheit ist daher ein zentraler Baustein der Versorgungssicherheit. Die NIS-2-Richtlinie soll die rechtliche Grundlage dafür schaffen. Sie schreibt ein strenges Risikomanagement vor: Unternehmen sind verpflichtet, ein umfassendes Set an Sicherheitsvorkehrungen zu implementieren. Dazu gehören Konzepte zur Risikoanalyse, zur Sicherheit in der Lieferkette, Kryptografie sowie Verfahren zur Bewältigung von Sicherheitsvorfällen. Bei Verstößen gegen die Sorgfaltspflichten drohen empfindliche Bußgelder.
Eine zentrale Energieinfrastruktur sei immer anfällig