Batteriespeicher

„Gerade haben wir das Gegenteil von einem stabilen Speichermarkt“

Neue Regulierung, unsichere Rahmenbedingungen und stockende Genehmigungen bremsen den Batteriespeichermarkt aus. Mandy Schipke, Geschäftsführerin von NOVUM engineering, erklärt im Interview, warum gerade seriöse Projekte unter Druck geraten – und weshalb Co-Location-Speicher trotzdem die Zukunft sein könnten.
21.05.2026 | 4 Min.
Mandy Schipke, Geschäftsführerin von NOVUM engineering.
Mandy Schipke, Geschäftsführerin von NOVUM engineering.
Foto: Anne Schwerin, NOVUM engineering

neue energie: Wie ist gerade die Stimmung in der Speicherbranche?

Mandy Schipke

gründete 2014 das Unternehmen NOVUM engineering in Dresden, das datengetriebene Analysen und Batteriemonitoring von Großspeichern anbietet, um Energiespeicher sicherer, wirtschaftlicher und länger nutzbar zu machen. Außerdem berät das Unternehmen zu Batterietechnologien und beim Speicherkauf.

Mandy Schipke: Es kommt darauf an, wen man fragt. Bis jetzt hatten wir eine totale Goldgräberstimmung. Es gab quasi überhaupt nichts, was den Batterieboom gebremst hat. Jeder, der konnte, hat irgendwo ein Batteriespeicherprojekt angemeldet, aber die wenigsten davon waren überhaupt in der Lage, es tatsächlich umzusetzen. Jetzt wird dieser Run auf Batteriespeicherprojekte ordentlich gebremst – und das ist nicht nur schlecht. Der Markt musste sich irgendwann abkühlen. Lieber wenige gute Projekte als ganz viele in der Pipeline, die dann nicht realisiert werden. Das können wir uns für die Energiewende auch nicht leisten.

ne: Hat das Image der Branche dadurch Schaden genommen?

Schipke: Einen schlechten Ruf der Speicherbranche nehme ich nicht wahr. Im Moment dominiert die Orientierungslosigkeit, weil jetzt ganz viel neu reguliert wird. Und das sorgt für Ratlosigkeit und bremst ein bisschen die Investitionsfreude aus.

ne: Das bedeutet, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen momentan eher nicht für die nötige Planungs- und Investitionssicherheit sorgen?

Schipke: Genau, gerade diejenigen, die Projekte umsetzen könnten, schwimmen etwas. Nehmen wir die AgNes-Reform: Schlimmstenfalls verlieren wir durch die Reform den Bestandsschutz für schon realisierte Speicher. Das ist ausgerechnet für die, die seriös mit Batteriespeichern planen und sie in Zukunft auch betreiben können, schwierig. Diese Projekte machen jetzt eine Pause und warten lieber ab, bis die AgNes-Reform durch ist. Und die wirklichen Goldgräber, die risikoaffinen, die treiben ihre Projekte weiter voran. Wenn wir also eigentlich ein stabiles, solides Energiesystem mit stabilen, soliden Speichern haben wollen, passiert gerade genau das Gegenteil. Wir müssten seriösen Speicherprojekten jetzt eine sichere rechtliche Grundlage geben, damit Investoren in verlässliche Projekte investieren können.

ne: Was zählt für Sie zu dieser nötigen rechtlichen Grundlage?

Schipke: Der Bestandsschutz ist zum Beispiel maximal wichtig. Wenn bestehende Speicherprojekte – anders als aktuell – doch Netzentgelte zahlen müssen, verunsichert das die Branche massiv. Auf der anderen Seite haben wir das Thema Genehmigungen für Netzanschlusspunkte. Wir sehen momentan eine absolute Stagnation, was Bezugsgenehmigungen für Speicher angeht. Früher hatten wir das Windhund-Prinzip, bei dem Anträge nach Eingang chronologisch abgearbeitet wurden. Das hat teilweise dazu geführt, dass es pro Netzverknüpfungspunkt tausende Anfragen gab, die alle nacheinander bearbeiten werden mussten. Jetzt stellen wir gerade auf das Reifegradverfahren um, bei dem nur konkrete, weit entwickelte Projekte bearbeitet werden. Das ist ein richtiger guter Schritt, allerdings gibt es hier noch keine standardisierten Abläufe und Prozesse. Um der Speicherbranche Sicherheit zu geben, sind Geschwindigkeit seitens der Übertragungsnetzbetreiber und wirklich verlässliche Strukturen nötig. Klar, leisten wir hier alle Pionierarbeit – das ist auch gut so! Aber etwas mehr Transparenz und Anleitung beim Thema Genehmigungen für Netzanschlusspunkte würde uns als Speicher-Branche die Unsicherheit nehmen.

ne: Wäre nicht eine Lösung, Energieerzeugung und -speicherung zusammenzudenken und die Co-Location zu stärken?

Schipke: Genau, es gibt die Unterscheidung zwischen Standalone-Speichern, die wirklich für sich stehen, und Co-Location in Kombination mit zum Beispiel einem Wind- oder Solarpark. Wir kommen aus einem Standalone-Speichermarkt. Co-Location gab es in der Vergangenheit so gut wie gar nicht. Und auch die Goldgräber stürzen sich auf die Standalone-Speicher, weil die momentan die wirtschaftlich attraktivsten sind. Aber für das Energiesystem insgesamt sind Co-Location-Speicher deutlich besser. Wir regeln aktuell so viel Strom aus erneuerbaren Quellen ab, wofür wir Milliarden ausgeben. Das könnten wir super zwischenspeichern. Das heißt, gesamtgesellschaftlich ist auf jeden Fall der Co-Location-Speicher der attraktivere, wirtschaftlich aktuell noch nicht.

ne: Woran liegt das?

Co-Location-Speicher erfordern einfach eine andere Vermarktungsweise.
Schipke: Die Solaranlage oder der Windpark muss immer in den Business Case für den Co-Location-Speicher mit einberechnet werden. Ein einzelner Speicher ohne Energieerzeugungsanlage daneben rechnet sich im Moment mehr, weil der Strom dann auf allen möglichen Märkten vermarktet und die Energie quasi zu jederzeit ein- und ausgespeist werden kann. Der gekoppelte Speicher kann nur Strom einspeichern, wenn Wind und Solar gerade Strom produzieren. Und wenn grüner Strom erzeugt und vom Speicher aufgenommen wird, kann er nicht gleichzeitig an anderen Märkten aktiv sein. Co-Location-Speicher haben also andere Arbeitsbedingungen und die erfordern einfach eine andere Vermarktungsweise. Die Märkte, wie sie heute sind, sind eher pro Standalone-Speicher als pro Co-Location-Speicher. Das kann sich aber in der Zukunft ändern.

ne: An welche Rahmenbedingungen muss der Gesetzgeber aus Sicht der Speicherbranche jetzt am schnellsten ran?

Schipke: Es gibt wahnsinnig viele Punkte, wie eben den Bestandsschutz in der AgNes-Reform, wo wir auf schnelle Klarheit warten. Ansonsten haben wir gerade eine große Diskussion über flexible Netznutzungsvereinbarungen und netzdienliches Verhalten von Speichern. Im Moment kann noch niemand genau definieren, was netzdienliches Verhalten überhaupt genau ist. Die Übertragungsnetzbetreiber wissen das nicht, die Stadtwerke wissen das nicht, keiner hat das ausprobiert. Wir müssen erstmal testen, wie sich Speicher netzdienlich verhalten können. Hier bin ich eher gegen Schnellschüsse vom Gesetzgeber und für mehr Zeit, Netzdienlichkeit auszutesten, bevor sie gesetzlich festgelegt wird. Das ist ein genereller Wunsch: Regeln, die verbindlich festgelegt werden, sollte man vorher am Markt verifizieren. Das wäre klasse.

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