neue energie: Wie ist gerade die Stimmung in der Speicherbranche?
gründete 2014 das Unternehmen NOVUM engineering in Dresden, das datengetriebene Analysen und Batteriemonitoring von Großspeichern anbietet, um Energiespeicher sicherer, wirtschaftlicher und länger nutzbar zu machen. Außerdem berät das Unternehmen zu Batterietechnologien und beim Speicherkauf.
ne: Hat das Image der Branche dadurch Schaden genommen?
Schipke: Einen schlechten Ruf der Speicherbranche nehme ich nicht wahr. Im Moment dominiert die Orientierungslosigkeit, weil jetzt ganz viel neu reguliert wird. Und das sorgt für Ratlosigkeit und bremst ein bisschen die Investitionsfreude aus.
ne: Das bedeutet, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen momentan eher nicht für die nötige Planungs- und Investitionssicherheit sorgen?
ne: Was zählt für Sie zu dieser nötigen rechtlichen Grundlage?
Schipke: Der Bestandsschutz ist zum Beispiel maximal wichtig. Wenn bestehende Speicherprojekte – anders als aktuell – doch Netzentgelte zahlen müssen, verunsichert das die Branche massiv. Auf der anderen Seite haben wir das Thema Genehmigungen für Netzanschlusspunkte. Wir sehen momentan eine absolute Stagnation, was Bezugsgenehmigungen für Speicher angeht. Früher hatten wir das Windhund-Prinzip, bei dem Anträge nach Eingang chronologisch abgearbeitet wurden. Das hat teilweise dazu geführt, dass es pro Netzverknüpfungspunkt tausende Anfragen gab, die alle nacheinander bearbeiten werden mussten. Jetzt stellen wir gerade auf das Reifegradverfahren um, bei dem nur konkrete, weit entwickelte Projekte bearbeitet werden. Das ist ein richtiger guter Schritt, allerdings gibt es hier noch keine standardisierten Abläufe und Prozesse. Um der Speicherbranche Sicherheit zu geben, sind Geschwindigkeit seitens der Übertragungsnetzbetreiber und wirklich verlässliche Strukturen nötig. Klar, leisten wir hier alle Pionierarbeit – das ist auch gut so! Aber etwas mehr Transparenz und Anleitung beim Thema Genehmigungen für Netzanschlusspunkte würde uns als Speicher-Branche die Unsicherheit nehmen.
ne: Wäre nicht eine Lösung, Energieerzeugung und -speicherung zusammenzudenken und die Co-Location zu stärken?
Schipke: Genau, es gibt die Unterscheidung zwischen Standalone-Speichern, die wirklich für sich stehen, und Co-Location in Kombination mit zum Beispiel einem Wind- oder Solarpark. Wir kommen aus einem Standalone-Speichermarkt. Co-Location gab es in der Vergangenheit so gut wie gar nicht. Und auch die Goldgräber stürzen sich auf die Standalone-Speicher, weil die momentan die wirtschaftlich attraktivsten sind. Aber für das Energiesystem insgesamt sind Co-Location-Speicher deutlich besser. Wir regeln aktuell so viel Strom aus erneuerbaren Quellen ab, wofür wir Milliarden ausgeben. Das könnten wir super zwischenspeichern. Das heißt, gesamtgesellschaftlich ist auf jeden Fall der Co-Location-Speicher der attraktivere, wirtschaftlich aktuell noch nicht.
ne: Woran liegt das?
ne: An welche Rahmenbedingungen muss der Gesetzgeber aus Sicht der Speicherbranche jetzt am schnellsten ran?
Schipke: Es gibt wahnsinnig viele Punkte, wie eben den Bestandsschutz in der AgNes-Reform, wo wir auf schnelle Klarheit warten. Ansonsten haben wir gerade eine große Diskussion über flexible Netznutzungsvereinbarungen und netzdienliches Verhalten von Speichern. Im Moment kann noch niemand genau definieren, was netzdienliches Verhalten überhaupt genau ist. Die Übertragungsnetzbetreiber wissen das nicht, die Stadtwerke wissen das nicht, keiner hat das ausprobiert. Wir müssen erstmal testen, wie sich Speicher netzdienlich verhalten können. Hier bin ich eher gegen Schnellschüsse vom Gesetzgeber und für mehr Zeit, Netzdienlichkeit auszutesten, bevor sie gesetzlich festgelegt wird. Das ist ein genereller Wunsch: Regeln, die verbindlich festgelegt werden, sollte man vorher am Markt verifizieren. Das wäre klasse.
