- Batteriespeicher gleichen kurzfristige Schwankungen von Wind- und Solarstrom aus und profitieren von volatilen Strompreisen, sind aber keine vollständige Lösung für längere Dunkelflauten.
- Das aktuelle Geschäftsmodell optimiert vor allem Preise statt Netzstabilität – dadurch können Engpässe im Stromnetz sogar verstärkt werden.
- Fehlende politische und regulatorische Anreize verhindern bislang, dass Speicher systematisch „netzdienlich“ eingesetzt werden.
- Für eine stabile Energiewende braucht es Netzausbau, neue Preissignale und bessere Integration von Speichern, etwa durch regionale Strompreise oder flexible Netzentgelte.
Woher kommen Wind- und Solarenergie, wenn keine Brise weht und keine Sonne scheint? Speichern lässt sich Strom nun mal schlecht. Das „Dunkelflauten“-Argument begleitet die Energiewende von Anfang an, und tatsächlich ließen die Speicheroptionen lange zu wünschen übrig. Das ändern moderne Batteriespeicher. Ihre Lithium-Ionen- und als preiswertere Variante zunehmend Lithium-Eisenphosphat-Batterien halten die Energie problemlos vier Stunden vor. Neue Projekte peilen sogar Speicheroptionen von zehn oder mehr Stunden an.
Selbst damit lassen sich Dunkelflauten zwar nur bedingt abpolstern, dafür wird aber ein anderes Problem gelöst: Da insbesondere Solaranlagen mittags und nachmittags reichlich Strom produzieren, fallen an den Börsen aufgrund des Überangebots die Preise – häufig sogar in den negativen Bereich. Betreiber von Solarparks zahlen also mitunter drauf, wenn sie ihren Strom mittags ins Netz einspeisen. Dieses Problem lässt sich dank BESS vermeiden: Die Battery Energy Storage Systems speichern den Strom, bis die Sonne sinkt und die Preise wieder steigen.
Batteriespeicher optimieren den Strompreis
Batteriespeicher optimieren den Strompreis, das ist derzeit das Geschäftsmodell. Vernachlässigt wird dabei, wie sehr der Fokus auf den optimalen Preis die Auslastung der Netze ignoriert. Technisch wäre das kein Problem: Ist das Stromnetz bis zum Anschlag ausgelastet, könnten die Batterien weiteren Strom für einige Stunden zurückhalten. Diese scheinbare Ignoranz habe weniger mit fehlendem Willen als mit fehlenden Signalen zu tun, sagt Hager. „Wenn Netzbetreiber ein lokales dynamisches Preissignal setzen, reagieren Speicher automatisch netzentlastend – weil es sich dann lohnt.“
Stromspeicher brauchen netzdienliche Anreize
Bislang übernehmen BESS diese Entlastung eher zufällig und ohne erkennbare Absicht, wie die Studie Netzdienlichkeit von Großbatterien herausarbeitet. Daher brauche es „netzdienliche Anreize“, sagt Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von Eco Stor und Auftraggeber der Studie. „Wenn wir dies hinbekommen, würden alle Beteiligten davon profitieren können – Speicherbetreiber, Netzbetreiber, Verbraucher und Wirtschaft.“
Während Batteriespeicher immer billiger werden: Laut Bloomberg NEF sind die Preise für Lithium-Ionen-Batterien seit 2010 um mehr als 90 Prozent gefallen und rangieren mittlerweile auf etwa 60 Dollar pro Kilowattstunde bei Lithium-Ionen-Batterien, bei Lithium-Eisenphosphat-Batterien liegt der Preis sogar noch tiefer. Auch deshalb steigt das Interesse, neue Batteriespeicher zu bauen. Von einem Batterie-Tsunami ist daher die Rede, mit Hunderten neu geplanten Projekten im Gigawatt-Bereich.
Differenzierte Netzentgelte für Speicher-Integration nötig
Trotzdem geht es nur zögerlich voran. Ein Grund dafür ist das sogenannte Windhund-Verfahren: Zuerst gestellte Anträge werden auch zuerst bearbeitet. Das soll jetzt geändert und Anträge mit Aussicht auf positiven Bescheid bevorzugt behandelt werden. Derzeit nutzen die Netzbetreiber gern flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCA, Flexible Connection Agreements), um die Einspeiseleistung von Erneuerbare-Energie-Anlagen auf einen festgelegten Maximalwert und oder bestimmte Zeitfenster zu begrenzen. So können Batteriespeicher ans Netz angeschlossen werden, was sonst nur nach umfangreichen Netzverstärkungen möglich wäre. Auch können sich mehrere Parks denselben Netzanschlusspunkt teilen, ohne dass die Infrastruktur auf die Maximalleistung aller Einspeiser ausgelegt sein muss.
Was heißt das eigentlich: netzdienlich?
Die Antwort des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE): „Netzdienlich ist ein Batteriespeicher in einer Co-Location zu einem Solar- oder Windpark, der die Spitzen am nahen Umspannwerk reduzieren hilft“, sagt Bernhard Wille-Haußmann, Experte für intelligente Netze am Fraunhofer ISE. Je besser ein BESS diese Aufgabe erfülle, desto netzdienlicher. Wille-Haußmann sieht in der Co-Location, also der Kombination von BESS und Solar- oder Windpark, die Zukunft. „Das Geschäftsmodell der Stand-alone-Speicher ist langfristig nicht tragbar“ – zu einseitig auf Profit ausgelegt, zulasten der Netze.
Speicher warten auf den Netzausbau
Die Stromleitungen müssen allerdings ausgebaut werden, um die steigenden Mengen an erzeugtem und verbrauchtem Strom aufzunehmen, zu transportieren und zu verteilen. Viel Hoffnung liegt auf Südlink: Die Stromautobahn von Nord nach Süddeutschland soll 2028 in Betrieb gehen. „Die Verteilnetze vor Ort erfahren nicht so viel Aufmerksamkeit, obwohl auch bei den Niederspannungsnetzen eine Menge passiert“, sagt Fraunhofer-ISE-Experte Wille-Haußmann, und sie damit die Stromversorgung stabilisieren.


