Heizen kostet oft unnötig viel Geld, weil Gebäude schlecht gedämmt sind oder weiterhin auf Öl und Gas gesetzt wird, die immer teurer werden. Obwohl die Wärmewende überfällig ist, bewegt sich wenig. An den Handwerksbetrieben liegt das nicht.
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Energie sparen leicht gemacht: Styroporplatten steigern die Wärmedämmung.
Brizmaker, iStock
2025 wird der Absatz voraussichtlich so niedrig sein wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr."Jan Brockmann, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH)
„Wir stehen bereit, jährlich über eine Million Heizsysteme zu modernisieren“, sagt Michael Hilpert. Als Präsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) vertritt er rund 48.000 Betriebe, die gern die Wärmewende vorantreiben wollen. „Die Branche hat massiv in neue Produktionskapazitäten investiert, während das SHK-Handwerk Zehntausende Fachkräfte geschult hat, um den Modernisierungshochlauf zu bewältigen“, sagte Hilpert kürzlich auf der Deutschen Wärmekonferenz. Auf dem Branchentreff mahnte Jan Brockmann, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), das Vertrauen in Planungssicherheit und politische Verlässlichkeit sei angeschlagen. Ebenso wie Hilpert wünscht er sich „stabile Rahmenbedingungen“ – dieser Wunsch geht eindeutig an die Bundespolitik. Die Branche der Heizungsbauer braucht Planbarkeit – sonst gehen die Umsätze weiter nach unten. „2025 wird der Absatz voraussichtlich so niedrig sein wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr“, prognostiziert BDH-Präsident Brockmann. Das liegt vor allem an der Unsicherheit über politische Vorgaben und damit verbunden über Fördermittel. Darüber beklagen sich in einer Umfrage der Energieberatung CO2online aus dem September mehr als drei Viertel der befragten Handwerker. Rund zwei Drittel der Betriebe nehmen ihre Auftragslage als „durchwachsen“ oder „eher schwierig“ wahr.
Das liegt vor allem an den Nachwehen der Streitigkeiten um das Heizungsgesetz, offiziell Gebäudeenergiegesetz (GEG). CDU und CSU hatten im Wahlkampf angekündigt, das Gesetz, das einen Umstieg auf erneuerbare Energien fordert, wieder abzuschaffen. Sie liegen damit quer zum Trend: „Die Wärmepumpe ist mittlerweile die beliebteste Heizung in Deutschland und hat die Gasheizung verdrängt“, sagt Richard Lucht, Vizepräsident des Heizungsbauers thermondo. Warum also eine sinnvolle Entwicklung stoppen?
Veranstaltung
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GEG-Novelle ist laut Koalitionsvertrag geplant
Wir müssen wegkommen von kämpferischen Begriffen hin zu einer rationalen Analyse, wie sich das Gesetz verbessern lässt.“Julia Hellmer, Projektmanagerin Handwerk bei co2online
Diese Erkenntnis scheint in der Regierungskoalition angekommen zu sein. Das GEG wird nicht abgeschafft, sondern soll – laut Koalitionsvertrag – „technologieoffener, flexibler und einfacher“ werden. Es gebe „derzeit sehr kleinteilige und komplexe Regelungen“, kritisiert beispielsweise Andreas Lenz, energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. Er plädiert für eine „pragmatische und möglichst einfache“ Gestaltung des überarbeiteten Heizungsgesetzes. Darüber herrscht Einigkeit, auch über die Politik hinaus. „Es spricht nichts dagegen, jetzt an gewissen Stellen nachzuschärfen“, sagt Julia Hellmer, Projektmanagerin Handwerk bei CO2online. „Wir müssen wegkommen von kämpferischen Begriffen hin zu einer rationalen Analyse, wie sich das Gesetz verbessern lässt.“
Die Frage ist: Wie lange dauert es noch, bis das überarbeitete GEG kommt? In diesem Herbst wird es wohl nichts mehr werden. Bis zum Jahresende will das Wirtschaftsministerium zumindest Eckpunkte für eine Reform vorlegen, sagte die zuständige Abteilungsleiterin Stephanie von Ahlefeldt auf der Deutschen Wärmekonferenz. Für nächstes Jahr steht eine Deadline an: Bis zum 29. Mai 2026 muss Deutschland die Vorgaben der europäischen Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie EBPD umsetzen, mit einem entsprechenden Gebäudeenergiegesetz.
Die EU verschärft das Tempo beim Klimaschutz: Bis 2050 sollen alle Gebäude klimaneutral sein. Derzeit verursacht der Betrieb von Gebäuden in Deutschland etwa 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen – insbesondere wegen der Wärmeversorgung.
Dringend erforderlich: Effizientere Heizsysteme und energetische Sanierung
Die Wärmewende ist essenzieller Bestandteil einer erfolgreichen Energiewende.“Thekla Walker, Umweltministerin von Baden-Württemberg
Wenn Deutschland wie geplant bis 2045 klimaneutral werden will, muss noch viel geschehen. „Die Wärmewende ist essenzieller Bestandteil einer erfolgreichen Energiewende“, sagt Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Grüne). „So schnell wie im Gebäudesektor erzielen wir in keinem anderen Bereich ähnlich starke Effekte für den Klimaschutz.“ Während rund 60 Prozent des Stroms mittlerweile aus erneuerbaren Quellen stammen, liegt der Anteil der erneuerbaren Energien an der Wärmeversorgung bei bescheidenen 20 Prozent.
Für eine Wärmewende müssen energieeffizientere Heizsysteme auf fossilfreie Brennstoffe umgestellt werden. Das gelingt beispielsweise durch den Anschluss an entsprechende Nah- und Fernwärmenetze – oder durch den Einbau von Wärmepumpen. Dazu kommt ein dritter Aspekt, der häufig vernachlässigt wird: Die energetische Sanierung von Gebäuden senkt Heizkosten. Wie schnell sich solche Investitionen amortisieren, hängt davon ab, was wie saniert wird. Manchmal schon nach fünf Jahren, spätestens aber nach anderthalb Jahrzehnten rechnen sich die Sanierungsausgaben. Wahrscheinlich geht es schneller, wie der aktuelle Techem Atlas nahelegt: Seit 2021 sind die Energiepreise um 82 Prozent und die Verbrauchskosten pro Quadratmeter um 40 Prozent gestiegen.
Dämmen für mehr Energieeffizienz im Bestand
„Wenn wir nicht sanieren, verpassen wir das Klimaziel – egal, wie gut wir digitalisieren, wie smart wir neu bauen oder CO2 kompensieren“, sagt Christian Grüner. Er ist Gründer von Varm. Das Startup baut ein auf Dämmung spezialisiertes Franchise-System auf. Die Idee: „Eigenständige Handwerker übernehmen die Aufgaben, die sie am besten können: dämmen“, erklärt Grüner. Alles andere komme von Varm, „vom Kundenkontakt über die Materiallogistik bis hin zu Angebot, Rechnung und Förderhilfen“.
An Potenzial mangelt es nicht. Laut dem Portal Immowelt besitzen 36,8 Prozent der 2024 angebotenen Bestandsimmobilien eine Energieeffizienzklasse schlechter als E. Die Skala reicht von A (sehr effizient) bis G (sehr ineffizient); Klasse D gilt als gerade noch ausreichend. Doch Eigentümerinnen und Eigentümer schrecken vor Sanierungen zurück, weil die Preise für Dämmungen ebenso steigen wie die für neue Fenster und Türen. Dazu kommt die unklare gesetzliche Situation: Wer Immobilien besitzt, kann nicht absehen, welche Vorgaben demnächst gelten werden.
Krise im Heizungsbau aufgrund mangelnder Planungssicherheit
Der Markt hat sich auf das Gebäudeenergiegesetz eingestellt.“Norbert Schiedeck, CEO bei Vaillant
Die mangelnde Planungssicherheit treibt Handwerksbetriebe und Hersteller gleichermaßen um. Die Heizungsbauer haben immense Summen in den Umstieg auf Wärmepumpen investiert. „Der Markt hat sich auf das Gebäudeenergiegesetz eingestellt“, sagt Norbert Schiedeck, CEO beim SHK-Spezialisten Vaillant. Martin Krutz vom Wärmepumpenhersteller Daikin sekundiert: „Bereits die bloße Ankündigung möglicher Änderungen hat zu einer großen Verunsicherung und zu einem erneuten Abwarten bei Investitionen in Heizungsanlagen geführt.“
Tatsächlich steckt der Markt in einer Krise. 2024 sind die Absatzzahlen der Hersteller im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent eingebrochen, im ersten Halbjahr 2025 noch mal um 22 Prozent. „Die aktuelle Entwicklung gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit einer Schlüsselbranche mit rund 84.000 Beschäftigten“, warnt der BDH. Vaillant und die Viessmann-Heizungssparte meldeten Kurzarbeit an, Stiebel Eltron baut über ein Freiwilligenprogramm Mitarbeiter ab.
Wärmepumpe ist bereits Marktführer unter den Heizsystemen
Darstellung: neue energie
Öl und Gas werden wohl nicht für eine Trendwende sorgen können. Laut BDH-Angaben ging die Anzahl der verkauften Gasheizungen im ersten Halbjahr 2025 um 41 Prozent auf 132.500 Stück zurück, der Absatz von Ölheizungen sogar um 81 Prozent auf 10.500 Stück. Bei Wärmepumpen hingegen gab es ein Plus von 55 Prozent auf 139.500 Stück. Die Wärmepumpe ist also bereits Marktführer. „Sie ist die effizienteste Heiztechnologie“, sagt Volker Quaschning, Professor an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft. „Wer eine alte Gasheizung gegen eine Wärmepumpe tauscht, spart zwei Drittel Energie ein.“ Dass diese Erkenntnis nicht überall ankommt, liegt auch an den sozialen Medien. „Viele Fachbetriebe berichten, dass sie in Beratungsgesprächen inzwischen einen erheblichen Teil ihrer Zeit damit verbringen, Falschinformationen richtigzustellen“, sagt CO2online-Expertin Julia Hellmer. Etwa den Mythos, dass die Wärmepumpe für den Altbau oder für ältere Bestandsgebäude gar nicht infrage käme.
„Am Ende wird die Wärmewende im Heizungskeller, auf der Baustelle und im Beratungsgespräch vor Ort entschieden, nicht allein in Berlin“, sagt Hellmer. Gleichwohl kommt die politische Hängepartie um das Heizungsgesetz manchen Immobilienbesitzern durchaus recht. Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr bleibt Städten und Gemeinden für die kommunale Wärmeplanung. Sie alle sind verpflichtet, bis spätestens 2028 einen Wärmeplan zu erarbeiten. Daraus muss hervorgehen, wie die Kommune von fossilen auf erneuerbare Energieträger umsteigen will. Der beliebteste Weg: ein Ausbau des Fernwärmenetzes, das zugleich auf erneuerbare Energien umgestellt wird.
Kürzungen in der Förderung könnten Wärmewende verzögern
Was nicht passieren darf, ist ein Fadenriss in der Förderung.“Richard Lucht, Vizepräsident bei thermondo
Wer auf Fernwärme zurückgreifen kann, braucht keine Wärmepumpe. Und auch keine Gas- oder Ölheizung. Kosten fallen dennoch an: für das Verlegen der Rohre vom Fernwärmenetz zum Gebäude und für die Installation einer Übergabestation, in der die Wärme aus dem Netz aufgenommen und aufbereitet wird. Vorhandene Heizkörper können weiterhin genutzt werden. Umstritten ist, ob Fernwärme tatsächlich billiger ist als Wärmepumpen. Viele Kommunen müssen ihr Fernwärmenetz erst einmal ausbauen, um dem Bedarf gerecht zu werden. Diese Investitionen werden zumindest teilweise an die Kundinnen und Kunden weitergegeben. Umso wichtiger sind Fördermittel, für Fernwärme-Investitionen ebenso wie für den Umstieg auf energieeffiziente Heizungen, um die fälligen Summen aufbringen zu können. Ob die im kommenden Jahr überhaupt noch gezahlt werden, ist unsicher. CSU-Generalsekretär Martin Huber hat bereits deutliche Kürzungen bei der Wärmepumpen-Förderung gefordert. Die Branche befürchtet, dass sich die Wärmewende weiter verzögert, falls die jetzigen Programme auslaufen. „Was nicht passieren darf, ist ein Fadenriss in der Förderung“, sagt thermondo-Manager Lucht. Sonst wird die Wärmewende kalt erwischt.
Als Vermieter eines MFH, BJ 1846 kann mir keiner versichern, ob eine Wärmepumpe die Wärmeversorgung lt. Mietrecht tatsächlich erreicht! Werden die gesetz. geforderten Wärmeleistungen nicht erreicht, bekomme ich die Mietminderungen sofort mitgeteilt. ...Da ist mir die wirtschaftliche Sicherheit bei zentraler Gasheizung berechenbarer, auch wenn das die Klimakatastrophe weiter befördert. Der Gesetzgeber ist hier gefordert; der Staat hat die Situation gesetzl. fixiert. Der Vermieter hat keine Chance zur Veränderung; er ist in erster Linie dem dt. Mietrecht verpflichtet.
25.11.2025 - 11:15 | Knut Kahnt
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Energie sparen leicht gemacht: Styroporplatten steigern die Wärmedämmung.