Strom aus der Sahara: Energie für Deutschland per Seekabel?
Was wie eine Neuauflage des Desertec-Projekts klingt – Strom
aus der Sahara für Europas Energiewende –, könnte diesmal
tatsächlich gelingen. Sila Atlantik will fossilfrei erzeugten Strom
durch ein 4800 Kilometer langes Seekabel aus Marokko nach
Deutschland leiten.
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Photovoltaik-Boom: Marokko will die Produktion von Solarstrom massiv ausbauen. Derzeit beträgt der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix des Landes nur rund 3,5 Prozent.
Foto: Schwartstock, iStock
Bis zu 26 Terawattstunden grünen Strom könnte die Bundesrepublik künftig pro Jahr aus Marokko importieren, transportiert durch Seekabel mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). Das entspräche rund fünf Prozent des deutschen Stromverbrauchs.
Die technische Idee hinter dem ambitionierten Vorhaben des Projektbetreibers Xlinks ist faszinierend. Geplant ist die Kombination von rund 15 Gigawatt (GW) im Süden Marokkos installierter Leistung aus Wind- und Solaranlagen mit modernen Konverterstationen, die den Strom in Gleichspannung umwandeln. Zwei parallele Unterseekabel sollen entlang der Atlantikküste, vorbei an Portugal, Spanien und Frankreich, nach Mitteleuropa führen. Die HGÜ-Leitung ermöglicht geringe Übertragungsverluste – nur drei Prozent pro 1000 Kilometer –, sodass trotz der enormen Distanz noch etwa 85 Prozent des in Marokko erzeugten Stroms in Deutschland ankämen.
Stromerzeugung dort, wo Wind und Sonne nahezu konstant verfügbar sind
Sila Atlantik steht in einer Linie mit den jüngsten HGÜ-Großvorhaben in Europa – etwa Nordlink zwischen Deutschland und Norwegen oder Viking Link zwischen Großbritannien und Dänemark. Der Unterschied: Bei dem Xlinks-Vorhaben würde nicht Strom aus Wasserkraft oder Offshore-Wind, sondern Solar- und Windenergie aus der Wüste importiert. Damit würde sich die Stromerzeugung dorthin verlagern, wo Wind und Sonne nahezu konstant verfügbar sind.
Herausforderungen bei der Netzanbindung
Xlinks-CEO Simon Morrish beziffert den Investitionsbedarf für Sila Atlantik auf 30 bis 40 Milliarden Euro, aber das ist nicht die einzige Hürde. Die Kabeltrassen müssen technisch und regulatorisch abgesichert werden – mit Durchleitungen durch mehrere Hoheitszonen und maritime Schutzgebiete. Hinzu kommt: Die Netzanbindung in Deutschland ist derzeit weder festgelegt noch vollständig genehmigt. Ein Importprojekt dieser Größenordnung greift zudem tief in das europäische Netzdesign ein. Der Netzausbau in Süddeutschland, die Synchronisation von HGÜ-Leitungen mit dem bestehenden Wechselstromnetz sowie mögliche Engpassmanagement-Kosten müssen neu kalkuliert werden.
Ob Sila Atlantik realisiert wird, hängt somit von politischen Vereinbarungen, Finanzierungsmodellen und Abnahmegarantien ab. Für Deutschland könnte das Projekt zum strategischen Puffer in Zeiten volatiler Erzeugung werden – und zum Lehrstück darüber, wie ambitioniert transkontinentale Energiepartnerschaften gedacht werden dürfen.
Dossier: Zukunft SolarWas macht eigentlich... Desertec?Strom aus der Sahara führt die Energiewende in Europa ans Ziel: Das war die Vision von Desertec. Was ist geblieben von dieser visionären Idee?
Abgesehen von den vielen technischen und regulativen Problemen und der auf Jahre noch nicht zur Verfügung stehenden Photovoltaik- und Windleistung ist die Frage, ob die geschätzten Investitionskosten von 30 bis 40 Milliarden € in einem sinnvollen Verhältnis stehen zu einer zusätzlichen Jahresdurchschnittsleistung von 3 GW (= 26 TW/8.760 h), die dem deutschen Stromnetz zur Verfügung stehen würden. Immerhin könnte man für diese Investitionssumme auch zwei der modernsten Kernkraftwerke mit derselben Leistung errichten. Manche Imponderabilien des Sila Atlantik-Projekts würden dabei vermieden.
24.08.2026 - 15:06 | Helmut Becker
„Sila Atlantik“ ist meines Wissens kein eigenständiges Unternehmen im Sinne eines eingetragenen Industrie‑ oder Handelsbetriebs, sondern ein großes Infrastruktur‑ und Energie‑Projekt, das von der Xlinks Germany GmbH vorangetrieben wird. Ziel ist es, in Marokko große Wind‑ und Solarparks zu bauen und den so erzeugten Ökostrom über ein rund 4.800 Kilometer langes Unterseekabel nach Deutschland zu transportieren, um dort etwa 5 Prozent des deutschen Strombedarfs zu decken.
Wer steht hinter Sila Atlantik?
Hinter dem Projekt steht die Xlinks Germany GmbH, eine 2023 gegründete Gesellschaft mit eigener Eigentümerstruktur, die nicht identisch ist mit dem britischen Xlinks‑Konzern.
Unterstützt wird Sila Atlantik von etablierten Energiekonzernen wie Eon, Uniper und Octopus Energy, die das Projekt als Ergänzung zum deutschen Erzeugungsmix und zur Versorgungssicherheit sehen.
Finanzielle Einordnung:
Der Investitionsbedarf für Sila Atlantik wird auf 30 bis 40 Milliarden Euro geschätzt, was ein reines Projekt‑Finanzierungs‑Vorhaben dieser Größenordnung macht.
Konkrete Jahreszahlen zu Bilanzsumme, Gewinn oder Eigenkapital der Xlinks Germany GmbH sind öffentlich nicht verfügbar, da es sich um ein frühes Infrastruktur‑Projekt mit privater Trägerschaft handelt.
Die Initiatoren erwarten, dass das Projekt nur mit staatlicher Absicherung (z. B. Garantien oder langfristigen Abnahmeverträgen) finanzierbar ist, ähnlich wie bei anderen großen HGÜ‑Kabelprojekten.
Kurz gesagt: Sila Atlantik ist ein hochambitioniertes, noch nicht fertig finanziertes Großprojekt mit geschätzten Investitionen von 30–40 Mrd. Euro, das von der Xlinks Germany GmbH mit Unterstützung großer Energiekonzerne vorangetrieben wird – über eine klassische Unternehmensbilanz ist es derzeit kaum einzuordnen.
02.02.2026 - 15:31 | Torsten Roth
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Photovoltaik-Boom: Marokko will die Produktion von Solarstrom massiv ausbauen. Derzeit beträgt der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix des Landes nur rund 3,5 Prozent.