China setzt erneut Maßstäbe: In der Provinz Jiangsu hat vor Kurzem ein gigantischer Energiespeicher den Betrieb aufgenommen. Es ist nach Angaben des Betreibers mit 600 Megawatt Leistung und 2,4 Gigawattstunden Speicherkapazität das bislang weltgrößte Druckluftspeicher-Projekt (Compressed Air Energy Storage, CAES). Und ein wichtiger Baustein für das chinesische Stromsystem, das immer mehr von Wind- und Solarspitzen geprägt wird und deshalb flexible Puffer braucht, um Spannungsschwankungen auszugleichen.
Technisch arbeitet die Anlage wie eine große wiederaufladbare Luftbatterie: Überschüssiger Strom treibt Kompressoren an, die Luft stark verdichten und in unterirdischen Kavernen speichern – in diesem Fall in Salzkavernen, wie sie auch für Erdgaslager genutzt werden. Wenn Strom gebraucht wird, strömt die Luft kontrolliert aus und treibt Turbinen an, die Elektrizität erzeugen.
Wärme wird in geschmolzenem Salz zwischengespeichert
Das Besondere an dem Projekt: Die bei der Verdichtung entstehende Wärme geht nicht verloren, sondern wird in Behältern mit geschmolzenem Salz zwischengespeichert und beim Rückverstromen genutzt. Dadurch kann das System effizienter arbeiten als bisherige CAES-Anlagen, die zur Erwärmung der kalten Expansionsluft fossile Energie einsetzen mussten.
Angaben des Betreibers Harbin Electric zufolge besteht das Kraftwerk aus zwei 300-Megawatt-Blöcken, die inzwischen beide am Netz sind. Die Leistung entspricht der eines gängigen Kohlekraftwerks. Erwartet wird eine Stromproduktion von rund 792 Gigawattstunden pro Jahr, was laut Harbin Electric den Verbrauch von rund 600.000 Haushalten deckt.
China fährt Netze, Speicher und steuerbare Reservekapazitäten parallel hoch
Der Zeitpunkt der Inbetriebnahme passt zur Entwicklung der chinesischen Energiepolitik: Das Land baut derzeit Wind- und Solarstrom in einem Tempo aus, das weltweit einzigartig ist. Nach Daten der chinesischen Nationalen Energiebehörde NEA stieg die installierte Solarleistung bis Ende 2025 auf rund 1,2 Terawatt; Windenergie kletterte auf etwa 0,64 Terawatt. Zusammen machten Wind und Solar damit gut 47 Prozent der chinesischen Kraftwerksleistung aus. Zugleich nehmen Stunden mit hohen Einspeisespitzen zu, während in anderen Phasen – etwa abends oder bei Flaute – schnell regelbare Leistung fehlt. Das ist einer der Gründe, weshalb China Netze, Speicher und steuerbare Reservekapazitäten parallel hochfährt.
Ein von der NEA und der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission NDRC angekündigter Plan sieht vor, bis 2027 neben klassischen Pumpspeicherkraftwerken neuartige Energiespeicher – also vor allem Batterie- und Druckluftspeicher sowie Schwungräder – mit einer Leistung von mehr als 180 Gigawatt zu installieren. Das befeuert einen Boom bei Speichertechnologien, die Energie länger als die bislang meist üblichen Lithium-Ionen-Batterien vorhalten können. Druckluftspeicher sind üblicherweise für Speicherzeiten von vier bis zwölf Stunden ausgelegt.

