Solarparks im Moor

Wie Photovoltaik auf wiedervernässten Moorflächen funktioniert

Moor-Solarparks bieten Flächeneigentümern attraktive Pachteinnahmen und der Energiewende zusätzliche Standorte. Doch die besonderen Bodenverhältnisse und umfangreiche Auflagen machen die Projekte deutlich teurer als klassische Freiflächenanlagen.
18.06.2026 | 3 Min. | 1
Erschienen in: Ausgabe 06/2026
WI Energy hat in Varel, nahe der Nordseeküste, einen Solarpark in einem degradierten Moorgebiet in Betrieb genommen.
WI Energy hat in Varel, nahe der Nordseeküste, einen Solarpark in einem degradierten Moorgebiet in Betrieb genommen.
Foto: WI Energy

Selbst entwässert sind Moore landwirtschaftlich nicht besonders ergiebig. Warum also nicht Photovoltaik (PV) auf diese eher kargen Böden stellen? Das sei durchaus attraktiv für Landwirte, heißt es beim Solarparkentwickler WI Energy. „Durch die Pachtzahlungen können Eigentümer mit einer geregelten Zahlung über einen langen Zeitraum rechnen.“ In Varel hat WI Energy gerade einen Solarpark mit einer Leistung von 38,8 Megawatt-Peak in Betrieb genommen – auf einer Moorfläche.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es handelt sich keineswegs um ein intaktes und damit schützenswertes Moor. Wie 92 Prozent der Moore in Deutschland (siehe Kasten) wurden die Flächen entwässert und landwirtschaftlich genutzt. Das ändert sich mit den 84.000 Solarmodulen: Zwar weiden noch immer Schafe auf den 40 Hektar, aber nun wird sie schrittweise wiedervernässt. 

Seit 2023 fördert der Bund über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) neue Solaranlagen auf trockengelegten Moorflächen – wenn diese dabei dauerhaft wiedervernässt werden. Um das in Varel zu erreichen, wird die Entwässerung gestoppt. Der Wasserstand wird über einen Pumpenschacht reguliert: Damit der Solarpark die EEG-Vorgaben für Moor-PV erfüllt, muss der Wasserstand im Sommer 30 Zentimeter und im Winter 10 Zentimeter unter Flur gehalten werden. 

Projektentwickler kritisieren hohe Bürokratie

Es sind solche bürokratischen Vorgaben, die Thies Jensen ärgern. „Der Gesetzgeber macht Moor-PV deutlich schwieriger als nötig“, sagt Thies Jensen, Teamleiter von Wattmanufaktur. „Die hohen bürokratischen Vorgaben und die einzuhaltenden Zielwasserstände führen zu einem hohen Investitionsrisiko.“ Der Solarparkentwickler Wattmanufactur hat den ersten deutschen Moor-Solarpark im schleswig-holsteinischen Lottorf geplant und gebaut und kennt die Schwierigkeiten. Größte Hürde: „die Wirtschaftlichkeit.“ Der Lottorfer Solarpark mit seiner Leistung von 17 Megawatt-Peak hat rund 15 Prozent mehr gekostet als Photovoltaik auf normalen landwirtschaftlichen Flächen. 

Dafür gibt es Gründe. Um die Solarmodule fest zu verankern, muss die in Teilen zwei Meter dicke Torfschicht durchbohrt werden, bis mineralischer Boden erreicht wird. In Lottorf sind die Rammpfosten statt anderthalb Meter häufig mehr als drei Meter lang. „Der Stahl musste aufgrund des sauren Bodens extra versiegelt werden“, sagt Jensen. Außerdem mussten Kettenfahrzeuge für den Transport genutzt werden, „sonst sinkt man ein“. In Varel macht WI Energy ähnliche Erfahrungen. Die Gründungen sind dort aufgrund des Torfs sogar bis zu 4,80 Meter tief. Auch hier erfordert der saure Boden (pH-Wert 4,2) speziell beschichteten Stahl.

Wissenschaftler suchen nach wirtschaftlichen Konzepten

Ideal wären Unterkonstruktionen aus Holz, etwa Robinie.“ Agnes Katharina Wilke, Fraunhofer ISE in Freiburg

„Technisch gibt es immer Lösungen“, sagt Agnes Katharina Wilke, Expertin für Moor-Photovoltaik beim Fraunhofer ISE in Freiburg. Wichtiger sei die Frage, ob Moor-PV auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Genau das will das Projekt MoorPower herausfinden. Es untersucht beispielsweise, welche Materialien zum Einsatz kommen, wie gut sie die Anlage schützen und wie sie mit dem sauren oder basischen Moorboden interagieren. Besonderes Augenmerk legt Projektleiterin Wilke auf die langfristige Tragfähigkeit der Verankerungen. „Ideal wären Unterkonstruktionen aus Holz, etwa Robinie“, sagt Wilke: „Das könnte beim Rückbau im Boden gelassen werden, wirft aber auch viele Fragen der Degradation auf.“

Damit spricht die ISE-Expertin ein spezielles Problem von Moor-PV an: die Folgen der Wiedervernässung. Wie bei nassen Böden für Wartung und Pflege an die Anlage herankommen? Wie sollen Module ersetzt, wie die Verankerung stabilisiert werden? Wie verhindern, dass die Natur die Module überwuchert? Der Tipp von Agnes Katharina Wilke: von vornherein längerfristig denken und sich fragen: „Was soll in 20 oder 30 Jahren mit der Anlage und der Fläche passieren?“ Dann ist das Moor tatsächlich wieder Moor, also ausgesprochen nass.

Technische Lösungen für Moor-PV
  • Stahlunterkonstruktion mit Magnelisbeschichtung gegen Korrosion
  • Tiefgründung unterhalb der Torfschicht für Stabilität
  • Oberirdische Kabelverlegung zur Vermeidung von Feuchtigkeitsschäden
  • Einsatz von Kettenfahrzeugen zur Bodenschonung

Passende Termine

Kommentare (1)

Der Boden eines Torfkörpers bekommt Hunderte von Löchern, wenn die Gründung von PV-Modulen bis in den mineralischen Untergrund eines Moores erfolgt, wie es in Lottorf hier im Kreis Schleswig der Fall ist. Eine mögliche Stauschicht, die die Bildung des Moores vor Jahrtausenden überhaupt erst ermöglichte, wird beim Ziehen der Pfosten komplett perforiert. Dieser eigentlich offensichtliche Aspekt scheint bislang nicht bedacht zu werden. Moor-PV müsste "schwimmend" auf modularen Elementen erfolgen, die auf dem Torfkörper liegen und auch Quellungen des Bodens im Zuge der Wiedervernässung tolerieren. Eine zerstörte Stauschicht unter einem Moor macht jede Vernässung hinfällig und erweist dem Klimaschutz einen Bärendienst.

25.06.2026 - 12:41 | Rainer Borcherding

Kommentar verfassen

Kommentare werden vor der Freischaltung zunächst gesichtet. Das kann unter Umständen etwas Zeit in Anspruch nehmen.

*Pflichtfelder

Bitte berücksichtigen Sie vor dem Kommentieren unsere Community-Richtlinien und unsere Datenschutzerklärung.


Captcha Image
=
WI Energy hat in Varel, nahe der Nordseeküste, einen Solarpark in einem degradierten Moorgebiet in Betrieb genommen.
Foto: WI Energy