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Wärmewende

Serielles Sanieren als Schlüssel für die Wärmewende

Energetische Sanierungen sind so sinnvoll wie teuer. Serielles Sanieren nach dem Baukastenprinzip erlaubt schnellere und effizientere Arbeiten bei hoher Qualität – und kann sogar die Kosten senken.
Von:  Christiane Nönnig und Michael Prellberg
24.11.2025 | 3 Min.
Erschienen in: Ausgabe 11/2025
Serielles Sanieren: Dieses Mehrfamilienhaus in Köln-Zollstock hat den ambitionierten Effzienzhausstandard 40 EE erreicht und wurde als Passivhaus plus zertifiziert.
Serielles Sanieren: Dieses Mehrfamilienhaus in Köln-Zollstock hat den ambitionierten Effzienzhausstandard 40 EE erreicht und wurde als Passivhaus plus zertifiziert.
Foto: dena, Claudius Pflug

Baustellen bleiben oft länger Baustellen als geplant. Weil Material fehlt oder das Falsche geliefert wurde. Oder wenn jemand krank wird. Gründe gibt es viele, das Resultat ist immer dasselbe: Wenn energetische Sanierungen sich verzögern, kostet das Geld und Nerven.

Das geht besser. Serielles Sanieren setzt auf standardisierte Prozesse und einen hohen Vorfertigungsgrad. Das macht die Arbeiten deutlich schneller und einfacher. Einzelne Module werden standardisiert vorproduziert. Zusammengesetzt werden sie erst auf der Baustelle. „Wenn komplette Wände in der Halle vorgefertigt werden, sichert das hohe Qualitätsstandards“, sagt Peter-M. Friemert, Geschäftsführer bei der Planungs- und Beratungsgesellschaft Zebau. Schlechtes Wetter ist kein wichtiger Faktor mehr: Die Bauzeiten halbieren sich. Mindestens. Während klassisch rund 90 Prozent der Fertigung manuell und kleinteilig auf der Baustelle erfolgen, verlagert die serielle Sanierung bis zu 70 Prozent der Arbeiten vorab ins Werk.

Wärmewende kommt bislang kaum voran

Auf 67 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente sollen die Emissionen aus dem Gebäudesektor bis 2030 sinken, so will es die Bundesregierung. Stand 2024 lag der Wert bei 100,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Damit trägt der Gebäudesektor laut Umweltbundesamt weiterhin mit 30 Prozent zu den CO₂-Emissionen bei. Hauptgrund für den schleppenden Fortschritt: die ebenso schleppende Sanierungsrate bei Bestandsbauten.

„Serielles Sanieren kann zur Schlüsseltechnologie für die Wärmewende im Bestand werden“, sagt Uwe Bigalke, Leiter des Kompetenzzentrums Serielles Sanieren bei der Deutschen Energie Agentur (Dena). Das wäre hilfreich, denn bislang kommt die Wärmewende kaum voran. Um Deutschland bei Gebäuden klimaneutral zu machen, „müssen wir deutlich schneller werden“, sagt Bigalke. Die Aufgabe ist anspruchsvoll: Baukosten sind hoch, zudem ist die Branche stark vom Fachkräftemangel betroffen. „Eine Lösung“, sagt er, „kann das serielle Bauen nach dem Baukastenprinzip sein.“

3D-Scans für passgenaue Fertigung

Beim seriellen Sanieren wird mittels 3D-Scan ein digitaler Zwilling des Gebäudes angefertigt. Auf Basis dieser Daten lassen sich die Fassadenmodule inklusive Fenster, Wärmedämmung und technischer Bauteile passgenau herstellen. Dazu gehört auch ein Energiemodul, das die Haus- und Heiztechnik enthält. Wer ein Solardach will: Auch dafür gibt es Module. Je genauer das digitale Aufmaß, desto passgenauer auch die Komponenten. „Dann geht es auf der Baustelle schwuppdiwupp“, sagt Zebau-Chef Friemert.

Im Fokus beim seriellen Sanieren stehen bessere Dämmungen. Ausgetauscht werden vor allem Wände samt Fenstern und Türen. „Die entscheidende Frage lautet: Gibt es das Objekt her, dass wir ein Fassadenelement davorsetzen?“, so Friemert. Die dämmende Platte muss an der vorhandenen Fassade befestigt werden. Um für eine serielle Sanierung geeignet zu sein, müssen die Gebäude weitere Voraussetzungen erfüllen. So muss der Baukörper eine einfache Kubatur haben, sprich: quaderförmig ohne Gauben oder Erker. Und um das Haus herum muss genügend Platz für die Zufahrt und Baustelleneinrichtung sein. Nur wenn das gegeben ist, wird die serielle Sanierung machbar.

30 Prozent aller Mehrfamilienhäuser kommen infrage

Insgesamt 113 serielle Sanierungsprojekte, sowohl Wohn- als auch Geschäfts- und andere Gebäude, wurden bislang in Deutschland fertiggestellt, 46 sind im Bau, rund 230 weitere mit mehr als 17 000 Wohneinheiten befinden sich in unterschiedlichen Planungs- und Vorbereitungsphasen. „Mit der wachsenden Nachfrage investieren Bauunternehmen verstärkt in die Weiterentwicklung der Lösungen“, sagt Christian Stolte, Bereichsleiter Klimaneutrale Gebäude bei Dena.

Serielles Sanieren lohnt sich nur, wenn mehrere Gebäude weitgehend baugleich sind und identische Module verwendet werden können. Das trifft insbesondere für Mehrfamilienhäuser zu, allerdings eignen sich auch viele Siedlungen mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Laut Dena-Analysen kommen deutschlandweit rund 30 Prozent aller Mehrfamilienhäuser infrage. Insbesondere „der große Bestand an Siedlungen aus den 1950er bis 1970er Jahren eignet sich sehr gut für die serielle Sanierung“, sagt Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW).

Deutschland noch Nachzügler, aber mit steiler Lernkurve

Gleichwohl ist Deutschland im internationalen Vergleich, vor allem zum Vorreiter Niederlande, eher ein Nachzügler. Die Zurückhaltung hat einen Grund: die Kosten. Doch das könnte sich rasch ändern. „Wir erwarten, dass Skalierungseffekte zu deutlichen Kostensenkungen führen“, sagt Esser. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren einen deutlichen Markthochlauf des seriellen Sanierens erleben werden.“

Was auch daran liegen dürfte, dass beim seriellen Sanieren weniger Gewerke zu koordinieren sind, zudem werden weniger Fachkräfte benötigt. Und daran, „dass die Lernkurve steil ist und bereits beim zweiten Gebäude sichtbar“, sagt Zebau-Geschäftsführer Friemert. „Dem seriellen Sanieren gehört daher die Zukunft!“

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