Baustellen bleiben oft länger Baustellen als geplant. Weil Material fehlt oder das Falsche geliefert wurde. Oder wenn jemand krank wird. Gründe gibt es viele, das Resultat ist immer dasselbe: Wenn energetische Sanierungen sich verzögern, kostet das Geld und Nerven.
Auf 67 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente sollen die Emissionen aus dem Gebäudesektor bis 2030 sinken, so will es die Bundesregierung. Stand 2024 lag der Wert bei 100,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Damit trägt der Gebäudesektor laut Umweltbundesamt weiterhin mit 30 Prozent zu den CO₂-Emissionen bei. Hauptgrund für den schleppenden Fortschritt: die ebenso schleppende Sanierungsrate bei Bestandsbauten.
3D-Scans für passgenaue Fertigung
Beim seriellen Sanieren wird mittels 3D-Scan ein digitaler Zwilling des Gebäudes angefertigt. Auf Basis dieser Daten lassen sich die Fassadenmodule inklusive Fenster, Wärmedämmung und technischer Bauteile passgenau herstellen. Dazu gehört auch ein Energiemodul, das die Haus- und Heiztechnik enthält. Wer ein Solardach will: Auch dafür gibt es Module. Je genauer das digitale Aufmaß, desto passgenauer auch die Komponenten. „Dann geht es auf der Baustelle schwuppdiwupp“, sagt Zebau-Chef Friemert.
Im Fokus beim seriellen Sanieren stehen bessere Dämmungen. Ausgetauscht werden vor allem Wände samt Fenstern und Türen. „Die entscheidende Frage lautet: Gibt es das Objekt her, dass wir ein Fassadenelement davorsetzen?“, so Friemert. Die dämmende Platte muss an der vorhandenen Fassade befestigt werden. Um für eine serielle Sanierung geeignet zu sein, müssen die Gebäude weitere Voraussetzungen erfüllen. So muss der Baukörper eine einfache Kubatur haben, sprich: quaderförmig ohne Gauben oder Erker. Und um das Haus herum muss genügend Platz für die Zufahrt und Baustelleneinrichtung sein. Nur wenn das gegeben ist, wird die serielle Sanierung machbar.
30 Prozent aller Mehrfamilienhäuser kommen infrage
Serielles Sanieren lohnt sich nur, wenn mehrere Gebäude weitgehend baugleich sind und identische Module verwendet werden können. Das trifft insbesondere für Mehrfamilienhäuser zu, allerdings eignen sich auch viele Siedlungen mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Laut Dena-Analysen kommen deutschlandweit rund 30 Prozent aller Mehrfamilienhäuser infrage. Insbesondere „der große Bestand an Siedlungen aus den 1950er bis 1970er Jahren eignet sich sehr gut für die serielle Sanierung“, sagt Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW).
Deutschland noch Nachzügler, aber mit steiler Lernkurve
Gleichwohl ist Deutschland im internationalen Vergleich, vor allem zum Vorreiter Niederlande, eher ein Nachzügler. Die Zurückhaltung hat einen Grund: die Kosten. Doch das könnte sich rasch ändern. „Wir erwarten, dass Skalierungseffekte zu deutlichen Kostensenkungen führen“, sagt Esser. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren einen deutlichen Markthochlauf des seriellen Sanierens erleben werden.“
Was auch daran liegen dürfte, dass beim seriellen Sanieren weniger Gewerke zu koordinieren sind, zudem werden weniger Fachkräfte benötigt. Und daran, „dass die Lernkurve steil ist und bereits beim zweiten Gebäude sichtbar“, sagt Zebau-Geschäftsführer Friemert. „Dem seriellen Sanieren gehört daher die Zukunft!“


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