Am Solarturmkraftwerk in Jülich steuert ein intelligenter Agent Tausende Spiegel, sogenannte Heliostaten, sodass sie die Sonnenstrahlen optimal auf den Turm bündeln. In Echtzeit wird der Betrieb automatisch an wechselnde Wetterbedingungen angepasst. „Anhand von Wettervorhersagen, aktueller Wetterlage, Zustand der Anlage und benötigter Leistung wird geplant, wann man sie hoch- und runterfährt und wie die Heliostaten ausgerichtet werden, um einen bestimmten Temperaturbereich zu halten“, beschreibt Projektleiterin Inga Miadowicz vom DLR-Institut für Solarforschung.
Solarthermische Kraftwerke konzentrieren Sonnenstrahlung mit Spiegeln, sogenannten Heliostaten, auf eine kleine Fläche an einem Solarturm. Dort können Temperaturen von bis zu 1000 Grad Celsius entstehen. Mit diesen hohen Temperaturen wird ein Wärmeträger-Medium erhitzt. Die Wärme kann dann für industrielle Prozesse oder zur Stromerzeugung genutzt werden. Alternativ lässt sie sich speichern, um Wärme in Zeiten ohne Sonne – zum Beispiel nachts – bereitzustellen. Der autonome, KI-gesteuerte Betrieb solcher Anlagen hat das Potenzial, sie effizienter, zuverlässiger und wirtschaftlicher zu machen.
Digitaler Zwilling ermöglicht Automatisierung
Voraussetzung für den autonomen Betrieb ist ein digitaler Zwilling der gesamten Anlage, der alle Komponenten, Abläufe und Wetterabhängigkeiten digital nachbildet. „Nur so lassen sich die Potenziale des automatisierten Betriebs umfassend nutzen“, sagt Miadowicz. Im Herbst 2025 lief der Solarturm erstmals 30 Stunden lang vollständig autonom.