2015 war für die Onshore-Windenergie in Deutschland das bisher zweitstärkste Jahr, 1115 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 3535,8 Megawatt (MW) wurden netto zugebaut. Besser war nur das Rekordjahr 2014 mit einem Zubau von 4385,9 MW. Damit sei der Wert zwar um 19 Prozent gesunken, bleibe aber noch auf hohem Niveau, erklärten der Bundesverband WindEnergie (BWE) und der Industrieverband VDMA Power Systems.
In den kommenden Jahren sehe sich die Branche jedoch einer ungewissen Zukunft gegenüber. Grund sei die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), mit der die Bundesregierung 2016 unter anderem das Fördersystem auf Ausschreibungen ausrichten will. Aktuell plant das Wirtschaftsministerium mit einem Mindestausbau von 2000 MW brutto, also ohne den Abbau bestehender Anlagen im Rahmen des RepoweringAustausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort.Austausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort. zu verrechnen. „Das wäre nahezu eine Halbierung des deutschen Marktes“, sagte BWE-Präsident Hermann Albers. „Unsere Branche verunsichert das zurzeit sehr.“
Ähnlich äußerte sich Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems. Auf Basis der letzten EEG-Novelle 2014 sei die Windkraftindustrie von einem Brutto-Zubau um 4100 Megawatt jährlich ausgegangen. Für ihre Weiterentwicklung sei zum einen ein ausreichend großer Heimatmarkt erforderlich, zum anderen Kontinuität. „Man muss sich einmal klarmachen: Wir haben jetzt Anfang 2016 und reden fast schon historisch über das EEG 2014“, so Zelinger. Für 2016 rechnen die beiden Verbände nach derzeitigem Stand mit einem erneuten Rückgang des Zubaus auf dann etwa 3000 MW netto.
NRW und Baden-Württemberg holen auf
Die aktuellen Zahlen erhoben hat in ihrem Auftrag die Beratungsgesellschaft Deutsche WindGuard. Der Analyse zufolge lag die gesamte Windenergieleistung in Deutschland Ende 2015 bei knapp 41.652 MW, erzeugt durch 25.980 Windräder. Rechnerisch seien mit den produzierten 78 Terrawattstunden Strom 20 Millionen Haushalte versorgt worden, was zwölf Prozent des Bruttostromverbrauchs der Bundesrepublik abdecke.
Auf Ebene der Bundesländer hat sich laut der Studie der Zubau insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg positiv entwickelt. NRW überholte knapp Niedersachsen und rückte auf Rang zwei bei der neu installierten Leistung. Mit deutlichem Abstand vorne bleibt Schleswig-Holstein, wo fast ein Viertel der Gesamtleistung zugebaut wurde. Allerdings ging der Anteil des nördlichsten Bundeslands im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück, zudem wurden dort laut Anlagenregister der Bundesnetzagentur seit Mitte 2015 kaum noch Anlagen genehmigt, nachdem die Landesregierung ein Moratorium verhängt hatte.
In Bayern fiel der Rückgang trotz der verschärften Abstandsvorgaben durch die sogenannte „10H-Regel“, die nur im Freistaat gilt, bislang moderat aus. Derzeit werde noch auf der Basis alter Genehmigungen gebaut, erklärte Albers, aber: „Die derzeitige Situation in Bayern ist, dass man sich aus der Energiewende verabschiedet hat.“

