Wenn die Zentrale eines Solarpark-Betreibers morgens plötzlich eine Meldung über Totalausfall erhält, ist die Photovoltaikanlage womöglich nicht defekt, sondern weg. Immer mehr organisierte Diebesbanden entdecken das Stehlen von Solarstromanlagen als lukratives Geschäft für sich. Weit über eine Million Sonnenkraftwerke speisen in Deutschland Strom in das Netz ein – und werden kaum gesichert oder bewacht. Und so schneiden die Diebe die Zäune um Freiflächenanlagen ein und klauen hunderte Solarmodule. Auch Dachanlagen werden inzwischen immer begehrter, sofern sie ungesehen abmontiert werden können.
Das Problem „Solarkriminalität“ ist seit einigen Jahren bekannt, hat inzwischen allerdings bedenkliche Ausmaße angenommen. Eine aktuelle Umfrage der Süddeutschen Zeitung unter den zuständigen Landeskriminalämtern hat ergeben, dass in den Jahren von 2011 bis Ende 2014 bundesweit insgesamt mehr als 1880 Diebstähle von Modulen oder Zubehör mit einem Gesamtschaden von mindestens 15 Millionen Euro registriert wurden.
Ohne Zeugen ist die Polizei oft machtlos
Besonders stark betroffen sind große Solarparks in abgelegenen Regionen. Die Diebe montieren die Module – und manchmal auch Zubehör wie Wechselrichter – fachmännisch ab und verschwinden häufig ungesehen. Gibt es keine Zeugen, ist es für die Polizeistellen sehr schwierig, die Täter zu ermitteln. Im Juni 2015 veröffentlichte beispielsweise das Polizeipräsidium Mittelfranken eine Meldung, wonach Unbekannte 30 Module eines Solarfelds in Leuterhausen entwenden wollten – und offenbar dabei gestört wurden. Zurück blieben ein beschädigter Außenzaum und in diesem Fall auch die intakten Anlagen samt Modulen. So viel Glück haben viele andere Solarpark-Betreiber nicht. Der Schaden eines einzelnen Überfalls summiert sich schnell auf eine höhere fünfstellige Summe.
Inzwischen gibt es online sogar eine Photovoltaik-Diebstahldatenbank mit Register für gestohlene Solarprodukte. Betreiber, Versicherungen oder Investoren können ihre entwendeten Solaranlagen dort kostenlos eintragen – mit genauem Ort und Datum der Tatzeit sowie detaillierten Angaben zum Produkt. Taucht ein geklautes Teil wieder auf, beispielsweise in Polen oder Russland, kann es über das Online-Register schneller seinem Besitzer zugeordnet werden, so die Hoffnung. Auch Kennzeichnungen spielen eine immer größere Rolle. Manche Betreiber großer Solarparks sind dazu übergegangen, ihre verbauten Produkte mit Seriennummern zu versehen, die sich eindeutig zuordnen lassen und nicht entfernbar sind. Auch so soll ein entwendetes Anlagenteil zumindest besser wiedergefunden werden können.
Rebecca Raspe – energiezukunft.eu

