Wind im Forst

Pachtdeckel für Windräder: Was der Wald davon hat

Fichten- und Kiefernmonokulturen bringen viele Waldbesitzer in Schwierigkeiten. Windräder zwischen den Bäumen sollen Abhilfe schaffen, doch die Bundesregierung will die Pachten nun deckeln.
20.10.2026 | 2 Min.
Ausgleich: Die Pachtzahlungen helfen, den nachhaltigen Waldumbau zu finanzieren.
Ausgleich: Die Pachtzahlungen helfen, den nachhaltigen Waldumbau zu finanzieren.
Foto: UKA

Der deutsche Wald hat es schwer. Waldbesitzer, die bisher auf Monokulturen von Fichten und Kiefern gesetzt haben, müssen ihr Geschäftsmodell überdenken. Viele denken daran, Windräder zwischen den Bäumen zu errichten. „Die Pachtzahlungen helfen, den Waldumbau zu finanzieren“, sagt Leonhard Rösel, Landwirt und Waldbesitzer im bayerischen Neukirchen. „Besonders kleinere Waldbesitzer, die durch Schadholz und niedrige Preise gebeutelt sind, bekommen so eine Perspektive.“ Das bestätigt Carl Anton Fürst zu Waldeck und Pyrmont: „Jede Möglichkeit der Diversifizierung ist für die Betriebe sehr viel wert.“ Die Pacht für die Windrad-Grundstücke gebe zudem Planungssicherheit, etwa für die Wiederbewaldung. Über seinen Wäldern nahe dem nordhessischen Bad Arolsen drehen sich seit 2024 fünf Vestas-V150-Windräder.

Windenergie: Pachten von bis zu 400.000 Euro pro Jahr und Windrad möglich

Wie viel Pacht er dafür bekommt, ist nicht bekannt. Was hingegen bekannt ist: Die Preise für Pachtflächen in deutschen Forsten sind explodiert. Eine jährliche Pacht zwischen 50.000 und 150.000 Euro pro Jahr sind keineswegs mehr ungewöhnlich. An windreichen Top-Standorten oder bei Anlagen der Fünf- bis Sechs-Megawatt-Klasse werden in der Spitze sogar bis zu 400.000 Euro pro Jahr und Windrad gezahlt.

Das findet die Bundesregierung allzu üppig. Sie will einen Pachtdeckel einführen, um die Gesamtkosten von Windprojekten zu senken. Nutzungsentgelte sollen laut Entwurf der EEG-Novelle insgesamt höchstens 2,5 bis 3,5 Prozent des jährlichen erzielbaren Stromertrags betragen, multipliziert mit dem anzulegenden Wert. Dabei umfasst diese Obergrenze, die 20 Jahre lang gelten soll, alle Entgelte im Umkreis von 2500 Metern um die Turmmitte.

„Die Pachten sinken bundesweit“

Der Pachtdeckel gefährdet die Energiewende und sendet ein völlig falsches Signal.“ Andreas Bitter, Verband AGDW – Die Waldeigentümer
„Mit dem geplanten Pachtdeckel will die Bundesregierung unverständlicherweise Preise regulieren, obwohl der Markt nachweislich gut funktioniert“, kritisiert Andreas Bitter, Präsident des Verbands AGDW – Die Waldeigentümer. „Das gefährdet die Energiewende und sendet ein völlig falsches Signal.“ Auch der BEE (Bundesverband Erneuerbare Energie) betrachtet das Gesetzesvorhaben mit Skepsis: „In der Praxis drohen erhebliche finanzielle Risiken bereits in der Projektentwicklungsphase.“

Der Bundesverband WindEnergie (BWE) findet den Gesetzesvorschlag nachvollziehbar, aber überflüssig: „Seit der durchgehenden Überzeichnung der Ausschreibungen der Windenergie an Land sinken die Pachten bundesweit.“ Viele Pachtverträge würden derzeit nachverhandelt – nach unten. Der Markt funktioniere und brauche keine Gesetze, die nur unnötigen Aufwand an Bürokratie mit sich brächten. „Der verfolgte Zweck einer Reduktion der EEG-Förderkosten wird verfehlt“, summiert der BWE, „eine praktische Umsetzbarkeit ist ausgeschlossen.“ Den Gesetzgeber scheint die Kritik nicht aufzuhalten. Bundestag und Bundesrat beraten aktuell den Entwurf der EEG-Novelle, um das Gesetz möglichst noch vor dem Jahresende zu verabschieden.

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