Die Energiewende bringt nicht nur neue Solarmodule aufs Dach – sie holt auch immer mehr alte von dort herunter. Bislang wurden nicht mehr genutzte Module meist geschreddert; wertvolle Rohstoffe, vor allem Glas und Silizium, ließen sich nur unvollständig zurückgewinnen. Das Magdeburger Startup Solar Materials macht Schluss damit. Gerade hat das Unternehmen die erste industrielle Recyclinglinie Deutschlands in Betrieb genommen, die ausgediente Photovoltaik-Module stofflich verwertet.
Zugleich setzte die Rückbauwelle ein: Viele Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2000 errichtet wurden, erreichen jetzt oder demnächst das Ende ihrer Lebensdauer; Module halten üblicherweise 20 bis 30 Jahre. Laut Prognosen der International Renewable Energy Agency könnten bis 2030 weltweit rund acht Millionen Tonnen ausgedienter Solarmodule anfallen – bis 2050 sogar 78 Millionen Tonnen.
Vorgeschriebene Recyclingquote liegt bei 80 Prozent
Für Deutschland erwartet das Öko-Institut einen jährlichen Rücklauf von rund 400 000 Tonnen PV-Modulen bis 2030. Gemäß EU-Recht und deutschem Elektro- und Elektronikgerätegesetz sind Hersteller verpflichtet, alte Module kostenfrei zurückzunehmen. Die vorgeschriebene Recyclingquote liegt bei 80 Prozent, doch bisherige Verfahren gelten als ineffizient. Große Mengen wertvoller Rohstoffe gehen dabei verloren. Anbieter wie PV Cycle, Take-E-Way oder PVEX organisieren zwar Rücknahmen, meist werden die Module aber nur geschreddert.
Solar Materials geht einen anderen Weg: Statt Module in einem einzigen Schritt zu zerkleinern, zerlegt ein robotergestütztes System sie in mehreren Etappen – rein mechanisch, ohne Chemikalien. Aluminiumrahmen, Kupferdrähte, Kunststoffe, Glas, die silizium- und silberhaltigen Zellschichten – alles soll sich am Ende getrennt und möglichst hochwertig wiederverwerten lassen. Laut Unternehmensangaben spart das Verfahren bis zu 95 Prozent Energie im Vergleich zur Primärproduktion. Der CO2-Fußabdruck sei um bis zu 80 Prozent geringer.
Umfangreiche Moduldatenbank unterstützt PV-Recycling
Besonderes Augenmerk liegt auf dem Glas. Module bestehen zu zwei Dritteln daraus. Bei der bislang üblichen Schreddermethode lässt es sich kaum von Rückständen befreien – häufig bleibt nur die Nutzung als Schaumglas. Solar Materials will dagegen hochreines Glas liefern, das erneut für die Modulproduktion genutzt werden kann.
Technische Unterstützung bekommen die Magdeburger dabei vom Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik (CSP) in Halle, das eine Moduldatenbank aufgebaut hat. Sie enthält Angaben zu Glasdicken, Silbergehalten und Schadstoffen aller gängigen Solarmodule seit 2007. Per Barcode-Ablesung erkennt die Anlage von Solar Materials, was auf dem Förderband liegt – und passt ihre Prozesse automatisch an.
Inzwischen befassen sich auch Marktgrößen wie Trina Solar mit dem Thema. Der chinesische Konzern mit Sitz in Changzhou zählt zu den weltweit größten Modullieferanten – und stellte im vergangenen Jahr erstmals Paneele vollständig aus recycelten Bestandteilen her. China dominiert inzwischen mehr als 90 Prozent des globalen Solarmarkts. Europa dagegen punktet mit Forschung, hoher Qualität – und jetzt auch mit smarter Recyclingtechnik aus Magdeburg.


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