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Wärmewende

Großwärmepumpen: Wärme aus Wasser für klimafreundliches Heizen

Großwärmepumpen nutzen die Energie aus Meer-, Fluss- und Abwasser, um ganze Städte zu heizen – sauber, effizient und klimafreundlich. Von Esbjerg bis Köln zeigt sich: Die Technik erleichtert den Abschied von fossilen Energien.
Von:  Jan Oliver Löfken
11.11.2025 | 3 Min. | 2
Erschienen in: Ausgabe 11/2025
Wärmepumpe im XXL-Format: Die Meerwasserwärmepumpe in der dänischen Hafenstadt Esbjerg.
Wärmepumpe im XXL-Format: Die Meerwasserwärmepumpe in der dänischen Hafenstadt Esbjerg.
Foto: Sebastian Vollmert, MAN Energy Solutions

An der dänischen Nordseeküste steht die derzeit größte Meerwasserwärmepumpe der Welt. Durch meterdicke Rohre werden dort pro Sekunde 4000 Liter Meerwasser in einen schwarzen Kasten im Esbjerger Hafen gepumpt. Mit 60 bis 70 Megawatt (MW) Heizleistung versorgt die Pumpe 25 000 Haushalte über ein Fernwärmenetz mit 90 Grad Celsius heißem Wasser.

Das Arbeitsprinzip der von MAN Energy Solutions gebauten Anlage ist simpel, aber wirkungsvoll: Zunächst kühlt sie das eingepumpte Wasser um zwei bis drei Grad ab, bevor es wieder in die Nordsee zurückfließt. Die kleine Temperaturdifferenz genügt, um im Inneren der Anlage flüssiges Kohlendioxid verdampfen zu lassen. Wird das Gas daraufhin mit Kompressionspumpen verdichtet, heizt es sich stark auf. Die entstehende Wärme lässt sich über einen Wärmetauscher auf Wasser übertragen, das – 90 Grad warm – ins Wärmenetz eingespeist wird. Derweil gelangt das CO2, in einem Kondensator wieder verflüssigt, über ein Expansionsventil zurück zum Anfang des geschlossenen Kreislaufs. So lassen sich aus jeder Kilowattstunde Strom für den Betrieb der Wärmepumpe 2,8 Kilowattstunden Wärme gewinnen – also fast die dreifache Energiemenge.

„Die Wärmepumpe in Esbjerg zählt zu den größten Anlagen ihrer Art“, sagt Fabian Ahrendts von der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG. Mit seinem Team verfolgt er die Entwicklungen von Großwärmepumpen und analysiert die physikalisch möglichen und wirtschaftlich sinnvollen Einsatzfelder vom Fernwärmenetz bis zu Industrieprozessen bei Temperaturen weit oberhalb von 90 Grad. Trotz des immer gleichen Prinzips des Wärmepumpenkreislaufs gibt es mittlerweile zahlreiche Varianten. Je nach Leistung, Temperaturbereich und genutzter Wärmequelle kommen neben Kohlendioxid auch andere Kältemittel wie Ammoniak oder Butangas zum Einsatz. Und für die Kompression des Gases dienen mal Schrauben-, mal Kolben- und mal Turboverdichter.

Köln will mit Wasser aus dem Rhein heizen

So variantenreich die Technik der Großwärmepumpen, so vielfältig sind die Projekte. „Kommunen zeigen sich immer neugieriger und stoßen in ihrer Wärmeplanung auf das große Potenzial dieser Anlagen“, sagt Ahrendts. Wie beispielsweise Köln. Dort plant der Energieversorger Rhein Energie im Stadtteil Niehl eine Großwärmepumpe mit 150 MW Leistung – genug zum Heizen von 50 000 Haushalten. Als Wärmequelle dient das Wasser des Rheins, um ab Ende 2027 bis zu 110 Grad heißes Wasser ins Fernwärmenetz einzuspeisen.

Auch die Hamburger Energiewerke wollen in wenigen Jahren Flusswärme aus der Elbe für eine 200-MW-Wärmepumpe nutzen. Und in Mannheim liefert eine 20-MW-Pumpe bereits seit zwei Jahren genug Wärme für 3500 Haushalte. Dort soll die Wärme des Rheins ab Ende 2028 sogar mit einer zweiten, mit 150 MW deutlich größeren Wärmepumpe genutzt werden – der nach derzeitigem Stand größten Wärmepumpe der Welt.

Wärme aus Seen, Geothermie oder Abwasser

„Nicht nur Flüsse eignen sich als Wärmereservoir für Großwärmepumpen“, erläutert Ahrendts. In Cottbus soll das Wasser des Ostsees – ein gefluteter Braunkohletagebau – für den Betrieb einer 25-MW-Wärmepumpe dienen. In Schwerin beheizt eine Wärmepumpe bereits rund 1000 Haushalte. Zwar ist diese Anlage mit 7 MW Leistung relativ klein. Effizient ist sie dennoch, da sie auf 56 Grad Celsius vorgeheiztes Wasser aus einer 1340 Meter tiefen Geothermie-Bohrung nutzt. Abwasser aus Kläranlagen bietet eine weitere Quelle für Großwärmepumpen. In Hannover ist eine 30-MW-Anlage, in Hamburg eine doppelt so leistungsfähige Anlage in Bau; in Berlin-Spandau ist eine noch größere mit 75 MW Leistung geplant.

Schon heute laufen in Deutschland ein gutes Dutzend Großwärmepumpen mit mehr als 10 MW Leistung oder befinden sich in Bau. Experte Ahrendts sagt: „Das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft.“

Kommentare (2)

Hallo Herr Finus,
vielen Dank für Ihren Kommentar und den Input! Wir prüfen gern, ob wir das Thema der kombinierten Energielösungen und der Solarthermie im Speziellen beizeiten in unserem Magazin behandeln können.
Beste Grüße
Redaktion neue energie

21.11.2025 - 13:00 | Redaktion neue energie

Großwärmepumpen haben im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung und Wärmewende als ein Versorgungsbaustein sicher ihre Berechtigung. Besonders in Kommunen, die Wasser im notwendigen Umfang nutzen können. Aber bei Anlagen, deren COP im Realbetrieb bei 1,5 und nicht bei 2,8 oder 3 liegt, darf man an der Gesamteffizienz dieser Systeme doch zweifeln...
Bei großflächiger Solarthermie - wie sie jetzt in Leipzig oder in Bracht (inkl. saisonalem Speicher und hoher rein solarer Abdeckung) zum Einsatz kommt - braucht es die Hilfsenergie Strom eben gerade nicht, sondern Sonnenlicht wird direkt in Wärme umgewandelt und das 3,5 mal so flächeneffizient als bei PV.
Ich würde mir wünschen, dass dieser Sachverhalt in der Wärmeplanung viel stärker berücksichtigt wird und auch in der Fachpresse entsprechend publiziert wird. Eine "all electric Strategie" in der kommunalen Wärmewende ist zu einseitig gedacht. Allein diesen Ansatz zu verfolgen wird uns dem Ziel der Klimaneutralität im Wärmesektor vielleicht näher bringen, aber ist sich nicht allselig machend auf dem Weg dorthin. Ich würde mir wünschen, dass Sie in ihrem Magazin vielmehr multivalente Lösungen zur lokalen Wärmeversorgung präsentieren, in denen u.a. die (technischen) Potenziale der großflächigen Solarthermie nach dänischem Vorbild technologieneutral dargestellt, aber eben gemäß ihrer tatsächlichen Möglichkeiten gewürdigt werden.

20.11.2025 - 13:57 | Oliver Finus

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