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Klimabilanz und Energiesicherheit

Wie extreme Wetterlagen, die Erneuerbaren und Sicherheitspolitik zusammenhängen

Die Hitzewelle, die im März über die USA rollte, hat sämtliche Höchstwerte gebrochen. Gleichzeitig war das Jahr 2025 eines der heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen – auch in Deutschland. Regierungsberater fordern eine Abkehr von fossilen Energien, um Deutschland auch sicherheitspolitisch zu stärken.
02.04.2026 | 8 Min.
Ein Risiko für die Energieversorgung sind örtliche Blockaden oder Sanktionen, die den Transport fossiler Brennstoffe einschränken oder zum Erliegen bringen können. Erneuerbare Quellen wie die Windenergie produzieren lokal und dezentral Energie. Experten schätzen sie daher langfristig als risikoärmer für die Versorgungssicherheit ein.
Ein Risiko für die Energieversorgung sind örtliche Blockaden oder Sanktionen, die den Transport fossiler Brennstoffe einschränken oder zum Erliegen bringen können. Erneuerbare Quellen wie die Windenergie produzieren lokal und dezentral Energie. Experten schätzen sie daher langfristig als risikoärmer für die Versorgungssicherheit ein.
Foto: Unsplash / Ye Shu

Das Wichtigste in Kürze:
  • Teile der USA erlebten Mitte März eine Hitzewelle mit noch nie dagewesenen Rekordwerten, wie der US-Wetterdienst National Weather Service (NWS) berichtet.
  • Währenddessen bestätigte die Weltwetterorganisation (WMO), dass das vergangene Jahr das zweit- oder drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen war.
  • In Deutschland kommt das Jahr 2025 auf den achten Platz der bisher wärmsten Jahre seit Beobachtungsbeginn im Jahr 1881.
  • Global steigende Durchschnittstemperaturen und Extremwetterereignisse wie Hitzewellen sind Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel. Daher fordern deutsche Regierungsberater, die Auswirkungen stärker bei der deutschen Sicherheitspolitik zu berücksichtigen und unabhängiger von fossiler Energie zu werden.
  • Die Autoren des Thinktanks E3G sehen ein Nadelöhr beim Handel und Transport von fossilen Energieträgern. Erneuerbare Stromversorgung sei dagegen langfristig risikoärmer.
Welche Regionen der USA sind von der Hitzewelle betroffen? 

Vor allem der Südwesten der USA ist von der Rekordhitzewelle betroffen. In den Bundesstaaten Kalifornien, Nevada und Arizona war es in diesem Frühling mit Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad Celsius so heiß wie nie zuvor. Laut dem US-Wetterdienst NWS stiegen in der Stadt Canute in Kansas die Werte innerhalb weniger Tage von minus 10 Grad nachts auf 32,5 Grad am Tag. „Zahlreiche Tages- und Monatsrekorde wurden nicht nur gebrochen, sie wurden förmlich pulverisiert“, ordnet auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) die ungewöhnlichen Ereignisse in den USA ein. In den betroffenen Gebieten lagen die Temperaturen 11 bis 17 Grad über dem jahreszeitlichen Durchschnitt.  

Was ist der Grund für die Hitzewelle? 

Verantwortlich für die Hitzewelle ist ein starkes, langsam ziehendes Hochdruckgebiet, auch „Hitzekuppel“ (engl. „Heat Dome“) genannt. Dieses Wetterphänomen sorgt für stabile atmosphärische Bedingungen, unterdrückt die Wolkenbildung und Niederschlag und lässt die Temperaturen weiter ansteigen. Laut dem DWD tritt dieses Wetterereignis üblicherweise in den Sommermonaten auf, nicht jedoch Mitte März, wie es in den USA geschehen ist. Die Hitzekuppel im Südwesten der USA war zudem außergewöhnlich stark und reichte weiter nach Norden als sonst üblich. Da die Hitzewelle gerade erst durchgezogen ist, gibt es zu diesem meteorologischen Phänomen noch keine entsprechenden Attributionsstudien. Diese Analysen untersuchen den Einfluss des vom Menschen verursachten Klimawandels auf Extremwetterereignisse. Es sei jedoch sehr wahrscheinlich, dass der Klimawandel zu den Rekorden beigetragen hat, so der DWD weiter. Damit ist die Hitzewelle in den USA nur eines von vielen Extremwetterereignissen, die Mensch und Natur zusetzen – und die Extreme nehmen zu, auch bei uns. 

Wie hat sich die weltweite Durchschnittstemperatur in den vergangenen Jahren verändert? 

Ein Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) bestätigt, dass die letzten elf Jahre die bislang heißesten waren und dass das vergangene Jahr das zweit- oder drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen war. Die weltweite Durchschnittstemperatur liegt demnach 1,43 Grad über dem Wert der vorindustriellen Zeit (1850–1900). Hitzewellen wie die derzeitige in den USA sind laut der internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) zwar auch im heutigen Klima noch selten und treten nur alle 500 Jahre auf. Dennoch würden die Beobachtungsdaten zeigen, dass Hitzewellen künftig wahrscheinlicher, intensiver und wärmer werden.

So wirkt sich der Klimawandel dem WWA-Bericht zufolge auf die Umwelt aus: 

  • Die Erwärmungsrate der Ozeane war in den Jahren 2005 bis 2025 doppelt so hoch wie in den Jahren 1960 bis 2005.
  • Das arktische Meereis zieht sich zurück und Gletscher schmelzen.
  • Die Konzentration der drei wichtigsten Treibhausgase CO₂, Methan und Lachgas in der Atmosphäre hat im vergangenen Jahr zugenommen.
  • Die Ozeane haben zwischen 2015 und 2024 etwa 30 Prozent des durch menschliche Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids aufgenommen. Durch diese Aufnahme versauern die Ozeane zunehmend.
  • Steigende Temperaturen, die Versauerung und Erwärmung der Ozeane und das Schmelzen von Eis setzen die Ökosysteme unter Druck – mit Extremwetterereignissen wie Waldbränden, Dürren, Stürmen und Hitzewellen zur Folge.

Blick auf Deutschland: Wie fiel die Klimabilanz für das Jahr 2025 aus? 

Wie ein kürzlich vom DWD veröffentlichter Bericht zur Klimabilanz zeigt, kommt das vergangene Jahr in Deutschland auf Platz acht der bisher wärmsten Jahre seit Beobachtungsbeginn im Jahr 1881. Dem Bericht zufolge lag die Jahresmitteltemperatur in Deutschland bei zehn Grad Celsius und war damit deutlich wärmer als in der klimatologischen Referenzperiode von 1961 bis 1990. Das letzte Jahr, das im Vergleich zur Referenzperiode kälter war, ist 2010.

Ein national nicht rekordwarmes Jahr bedeutet jedoch keine Entwarnung im globalen Maßstab.” Andreas Becker, Leiter der Abteilung Klimaüberwachung

„Ein national nicht rekordwarmes Jahr bedeutet jedoch keine Entwarnung im globalen Maßstab”, warnt Andreas Becker, Leiter der Abteilung Klimaüberwachung, in seinem Vorwort zum Klimabericht. Im Zuge der globalen Erwärmung und ihrer Auswirkungen auch auf Deutschland werde neben der Hitze auch die Trockenheit zunehmend zu einem Problem, schreibt Becker weiter. So zeigt der DWD-Bericht, dass der Zeitraum von Anfang Februar bis Ende Juni zu den trockensten Perioden überhaupt gehörte. Über das gesamte Jahr 2025 gab es 19 Prozent weniger Niederschlag als in der Referenzperiode von 1961 bis 2020, was zu trockenen Böden und einer erhöhten Waldbrandgefahr führte. Auch wenn 2025 kein neues Rekordjahr war, setzt sich die langfristige Erwärmung fort, fasst Becker die Ergebnisse zusammen. Umso wichtiger seien Klimaschutz und Anpassung.

Was bedeuten Klimawandel und Extremwetterereignisse für die Menschen? 

Neben wirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe warnen die Forschenden des WWA sowie die deutschen Regierungsberater des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) vor allem vor gesellschaftlichen und gesundheitlichen Risiken. Ausfälle in der landwirtschaftlichen Produktion sind nicht nur ein monetärer Verlust, sondern können auch zu Ernährungsunsicherheit und einer höheren Sterblichkeit führen. Laut WWA könnten klimabedingte Ernteausfälle die soziale Stabilität gefährden, Migration begünstigen und die Biosicherheit durch neu auftretende Tierkrankheiten und Pflanzenschädlinge vor neue Herausforderungen stellen. Zudem führen psychische Belastungen, auf Menschen übertragbare Krankheiten wie das Denguefieber sowie Hitzestress zunehmend zu neuen Problemen. Und: Mehr als ein Drittel der weltweit Erwerbstätigen ist bei ihrer Arbeit zeitweise extremer Hitze ausgesetzt. Das kann zu gesundheitlichen Schäden und Produktivitäts- und Existenzverlusten führen, so die WWA-Forschenden. 

Der WBGU hat daher in einem kürzlich erschienenen Bericht für Deutschland vorgeschlagen, die Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel stärker in die nationale Sicherheitspolitik zu verankern. Konkret empfehlen sie, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und verlässliche sowie akkurate Informationen für alle Menschen zugänglich zu machen – insbesondere in Zeiten von künstlicher Intelligenz. Ebenso sollten Souveränität bei Technologien und Rohstoffen wie auch faire internationale Kooperationen stärker berücksichtigt werden, um sicherheitspolitisch handlungsfähig zu bleiben. 

Wie können erneuerbare Energien dem Klimawandel entgegenwirken und die Sicherheitspolitik stärken? 

Der WBGU fordert „proaktives politisches Handeln“ in Bezug auf Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Verschmutzung, da diese die „langfristig größten Sicherheitsrisiken für Deutschland, Europa und weltweit“ darstellen. Zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen gehöre laut den Experten auch, sich schnell von fossilen Energieträgern abzuwenden, Investitionen in eine klimaresiliente Infrastruktur zu fördern und den Ausbau erneuerbarer Energien und Speicher zu beschleunigen. Denn erneuerbare Stromerzeugung macht nicht nur unabhängiger von Brennstoffen aus Drittstaaten, sondern erzeugt auch CO₂-freien Strom, wodurch der Klimawandel nicht weiter angeheizt wird. 

Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sei für die Gesundheit sowie für Sicherheit und Stabilität in unserer Gesellschaft unerlässlich, so die WBGU-Berater. Angesichts der angespannten geopolitischen Lage und der Rückbesinnung auf traditionelle sicherheits- und wirtschaftspolitische Ansätze dürfe die ökologische Sicherheitsdimension nicht aus den Augen verloren werden. Für die innere und äußere Sicherheit empfiehlt der WBGU zudem, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, Projekte durch Teilhabe – beispielsweise in Form von Bürgerbeteiligung – zu stärken und die Klima- und Sozialpolitik zusammen zu gestalten, um sozioökonomische Gerechtigkeit zu schaffen. Auch UN-Generalsekretär António Guterres warnte im Kontext des WMO-Berichts vor einer Destabilisierung des Klimas und der globalen Sicherheit durch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Welche Bedeutung haben die erneuerbaren Energien für die Versorgungssicherheit? 

Wie eine Analyse der Klima-Denkfabrik E3G und der aktuelle Konflikt am Persischen Golf zeigen, bergen geografische und politisch motivierte Engpässe Risiken für die Energiesicherheit. Örtliche Blockaden, Sanktionen oder langfristige Charterverträge könnten den Handel und Transport von fossilen Brennstoffen wie Öl und Flüssiggas einschränken oder zum Erliegen bringen, schreiben die Autoren. Zu den geografischen Nadelöhren zählen beispielsweise die Straße von Hormus, der Suez-Kanal oder der Panama-Kanal. Tankschiffe müssen diese unausweichlich passieren, um fossile Energie zu liefern. Die Engpässe würden ein systemisches Risiko darstellen, da Störungen unmittelbar zu Preisschocks und physischen Versorgungsbeschränkungen führen könnten, heißt es weiter. Dies liege auch daran, dass fossile Energieträger kontinuierlich verschifft werden müssen.

Klima- und Umweltpolitik ist Sicherheitspolitik“ Deutscher Regierungsbeirat Globale Umweltveränderungen (WBGU)
Anders ist das bei Erneuerbaren-Anlagen. Hier müssen nur einzelne Komponenten, wie Solarmodule oder kritische Rohstoffe, von Drittstaaten nach Europa gebracht werden. Ist der Lieferweg gestört, verzögert sich lediglich der Ausbau, die Energieversorgung bleibt jedoch bestehen. Gleichzeitig können fertige Anlagen über Jahre hinweg Energie liefern. Der Ausbau von Erneuerbaren, Netzen und Speichern biete langfristig die risikoärmste Energieversorgung, so das Ergebnis des Berichts. Erneuerbare Energien seien zwar nicht ohne Risiko, aber jedes Solarpanel, das es durch die Straße von Hormus schaffe, liefere “jeden Tag sichere Energie für eine Generation”, so Co-Autor Richard Smith. Seine Mitautorin Maria Pastukhova ergänzte, dass dezentrale erneuerbare Energiesysteme die Kontrolle ins eigene Land verlagern und geopolitische sowie marktbedingte Risiken minimieren können. 

Erneuerbare Energien spielen also sowohl im Klimaschutz als auch in der Sicherheitspolitik eine tragende Rolle. „Klima- und Umweltpolitik ist Sicherheitspolitik“, machen auch die deutschen Regierungsberater deutlich und fordern, neue fossile Abhängigkeiten zu vermeiden. Um sich an die klimatischen Veränderungen anzupassen, empfehlen die Forschenden des WWA, Hitzeschutzpläne zügiger umzusetzen und in Städten kühlende Grün- und Wasserflächen zu schaffen. Im Südwesten der USA hat die Hitzewelle ihren vorläufigen Höhepunkt überschritten, sodass die Menschen in der Region vorerst auf kühlere Tage hoffen dürfen. 

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