Was haben Batteriespeicher und E-Bikes gemeinsam? Beide liegen im Trend und beide nutzen Batteriezellen. Eine Win-Win-Situation: Ausrangierte Zellen aus E-Bikes können in Batteriespeichern weiterverwendet werden. Das Konzept der Second-Life-Batteriespeicher ist nicht neu. Bislang erhalten jedoch meist nur die Batteriezellen von E-Autos ein zweites Leben in Speichern. Dabei sind Batteriespeicher unbedingt erforderlich, um erneuerbaren Strom flexibel zu nutzen. Denn: Sie können den Strom bei einem Überangebot zwischenspeichern und so die Schwankungen von Wind- und Solarenergie ausgleichen.
Der Markt der Batteriespeicher hat sich in den vergangenen fünf Jahren dynamisch weiterentwickelt, wie eine Auswertung von Battery Charts zeigt. Während die gesamte Speicherkapazität von Großspeichern, Gewerbespeichern und Heimspeichern Anfang 2020 noch bei 1,55 GWh lag, waren im Mai 2026 bereits 28,65 GWh Speicherkapazität gemeldet. Parallel dazu ist auch die Anzahl der Batteriespeicher kontinuierlich gestiegen: Ende 2020 gab es rund 80 Großspeicher, fünf Jahre später waren es insgesamt 436 und im Mai dieses Jahres 527. Hinzu kommen hunderttausende Gewerbe- und Heimspeicher.
Speicher und E-Bike-Motoren unabdingbar: ohne Lithium-Ionen-Batterien läuft nichts
Für die Herstellung von Batteriespeichern braucht es Batteriezellen. Laut Energy Charts sind Lithium-Ionen-Batterien inzwischen die gängigste Technologie in der Speicherbranche. Mit dem expandierenden Speichermarkt wächst auch die Nachfragen nach diesen Batteriezellen. Doch ihre Produktion ist nicht unproblematisch: Neben Wasser enthalten Lithium-Ionen-Batterien kritische Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Grafit, die nur begrenzt auf der Erde vorkommen. Bei diesen Rohstoffen ist die EU weitestgehend auf Importe aus anderen Ländern angewiesen.
Aufgrund ihrer hohen Energiedichte und ihres geringen Gewichtes werden Lithium-Ionen-Batteriezellen auch in den Motoren von E-Bikes verbaut. Zudem erlebt die E-Bike-Industrie, ähnlich wie die Speicherbranche, einen Absatzboom. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Bestand an E-Bikes fast versiebenfacht, wie aus einem Marktreport des Verbands der Fahrradindustrie ZIV hervorgeht. Demnach gab es im Jahr 2020 rund 7,8 Millionen E-Bikes; im vergangenen Jahr lag die Anzahl bereits bei rund 17,2 Millionen.
Was passiert mit Millionen ausrangierter Akkus von E-Bikes?
Genau diese Frage hat sich das Start-up Up-Cell gestellt. Nach einer gewissen Zeit nimmt die Leistung der Batterien ab, ihre Zellen sind aber noch leistungsfähig. Um mehr nachhaltige Speicherkapazität zu schaffen, hat das junge Unternehmen ein Verfahren entwickelt, bei dem geupcycelte Lithium-Ionen-Zellen aus E-Bike-Akkus für Second-Life-Batteriespeicher genutzt werden. Jede Batteriezelle wird vorab mit einem IoT- und KI-gestützten Prüfverfahren getestet. Nur geeignete Zellen werden anschließend in ein modulares Speichersystem integriert. Ein weiterer Vorteil liegt in der modularen Bauweise: Defekte Zellen können gezielt ausgetauscht werden, wodurch sich die Lebensdauer der Anlage verlängert. Das senkt den Bedarf an Ressourcen, fördert die Kreislaufwirtschaft und reduziert Treibhausgasemissionen.
Dieser Artikel entstand im Rahmen der Vorberichterstattung zum BEE-Sommerfest 2026. Mehr zum Startup Up-Cell erfahren Sie im Porträt bei unserem Kooperationspartner energiezukunft.