Was sie machen, ist vertraulich. Gerade weil es bei Wind-, Energieertrags- und Umweltgutachten um Millionenbeträge geht. Due-Diligence-Prüfungen bewerten mit gebührender Sorgfalt möglichst alle relevanten Risiken und Chancen vor Transaktionen, die Windparks betreffen. Das gilt für jede Phase: als gesicherte Fläche, als genehmigtes Projekt, als gerade fertiggestellter Windpark oder am Ende der 20-jährigen EEG-Vergütung. Die Frage ist immer dieselbe: Lohnt sich die Investition?
Die Motive von Investoren können sehr unterschiedlich ausfallen. Projektierer suchen Flächen für neue Windparks oder wollen Windräder durch leistungsfähigere Anlagen ersetzen (RepoweringAustausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort.). Unternehmen mit hohem Energiebedarf wollen sich mit eigenem Windstrom absichern. Und viele Fonds bieten Windenergie als ebenso renditeträchtige wie nachhaltige Geldanlage an.
Transaktionen werden größer, Geschäft mit dem Wind wird schwieriger
Dabei geht es gelegentlich um gewaltige Summen. So berichtete der Berliner RepoweringAustausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort.-Spezialist Nextwind im November über den Abschluss einer internationalen Finanzierung von 1,8 Milliarden Euro. Die Transaktionen werden größer, zugleich wird das Geschäft mit dem Wind schwieriger. Die Zeiten, als die EEG-Vergütung sichere Einnahmen garantierte, sind vorbei. Heute sind Windkraftanlagen größer, effizienter und leistungsfähiger. Das bedeutet allerdings auch größere Verluste bei Stillstand und technischen Problemen. Dazu kommen Vorschriften bei Lärm und Vogelschutz, die Verdichtung mancher Windgebiete oder ein Ausweichen auf weniger windhöffige Standorte. Und immer wieder stellt sich die Frage: Lohnt sich die Investition?
Gutachter können selbstverständlich mehr, als nur auf die Technik zu schauen. Sie erstellen zudem Windgutachten, in denen festgehalten wird, wann wie viel Wind weht und leiten daraus eine Ertragsprognose ab. Im sogenannten Site Assessment wird geprüft, wie viel nutzbare Windenergie für einen geplanten Standort über die gesamte Laufzeit zur Verfügung steht. Und ob bei den Planungen die zu erwartenden Belastungen der Windräder realistisch eingeschätzt wurden. „Diese Fragen sind für die Sicherheit und die Finanzierung des Projekts von elementarer Bedeutung“, sagt Lehfeldt.
Standardisierte Gutachten zu Schatten und Schall
Die Prüfungen sind standardisiert und daher gut vergleichbar. Das gilt auch für die Schatten- und Schallprognosen, die im Vorfeld des Baus neuer Windparks wichtig sind. Je geringer der Schall, desto seltener das Risiko, die Windkraftanlagen abschalten zu müssen – wichtig für den Ertrag. Deutsche Windguard liefert ebenso wie andere spezialisierte Unternehmen zur Bewertung, ob die laut Technischer Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) vorgeschriebenen Immissionswerte eingehalten werden, auch ein Konzept zur Schallreduzierung bei bestmöglicher Wirtschaftlichkeit.
Zweit- und Drittmeinung bei Wind besonders wichtig
Das Vorgehen mit den zwei oder sogar drei Gutachten sei eine relativ neue Entwicklung, sagt Susanne Strauß von Renerco Plan Consult. Der Grund für die Zweit- und Drittmeinung: Wind ist im Vergleich zur Solarenergie schwieriger vorhersagbar. „Die Windstärken wechseln nicht nur innerhalb eines Jahres, sondern auch von Jahr zu Jahr stark“, sagt Strauß. Deshalb wollen sich Investoren wie Banken ungern auf ein einziges Gutachten verlassen.
Was Geldgeber gern sehen: eine Unsicherheitsbetrachtung im Gutachten. „Jeder zu prüfende Bereich ist mit Unsicherheiten behaftet“, so Strauß. „Der Investor muss sich entscheiden, wie er mit diesen Unsicherheiten umgeht und wie groß die geforderten Abschläge beim Kaufpreis sind.“
Klimawandel wirkt sich auf das Ertragspotenzial aus
Letztlich wollen Investoren verlässliche Erträge und fordern den Experten daher ab, in ihren Gutachten stets neue Entwicklungen zu berücksichtigen. Die aktuellen Vorgaben sind festgeschrieben in der Revision der Technischen Richtlinie 6 (TR 6). Darin seien allerdings weder Vergütungsausfälle aufgrund negativer Börsenstrompreise noch Einflüsse des Klimawandels auf den Energieertrag adressiert, kritisiert Geo-Net-Chef Adler. Aus seiner Sicht seien beide Themen zu relevant, um sie in Gutachten auszuklammern.
Spezialisierung für diversifizierte Energieprojekte nötig
Die Renercon-Expertin schätzt die Aussichten für die gesamte Branche vorsichtig optimistisch ein. Es gebe aktuell wieder mehr Projekte, die dann auch zum Verkauf stünden. Derzeit würden allerdings vor allem bereits laufende Projekte entwickelt, damit sie 2026 in die Ausschreibung gehen könnten. Im Jahr darauf wird ein sogenannter Clawback-Mechanismus greifen. Mit dieser EU-Vorgabe sollen mögliche Erlöse von Windkraftbetreibern gedeckelt werden. So müssen Fördergelder zurückgezahlt werden, sollte der Marktpreis für Strom über der garantierten Marktprämie liegen.
Die Auswirkungen des Clawbacks werden zwangsläufig in den Ertragsgutachten berücksichtigt werden. Die Due Diligence bekommt damit eine neue Aufgabe und die Gutachter haben noch etwas mehr zu tun.
