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Gutachten für Wind-Projekte

Due Diligence bei Windparks: Risiken erkennen, Fehlinvestitionen vermeiden

Nicht überall, wo Windräder aufgestellt werden dürfen, lohnt sich der Bau. Um teure Fehler zu vermeiden, werden Gutachter schon im Vorfeld zurate gezogen. Ihre genaue Prüfung – Due Diligence – entscheidet, ob sich ein Projekt wirklich lohnt.
Von:  Jörg Staude
05.01.2026 | 6 Min.
Erschienen in: Ausgabe 12/2025
Genau geprüft: Zu jeder Phase eines Windpark-Projekts können Due-Diligence-Analysen notwendig sein.
Genau geprüft: Zu jeder Phase eines Windpark-Projekts können Due-Diligence-Analysen notwendig sein.
Foto: Adobe

Was sie machen, ist vertraulich. Gerade weil es bei Wind-, Energieertrags- und Umweltgutachten um Millionenbeträge geht. Due-Diligence-Prüfungen bewerten mit gebührender Sorgfalt möglichst alle relevanten Risiken und Chancen vor Transaktionen, die Windparks betreffen. Das gilt für jede Phase: als gesicherte Fläche, als genehmigtes Projekt, als gerade fertiggestellter Windpark oder am Ende der 20-jährigen EEG-Vergütung. Die Frage ist immer dieselbe: Lohnt sich die Investition?

Die Motive von Investoren können sehr unterschiedlich ausfallen. Projektierer suchen Flächen für neue Windparks oder wollen Windräder durch leistungsfähigere Anlagen ersetzen (RepoweringAustausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort.). Unternehmen mit hohem Energiebedarf wollen sich mit eigenem Windstrom absichern. Und viele Fonds bieten Windenergie als ebenso renditeträchtige wie nachhaltige Geldanlage an.

Transaktionen werden größer, Geschäft mit dem Wind wird schwieriger

Dabei geht es gelegentlich um gewaltige Summen. So berichtete der Berliner RepoweringAustausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort.-Spezialist Nextwind im November über den Abschluss einer internationalen Finanzierung von 1,8 Milliarden Euro. Die Transaktionen werden größer, zugleich wird das Geschäft mit dem Wind schwieriger. Die Zeiten, als die EEG-Vergütung sichere Einnahmen garantierte, sind vorbei. Heute sind Windkraftanlagen größer, effizienter und leistungsfähiger. Das bedeutet allerdings auch größere Verluste bei Stillstand und technischen Problemen. Dazu kommen Vorschriften bei Lärm und Vogelschutz, die Verdichtung mancher Windgebiete oder ein Ausweichen auf weniger windhöffige Standorte. Und immer wieder stellt sich die Frage: Lohnt sich die Investition?

Nur wer die Risiken kennt und einzuschätzen weiß, kann sorgfältig abwägen. Dafür ist die Due Diligence zuständig, bei bestehenden Windparks häufig beginnend mit einer Technical Due Diligence. Geprüft wird dann: Wie ist der Zustand der Windräder? Welche Lebensdauer verbleibt? Wie hoch ist das Potenzial beim RepoweringAustausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort.? „Den Leistungsumfang einer solchen Projektprüfung stellen wir in Kooperation mit unseren Kunden passend zum jeweiligen Projektstatus und auf Basis individueller Wünsche zusammen“, sagt Leif Rehfeldt, bei der Gutachtergesellschaft Deutsche Windguard zuständig für die kaufmännische und technische Betriebsführung.

Gutachter können selbstverständlich mehr, als nur auf die Technik zu schauen. Sie erstellen zudem Windgutachten, in denen festgehalten wird, wann wie viel Wind weht und leiten daraus eine Ertragsprognose ab. Im sogenannten Site Assessment wird geprüft, wie viel nutzbare Windenergie für einen geplanten Standort über die gesamte Laufzeit zur Verfügung steht. Und ob bei den Planungen die zu erwartenden Belastungen der Windräder realistisch eingeschätzt wurden. „Diese Fragen sind für die Sicherheit und die Finanzierung des Projekts von elementarer Bedeutung“, sagt Lehfeldt.

Standardisierte Gutachten zu Schatten und Schall

Die Prüfungen sind standardisiert und daher gut vergleichbar. Das gilt auch für die Schatten- und Schallprognosen, die im Vorfeld des Baus neuer Windparks wichtig sind. Je geringer der Schall, desto seltener das Risiko, die Windkraftanlagen abschalten zu müssen – wichtig für den Ertrag. Deutsche Windguard liefert ebenso wie andere spezialisierte Unternehmen zur Bewertung, ob die laut Technischer Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) vorgeschriebenen Immissionswerte eingehalten werden, auch ein Konzept zur Schallreduzierung bei bestmöglicher Wirtschaftlichkeit.

Jede Firma in einem Verkaufsprozess holt sich externe Berater dazu." Dominik Adler, Geo-Net Umweltconsulting
Die Expertise der Gutachter ist unverzichtbar. Sogar große Projektentwickler, die in der Lage wären, einen Teil der Due Diligence selbst umzusetzen, holen sich gern zusätzlichen Sachverstand an Bord. „Jede Firma in einem Verkaufsprozess holt sich externe Berater dazu“, sagt Dominik Adler, Geschäftsführer bei Geo-Net Umweltconsulting. Der Verkäufer stelle in der Regel zwei Windgutachten zur Verfügung, erläutert Adler den Ablauf. Dann müsste sich der Käufer überlegen, ob er die beiden Gutachten auf Richtlinienkonformität und Plausibilität etwa hinsichtlich des dargestellten Ertragspotenzials prüfen und bewerten lässt oder ob er selbst eine Ertragsabschätzung beauftragt. Das ist oft eine Zeitfrage: Bei einer Due Diligence sei die Zeit stets knapp, so Adler. „Am Ende zählt die unabhängige Meinung, die wir beisteuern können, und unsere Erfahrung in diesem für die Wirtschaftlichkeit so wichtigem Themenfeld.“

Zweit- und Drittmeinung bei Wind besonders wichtig

Das Vorgehen mit den zwei oder sogar drei Gutachten sei eine relativ neue Entwicklung, sagt Susanne Strauß von Renerco Plan Consult. Der Grund für die Zweit- und Drittmeinung: Wind ist im Vergleich zur Solarenergie schwieriger vorhersagbar. „Die Windstärken wechseln nicht nur innerhalb eines Jahres, sondern auch von Jahr zu Jahr stark“, sagt Strauß. Deshalb wollen sich Investoren wie Banken ungern auf ein einziges Gutachten verlassen.

Was Geldgeber gern sehen: eine Unsicherheitsbetrachtung im Gutachten. „Jeder zu prüfende Bereich ist mit Unsicherheiten behaftet“, so Strauß. „Der Investor muss sich entscheiden, wie er mit diesen Unsicherheiten umgeht und wie groß die geforderten Abschläge beim Kaufpreis sind.“

Klimawandel wirkt sich auf das Ertragspotenzial aus

Letztlich wollen Investoren verlässliche Erträge und fordern den Experten daher ab, in ihren Gutachten stets neue Entwicklungen zu berücksichtigen. Die aktuellen Vorgaben sind festgeschrieben in der Revision der Technischen Richtlinie 6 (TR 6). Darin seien allerdings weder Vergütungsausfälle aufgrund negativer Börsenstrompreise noch Einflüsse des Klimawandels auf den Energieertrag adressiert, kritisiert Geo-Net-Chef Adler. Aus seiner Sicht seien beide Themen zu relevant, um sie in Gutachten auszuklammern.

Dasselbe gelte für den Klimawandel. Viele Windgutachten unterstellen derzeit, dass die künftigen Werte sich kaum von den aktuellen unterscheiden werden. „Diese Annahme ist ein Irrtum“, sagt Adler. Ein von Geo-Net entwickeltes Webtool zeigt inzwischen, wie die Klimaszenarien den Ertrag der Windparks in Europa qualitativ beeinflussen. „Das zu berücksichtigen, ist in Europa schon gang und gäbe“, sagt er. „In Deutschland wird es allerdings noch stiefmütterlich behandelt.“ Die Klimadaten zeigen, dass an bestimmten Standorten der Energieertrag zunehmen und an anderen abnehmen werde. Solange diese Auswirkungen kein Teil der TR-6-konformen Windgutachten seien, fordert Adler, sollten Klimawandeleffekte auf das Ertragspotenzial künftig im Rahmen der Due Diligence extra bewertet werden.

Spezialisierung für diversifizierte Energieprojekte nötig

Man benötigt ein Weiterbetriebsgutachten, das von einem Sachverständigen geschrieben wird, der auf dieses Thema spezialisiert ist." Susanne Strauß, Renerco Plan Consult
Mit dem Fortschreiten der Energiewende steht die Due-Diligence-Branche neuen Aufgaben gegenüber. So müssen zunehmend Hybridprojekte mit Solar, Wind und Batteriespeicher geprüft werden. Deshalb und wegen der Vielfältigkeit der Dienstleistungen und der Spezialisierung setzt die Branche verstärkt auf Kooperationen. „Um beispielsweise die Standsicherheit einer Anlage zu beurteilen, die bereits seit 20 Jahren betrieben wird, benötigt man ein Weiterbetriebsgutachten, das von einem Sachverständigen geschrieben wird, der auf dieses Thema spezialisiert ist“, sagt Susanne Strauß.

Die Renercon-Expertin schätzt die Aussichten für die gesamte Branche vorsichtig optimistisch ein. Es gebe aktuell wieder mehr Projekte, die dann auch zum Verkauf stünden. Derzeit würden allerdings vor allem bereits laufende Projekte entwickelt, damit sie 2026 in die Ausschreibung gehen könnten. Im Jahr darauf wird ein sogenannter Clawback-Mechanismus greifen. Mit dieser EU-Vorgabe sollen mögliche Erlöse von Windkraftbetreibern gedeckelt werden. So müssen Fördergelder zurückgezahlt werden, sollte der Marktpreis für Strom über der garantierten Marktprämie liegen.

Die Auswirkungen des Clawbacks werden zwangsläufig in den Ertragsgutachten berücksichtigt werden. Die Due Diligence bekommt damit eine neue Aufgabe und die Gutachter haben noch etwas mehr zu tun.

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