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57 Prozent Ökostrom in Deutschland: EU setzt auf noch mehr Elektrifizierung

Im ersten Halbjahr 2026 stammten 57 Prozent des Stroms hierzulande aus erneuerbaren Quellen. Und der wird gebraucht: Mit einem neuen Aktionsplan will die EU den Umstieg auf Strom in Verkehr, Wärme und Industrie beschleunigen.
28.07.2026 | 5 Min.
In allen Sektoren wachsend: Der Erneuerbaren-Anteil steigt in Deutschland immer weiter.
In allen Sektoren wachsend: Der Erneuerbaren-Anteil steigt in Deutschland immer weiter.
Foto: AdobeStock

Die erneuerbaren Energien haben ihren Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 weiter ausgebaut. Nach aktuellen Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) am Umweltbundesamt stammten rund 57 Prozent des in Deutschland genutzten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahm die Stromerzeugung aus Wind-, Wasser-, Solar- und Bioenergie um rund sechs Prozent auf 153 Terawattstunden (TWh) zu, so die AGEE-Stat in ihrer Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Ausschlaggebend für die Entwicklung waren unter anderem wieder durchschnittlichere Windgeschwindigkeiten – im Vergleich zum außergewöhnlich windarmen ersten Halbjahr 2025. Die Windenergie blieb mit einem Anteil von rund 45 Prozent an der erneuerbaren Stromproduktion die wichtigste Erzeugungstechnologie. Es folgten Photovoltaik mit 34 Prozent, Biomasse mit 15 Prozent, Wasserkraft mit fünf Prozent sowie Geothermie mit weniger als einem Prozent.

Photovoltaik-Ausbau bleibt auf Kurs, Wind wird Ziel verfehlen

„Die Zahlen des ersten Halbjahres 2026 stimmen optimistisch. Gerade jetzt sollten wir den Ausbau dieser Zukunftstechnologien weiter forcieren“, sagt Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts. Photovoltaik profitierte erneut von einer überdurchschnittlichen Sonneneinstrahlung sowie vom weiteren Ausbau der installierten Leistung. Im ersten Halbjahr 2026 wurden rund acht Gigawatt (GW) neue Bruttoleistung installiert. Damit dürfte das Ausbauziel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von insgesamt 128 GW installierter Photovoltaik-Leistung für dieses Jahr bereits im Sommer 2026 erreicht werden.

Bei der Windenergie an Land wurden im gleichen Zeitraum netto rund zwei GW neu installiert. Die Gesamtleistung stieg damit auf etwa 70 GW. Trotz einer wachsenden Zahl an Neugenehmigungen reicht das derzeitige Ausbautempo jedoch voraussichtlich nicht aus, um das EEG-Ziel von 84 GW bis Ende 2026 zu erreichen.

Wärmepumpen sorgen für Wachstum im Wärmesektor

Auch im Wärmesektor setzte sich der Ausbau erneuerbarer Energien fort. Die grüne Wärmeerzeugung stieg im ersten Halbjahr 2026 um drei Prozent auf rund 121 TWh. Besonders deutlich legte die mittels Wärmepumpen nutzbar gemachte Umweltwärme und oberflächennahe Geothermie zu: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöhte sich deren Beitrag um mehr als 19 Prozent. Auch Solarthermie (plus drei Prozent) und gasförmige Biomasse (plus ein Prozent) verzeichneten Zuwächse. Den größten Anteil an der erneuerbaren Wärmebereitstellung hatte weiterhin die feste Biomasse mit knapp zwei Dritteln des Gesamtvolumens. Als wesentlicher Einflussfaktor gilt die etwas kühlere Witterung im ersten Quartal, die den Heizenergiebedarf erhöhte, so die AGEE-Stat.

Verkehr: Biokraftstoffe und Elektromobilität legen deutlich zu

Der Aufschwung bei Wind und Sonne darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wärme- und die Verkehrswende weiter beschleunigt werden muss." Dirk Messner, Umweltbundesamt
Der Ausbau der Erneuerbaren im Verkehrssektor kommt in Deutschland traditionell eher langsam voran. Im ersten Halbjahr 2026 gab es aber eine außergewöhnlich starke Steigerung: In den ersten sechs Monaten wurden rund 27 TWh erneuerbare Energien eingesetzt – ein Plus von rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und zugleich der höchste bislang erreichte Halbjahreswert. Treiber dieser Entwicklung war insbesondere die Anhebung der Treibhausgasminderungsquote von 10,6 Prozent im Jahr 2025 auf zwölf Prozent im Jahr 2026. Dadurch stieg der Absatz von Biokraftstoffen, insbesondere von Biodiesel und HVO (Hydrotreated Vegetable Oil), in Summe um 11,4 Prozent. Auch die Nutzung erneuerbaren Stroms im Straßenverkehr entwickelte sich positiv: Der wachsende Bestand an Elektrofahrzeugen sowie der steigende Anteil erneuerbarer Energien im Strommix führten dazu, dass die rechnerisch ermittelte Menge des für Verkehrszwecke eingesetzten erneuerbaren Stroms um mehr als 20 Prozent zunahm.

Trotz des steigenden Anteils Erneuerbarer in allen Sektoren, dürfe sich Deutschland beim Ausbau erneuerbarer Energien nicht ausruhen, sagt der Präsident des Umweltbundesamts Messner: „Der Aufschwung bei Wind und Sonne darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wärme- und die Verkehrswende weiter beschleunigt werden muss. Elektroautos und Wärmepumpen müssen schneller in die Breite, das Stromsystem muss durch neue Großbatteriespeicher flexibler werden. Nur wenn alle Sektoren gemeinsam Fahrt aufnehmen, können wir unsere Klimaziele erreichen.“

EU-Plan will weitere Elektrifizierung und Ausbau der Erneuerbaren

Einen wichtigen Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität sieht die Europäische Union in der Elektrifizierung aller Sektoren – und das bringt weitere Vorteile: Ein E-Auto spart bis zu 78 Prozent Energie im Vergleich zu einem gleichwertigen Fahrzeug mit fossilem Antrieb. Und die Umstellung von Gaskesseln auf Wärmepumpen senkt die durchschnittlichen Heizkosten um bis zu 60 Prozent. Daher möchte die EU-Kommission Europa zum ersten elektrifizierten Kontinent machen und hat Ende Juli einen Aktionsplan, den Electrification Action Plan, vorgelegt. „Der beste Weg, Europas Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern, besteht darin, unsere Wirtschaft mit Strom aus sauberen, heimischen Quellen zu versorgen“, sagt Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission. „Von der Senkung der Strompreise bis hin zur Anpassung unseres CO₂-Marktes an die sich wandelnden globalen Gegebenheiten ist dies auch ein Investitions- und Unabhängigkeitsplan. Um den Übergang zu sauberer Energie auf Kurs zu halten, unserer Industrie Erleichterung zu verschaffen und die Dekarbonisierung zu unterstützen.“

Heute werden bereits 70 Prozent des Stroms in der EU aus heimischen sauberen Energiequellen erzeugt, doch der Elektrifizierungsgrad des Energiebedarfs stagniert in den letzten zehn Jahren bei 23 Prozent. Dabei sieht die EU einen Elektrifizierungsgrad von 46 Prozent bis 2040 vor. Mit Erreichen dieses Ziels sollen die Einfuhrkosten für fossile Brennstoffe um 260 Milliarden Euro pro Jahr gesenkt werden. Daher sieht der neu vorgestellte Electrification Action Plan verschiedene Maßnahmen vor und möchte zum Beispiel

  • die Netzentgelte für bestimmte Verbrauchergruppen und die Steuern für energieintensive Unternehmen senken,
  • Smartmeter schneller einrichten,
  • den Netzausbau beschleunigen und
  • Investitionsprojekte und Produktionskapazitäten für Technologien für saubere Energie fördern.

 

Wird der Plan der EU-Kommission angenommen und umgesetzt, kann er auch zum weiteren Wachstum der erneuerbaren Energien in allen Sektoren in Deutschland beitragen.

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