Die erneuerbaren Energien haben ihren Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 weiter ausgebaut. Nach aktuellen Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) am Umweltbundesamt stammten rund 57 Prozent des in Deutschland genutzten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahm die Stromerzeugung aus Wind-, Wasser-, Solar- und Bioenergie um rund sechs Prozent auf 153 Terawattstunden (TWh) zu, so die AGEE-Stat in ihrer Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Ausschlaggebend für die Entwicklung waren unter anderem wieder durchschnittlichere Windgeschwindigkeiten – im Vergleich zum außergewöhnlich windarmen ersten Halbjahr 2025. Die Windenergie blieb mit einem Anteil von rund 45 Prozent an der erneuerbaren Stromproduktion die wichtigste Erzeugungstechnologie. Es folgten Photovoltaik mit 34 Prozent, Biomasse mit 15 Prozent, Wasserkraft mit fünf Prozent sowie Geothermie mit weniger als einem Prozent.
Photovoltaik-Ausbau bleibt auf Kurs, Wind wird Ziel verfehlen
Bei der Windenergie an Land wurden im gleichen Zeitraum netto rund zwei GW neu installiert. Die Gesamtleistung stieg damit auf etwa 70 GW. Trotz einer wachsenden Zahl an Neugenehmigungen reicht das derzeitige Ausbautempo jedoch voraussichtlich nicht aus, um das EEG-Ziel von 84 GW bis Ende 2026 zu erreichen.
Wärmepumpen sorgen für Wachstum im Wärmesektor
Auch im Wärmesektor setzte sich der Ausbau erneuerbarer Energien fort. Die grüne Wärmeerzeugung stieg im ersten Halbjahr 2026 um drei Prozent auf rund 121 TWh. Besonders deutlich legte die mittels Wärmepumpen nutzbar gemachte Umweltwärme und oberflächennahe Geothermie zu: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöhte sich deren Beitrag um mehr als 19 Prozent. Auch Solarthermie (plus drei Prozent) und gasförmige Biomasse (plus ein Prozent) verzeichneten Zuwächse. Den größten Anteil an der erneuerbaren Wärmebereitstellung hatte weiterhin die feste Biomasse mit knapp zwei Dritteln des Gesamtvolumens. Als wesentlicher Einflussfaktor gilt die etwas kühlere Witterung im ersten Quartal, die den Heizenergiebedarf erhöhte, so die AGEE-Stat.
Verkehr: Biokraftstoffe und Elektromobilität legen deutlich zu
Trotz des steigenden Anteils Erneuerbarer in allen Sektoren, dürfe sich Deutschland beim Ausbau erneuerbarer Energien nicht ausruhen, sagt der Präsident des Umweltbundesamts Messner: „Der Aufschwung bei Wind und Sonne darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wärme- und die Verkehrswende weiter beschleunigt werden muss. Elektroautos und Wärmepumpen müssen schneller in die Breite, das Stromsystem muss durch neue Großbatteriespeicher flexibler werden. Nur wenn alle Sektoren gemeinsam Fahrt aufnehmen, können wir unsere Klimaziele erreichen.“
EU-Plan will weitere Elektrifizierung und Ausbau der Erneuerbaren
Heute werden bereits 70 Prozent des Stroms in der EU aus heimischen sauberen Energiequellen erzeugt, doch der Elektrifizierungsgrad des Energiebedarfs stagniert in den letzten zehn Jahren bei 23 Prozent. Dabei sieht die EU einen Elektrifizierungsgrad von 46 Prozent bis 2040 vor. Mit Erreichen dieses Ziels sollen die Einfuhrkosten für fossile Brennstoffe um 260 Milliarden Euro pro Jahr gesenkt werden. Daher sieht der neu vorgestellte Electrification Action Plan verschiedene Maßnahmen vor und möchte zum Beispiel
- die Netzentgelte für bestimmte Verbrauchergruppen und die Steuern für energieintensive Unternehmen senken,
- Smartmeter schneller einrichten,
- den Netzausbau beschleunigen und
- Investitionsprojekte und Produktionskapazitäten für Technologien für saubere Energie fördern.
Wird der Plan der EU-Kommission angenommen und umgesetzt, kann er auch zum weiteren Wachstum der erneuerbaren Energien in allen Sektoren in Deutschland beitragen.