neue energie: 20 Windräder werden auf dem Prüfgelände von Mercedes-Benz im emsländischen Papenburg künftig 140 Megawatt Strom produzieren – das entspricht etwa 20 Prozent des jährlichen Strombedarfs der Mercedes-Benz Group in Deutschland. Warum haben Sie sich für Windenergie als Stromquelle entschieden. Herr Gaiser?
ne: Herr Gauglitz, worin besteht die Herausforderung für UKA?
ne: Wie kam es zu diesem Projekt?
Gaiser: Wir haben uns mit der Frage auseinandergesetzt, wie wir unser Erneuerbare-Energien-Portfolio aufwerten können. Wir beziehen zwar schon zu 100 Prozent grünen Strom, wollten aber zusätzlich selbst grünen Strom produzieren. Das Testgelände war bereits als Windeignungsgebiet ausgezeichnet. Wir haben die Chance ergriffen, diese beiden Dinge zusammenzubringen. Ein eigener Windpark in Form eines PPAs verschafft uns langfristige Investitionssicherheit und ist damit ein wichtiger Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie.
ne: Werden PPAs wichtiger für die Branche?
Gauglitz: Meines Erachtens sind PPAs die Zukunft. Es ist natürlich immer eine Frage des Preises und da müssen derjenige, der den Strom produziert, und derjenige, der ihn abnimmt, zueinanderfinden. Das ist ein längerer Prozess. In Deutschland ist man das nicht gewohnt, aber es wird kommen. Wir sehen jetzt schon eine größere Überzeichnung in den Ausschreibungen, man bekommt nicht mehr automatisch einen Zuschlag. Daher glaube ich, dass die Anzahl der PPAs auch im Windbereich ab 2027 zunehmen wird.
ne: Bekommen Sie bereits weitere Anfragen aus der Industrie?
Gauglitz: Ja, die Anfragen gibt es schon. Das Grundproblem sind die unterschiedlichen Vorstellungen der beiden Parteien. Wir produzieren Strom und wollen diesen Strom zu einem bestimmten Preis verkaufen – pay as produced. Aber das Industrieunternehmen braucht den Strom immer, ob wir den produzieren oder nicht. Sie hätten daher gerne lieber einen PPASteht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.Steht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik., der ihnen Strom rund um die Uhr garantiert. Wer trägt dann das Risiko, wenn der Wind nicht weht? Ich kenne ein, zwei Unternehmen, die wöchentlich 250.000 Euro draufgezahlt haben, weil sie den Strom bei Flaute einkaufen mussten. Das ist die Herausforderung, die zu bewältigen ist: die unterschiedlichen Anforderungen beider Parteien in Einklang zu bringen.
ne: Was bedeutet das für die Finanzierung?
Gauglitz: Hier zeigt sich eine weitere Herausforderung: die Bonität des Abnehmers. Nicht alle Kunden sind Mercedes-Benz. Das kann auch eine Gießerei sein oder vielleicht ein Stahlwerk. Dann fragt sich die Bank, ob es das Werk in fünf Jahren überhaupt noch gibt und was nach dem Ende der Laufzeit passiert. Diese Herausforderungen kennen wir schon aus dem Ausland, vom deutschen Markt noch nicht. Es wird nicht allen Marktteilnehmern gelingen, damit umzugehen. Für einen Bürgerenergiepark zum Beispiel wäre das viel zu komplex. Man bräuchte entsprechendes Personal, Stromhändler, um das bewältigen zu können.
ne: Herr Gaiser, sind Sie zufrieden mit den Konditionen?
- 20 Windräder mit je 7 MW Leistung
- Onsite-PPA, pay as produced
- Laufzeit: mindestens 25 Jahre
- Bauvorbereitende Arbeiten seit 2025
- Betrieb soll 2027 starten
Gauglitz: Wenn ich das noch ergänzen darf: Die Einkäufer anderer Industrieunternehmen schauen sich die Energiebörse EEX an, an der sie bis zu zehn Jahre Strom einkaufen können. Der Windstrom wird dann weniger wert, wenn er as produced geliefert wird. Und warum sollten sich Unternehmen länger als zehn Jahre binden? Aber je kürzer der PPASteht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.Steht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik. läuft, desto größer sind die Marktrisiken nach dem Ende der Laufzeit. Dann kommen wieder die Banken ins Spiel, die möglichst risikofreie Geschäfte machen möchten. Hier muss man Kompromisse finden und das haben wir bei unserem Projekt getan. Aber es ist natürlich immer eine Preisfrage.
ne: Welche Signale würden Sie sich von der Energiepolitik wünschen, um solche Projekte noch besser umsetzen zu können?
Gauglitz: Wir hätten gern gewusst, woran wir sind, denn wir brauchen Investitionssicherheit. Fakt ist: Die Industrie braucht Strom, und zwar möglichst günstig. Wo soll dieser Strom herkommen? Das Thema Atomkraft ist durch, Kohle ebenfalls. Gas haben wir nicht genügend, und ich würde mich persönlich ungern von einzelnen Lieferländern abhängig machen, auch was die Preise betrifft. Deswegen ist es nur vernünftig, erneuerbare Energien mit Speichertechnologien auszubauen, weil wir dann nicht erpressbar sind. Es wäre mein Wunsch, dass die Politik das erkennt.
Gaiser: Dem kann ich mich nur anschließen. Nach diesem Großprojekt wünsche ich mir vor allem schlankere und modernere Prozesse. Es wäre hilfreich, wenn Genehmigungen und Dokumentationen effizienter, digitaler und praxisnäher gestaltet würden. So könnten wir unsere Energie und Zeit stärker in die eigentliche Aufgabe investieren, nämlich innovative Projekte voranzubringen und die Energiewende aktiv mitzugestalten. Weniger bürokratische Hürden würden solche Vorhaben deutlich beschleunigen und attraktiver machen. Es ist schon viel passiert, aber es kann noch mehr passieren. Im internationalen Vergleich sind solche Genehmigungsverfahren häufig digitaler, schneller und unbürokratischer. Um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, sollten Unternehmen und Behörden hier gemeinsam weiter vorangehen.