neue energie: Herr Rosenbusch, die politische Lage ist unsicher, die Zuschlagspreise sind gefallen. Mit welchem Gefühl sind Sie auf die Messe gefahren?
Florian Rosenbusch: Durchwachsen – ähnlich wie die Stimmung in der Branche insgesamt. Ich erlebe viele Leute, die sehr negativ draufschauen, was ich nur bedingt nachvollziehen kann. Klar, es gibt Unternehmen, die massiv zu kämpfen haben: große Portfolios, Standorte bundesweit auch in windschwachen Regionen und ein Geschäftsmodell, das auf Zuschlägen von 70 Euro und mehr pro Megawattstunde aufgebaut war. Das funktioniert nicht mehr. Das ist das größte Thema der letzten zwei Jahre. Wir schauen weniger negativ drauf, weil wir zu einem Zeitpunkt eingestiegen sind, als wir noch reagieren konnten – und weil wir agil genug sind, Strategien kurzfristig anzupassen. Wir sehen gerade durchaus Chancen in der Situation.
ne: Wie haben Sie konkret reagiert?
Rosenbusch: Schnell und gezielt. Erstens: noch konsequenter auf windstarke Standorte orientiert. Pacht, CapEx, Netzanschluss – das kann man alles verhandeln oder planen. Der Wind ist, wie er ist. Das ist eines der größten Entscheidungskriterien. Zweitens: beim Thema Stromvermarktung umdenken, weg vom reinen EEG-Gedanken, marktbasierter werden. Durch die sinkenden Zuschlagswerte werden alternative Erlösquellen wie die Vermarktung von Strom interessanter. Das funktioniert bei windstarken Nordstandorten gut, im Süden ist es schwerer. Und drittens sehen wir gerade eine echte Erwerbschance: Viele Projekte kommen auf den Markt, weil Entwickler das nötige Eigenkapital nicht aufbringen, Finanzierungsprobleme haben oder schnell Liquidität brauchen. Wir können da einspringen.
ne: Eigenentwicklung oder Projekterwerb – wo liegt Ihr Fokus?
Rosenbusch: Unser Hauptfokus liegt klar auf dem Erwerb anentwickelter Projekte, möglichst spätphasig – mit Genehmigung, teils schon mit Zuschlag. Das sind oft Situationen, in denen der aktuelle Rechteinhaber finanziell nicht mehr mitkommt, strategisch umdisponieren muss oder schlicht schnell Cash braucht. Was uns dabei von reinen Investoren unterscheidet: Wir können auch Projekte übernehmen, die noch Entwicklungsarbeit brauchen – Umgenehmigungen, offene Nebenbestimmungen, Kabeltrassen. Das decken wir alles inhouse ab. Das ermöglicht uns, selektiv, aber breit einzukaufen, und sichert gleichzeitig, dass Projekte, die sonst auf der Strecke blieben, tatsächlich realisiert werden. Eigenentwicklung machen wir weiterhin, aber frühe Projekte haben wir auch schon früh gestoppt, wenn absehbar war, dass sich der Aufwand nicht rechnet.
ne: Wie finden Sie die Projekte?
ne: Sie arbeiten auch mit regionalen Partnern zusammen – ein Agrarunternehmen haben Sie als Beispiel erwähnt. Wie wichtig ist diese regionale Verankerung?
Rosenbusch: Sie ist entscheidend. Das angesprochene Agrarunternehmen ist gleichzeitig der größte Arbeitgeber in der Region und Eigentümer eines Großteils der Flächen. Die wollen mit dem Windprojekt investieren, um Maschinen zu erneuern und Arbeitsplätze zu sichern – das ist regionale Wertschöpfung in Reinform. Und genau das ist das Modell, das wir aufbauen wollen: Vertrauen, faire Zusammenarbeit, gemeinsames Interesse. Das geht am besten über kleinere, ortskundige Partner, die jeden in der Region kennen. Akzeptanz entsteht nicht durch Kommunikation von oben, sondern durch echte Verwurzelung vor Ort.
ne: Geografisch gesehen: Wo sind Sie aktiv und wie blicken Sie auf die geplante Änderung des Referenzertragsmodells?
Rosenbusch: Unser Schwerpunkt liegt klar im Norden. Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sind unsere Hauptbundesländer, weil dort die Windverhältnisse einfach besser sind. Das ist der erste Checkpoint bei jeder Projektprüfung. Beim Referenzertragsmodell: Ich halte die Grundrichtung für legitim. Den Süden zu stärken und gleichzeitig zu sagen, plant nicht auf maximale Megawatt, sondern auf maximale Megawattstunden – das ist ein fairer Ansatz. Was wir bei Nordstandorten beachten müssen, ist die Erhöhung der Untergrenze der Standortgüte. Aber mit der vorgesehenen Übergangsfrist kann man sich drauf einstellen. Das bereitet uns keine großen Sorgen. Zumal wir auch im Süden aktiv sind: Wir errichten gerade ein Schwarzwaldprojekt und haben zwei Projekte in Hessen, die nächstes Jahr in den Bau gehen. Am Ende zählt für uns, ob ein Projekt wirtschaftlich betreibbar ist.
ne: Was bereitet Ihnen dann mehr Sorgen als das Referenzertragsmodell?
ne: Sie realisieren gerade ein Trilocation-Projekt mit Wind, PV und Batteriespeicher an einem Netzverknüpfungspunkt. Wie war die Erfahrung damit?
Rosenbusch: Wir hoffen, dass dieses Projekt ein Dosenöffner wird und zum Standardmodell werden kann: ein Umspannwerk, ein Netzverknüpfungspunkt, drei Technologien, und wir haben eine Zusage vom Netzbetreiber für dieses Konzept bekommen. Aber der Weg dahin war zeitintensiv ohne Ende. Man wartet ewig auf Antworten, wir sind irgendwann trotzdem in die EEG-Auktion gegangen, auf gut Glück – und verliert dabei auch hohe sechsstellige Summen, wenn es nicht klappt. Dabei liegt die Lösung eigentlich auf der Hand: Der Netzbetreiber müsste nicht jedes Projekt einzeln prüfen, sondern genau solche Synergien aktiv zusammenbringen. Am Ende profitieren sie selbst davon: Eine gemeinsame Netzanbindung ist auch für den Netzbetreiber effizienter.
ne: Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten – was wäre das?
Rosenbusch: Redispatch-Vorbehalt streichen – oder zumindest so ausgestalten, dass er vergütet wird und klare Obergrenzen hat. Und im Gegenzug verbindliche Pflichten für die Netzbetreiber: Transparenz über Berechnungsmethoden, klare Zeitpläne für den Netzausbau und eine echte Kontrolle darüber, wann und warum abgeregelt wird. Die Branche akzeptiert, dass Redispatch systemimmanent ist. Was wir nicht akzeptieren können, ist eine Blackbox, in der ein überlasteter Netzbetreiber unkontrolliert entscheidet, was läuft und was nicht – während Entwickler mit Millionen in Vorleistung gegangen sind.