Brände, Stürme, Überschwemmungen, Dürren – die Versicherer geraten infolge der Klimakrise zunehmend in Bedrängnis. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben Naturkatastrophen weltweit wirtschaftliche Schäden in Höhe von rund 131 Milliarden US-Dollar verursacht, meldet der Rückversicherer Munich Re. Davon waren Sachwerte in Höhe von 80 Milliarden US-Dollar versichert – der zweithöchste Halbjahreswert seit Beginn der Erhebungen.
Es ist nicht nur die Häufigkeit, sondern vor allem die Intensität der Katastrophen, die der Branche zusetzt. Laut Rückversicherer Swiss Re lag die Schadenssumme im vergangenen Jahr bei 318 Milliarden US-Dollar – rund 43 Prozent davon waren durch Versicherungspolicen gedeckt. Die globale Versicherungskapazität werde in den kommenden Jahren weiterhin massiv unter Druck geraten, da die Schäden schneller steigen als die Prämieneinnahmen, warnt die Schweizer Assekuranzfirma. Das Problem verschärfe sich zusehends: In manchen Regionen des Globalen Südens liege die sogenannte Schutzlücke bei mehr als 80 Prozent. Aber auch Europa und Nordamerika spüren die Belastung.
„Der Klimawandel ist für Versicherer längst ein Geschäftsrisiko – kein Zukunftsszenario“, sagt Ernst Rauch, Chef-Klimatologe bei Munich Re. In einem Interview mit der Tagesschau warnte er unlängst davor, dass sich einige Risiken „in Teilen nicht mehr versichern lassen“. Das treffe vor allem für Gebiete mit sich wiederholenden Extremereignissen zu, etwa Überschwemmungsregionen oder küstennahe Siedlungsräume. Immer mehr Versicherer sehen sich inzwischen gezwungen, Policen zu verteuern, Selbstbehalte zu erhöhen oder stark risikobehaftete Regionen zu meiden.
Die Folgen sind bereits spürbar. In Kalifornien und Florida, aber auch in Teilen Australiens oder Südostasiens ziehen sich Anbieter zurück oder verlangen massive Aufschläge. Auch in Deutschland sind erste Signale sichtbar: Allianz kündigte im Frühjahr 2025 an, für Wohngebäudeversicherungen in besonders gefährdeten Lagen keine Policen mehr auszustellen. Der Versicherungsverband GDV warnt derweil vor einer „Versicherungspflicht ohne flankierende Maßnahmen“. Ohne bauliche Anpassungen, Risikozonenregelungen und Klimaanpassungskonzepte auf kommunaler Ebene werde sich die Situation nicht verbessern.
Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin meldete sich mit einer Warnung zu Wort: Sollte sich der Trend der Klimawandelfolgeschäden fortsetzen, müsse man „die Tragfähigkeit klassischer Versicherungssysteme dringend überprüfen“.
