- Der US-amerikanische Konzern Google plant, 5,5 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Dateninfrastruktur im Rhein-Main-Gebiet zu investieren.
- Auch in der Lausitz entsteht ein Rechenzentrum: Schwarz Digits (Schwarz-Gruppe) investiert rund elf Milliarden Euro in ein Rechenzentrum auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohlekraftwerks.
- Die Umweltorganisation BUND warnt angesichts der Klimakrise vor uneingeschränkten Wachstumsoptionen für Rechenzentren.
- Rechenzentren verursachen in Deutschland derzeit rund 3,5 bis 4 Prozent des Stromverbrauchs, Tendenz steigend.
Google möchte Dateninfrastruktur im Rhein-Main-Gebiet ausbauen
Bis 2029 will der US-Konzern Google im Rhein-Main-Gebiet 5,5 Milliarden Euro in den Ausbau der Infrastruktur stecken. Herzstück ist ein neues Rechenzentrum in Dietzenbach im Kreis Offenbach. Dort sollen Server für Cloud- und KI-Dienste in Deutschland und Europa arbeiten. Gemeinsam mit dem Energieanbieter Engie will Google den Strombedarf seiner deutschen Rechenzentren ab 2026 bis zu 85 Prozent aus fossilfreien Quellen decken. Zugleich wolle der Konzern die entstehende Abwärme als Ressource nutzen: Über die Energieversorgung Offenbach soll das Rechenzentrum Wärme für mehr als 2000 Haushalte liefern.
Welche strategische Bedeutung hat das Rechenzentrumsprojekt in Lübbenau für Schwarz Digits?
Noch ehrgeiziger sind die Pläne in der Lausitz: In Lübbenau errichtet Schwarz Digits, die Digitalsparte der Schwarz-Gruppe, auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohlekraftwerks ein Rechenzentrum mit rund 13 Hektar Fläche und einer geplanten elektrischen Anschlussleistung von 200 Megawatt. Bis zu 100.000 KI-Chips sollen dort ab Ende 2027 rechnen. Das Investitionsvolumen liegt bei rund elf Milliarden Euro. Für die Schwarz-Gruppe ist es die bislang größte Einzelinvestition. Co-CEO Rolf Schumann bezeichnet das Projekt als „zentralen Ankerpunkt für die digitale Souveränität Europas“.
In der Lausitz entstehe unabhängige und sichere Infrastruktur, die es Unternehmen und Bürgern ermögliche, „die digitale Zukunft selbstbestimmt zu gestalten“. Das Rechenzentrum soll den Eigenbedarf des Konzerns decken und zugleich als Cloud-Infrastruktur für externe Kunden und öffentliche Hand dienen. Die vorhandene Hochspannungsanbindung des Kraftwerksstandorts werde weiter genutzt, Abwärme soll in ein regionales Fernwärmenetz eingespeist werden – in Größenordnungen, die langfristig Zehntausende Haushalte versorgen könnten.
Kritik am Ausbau von Rechenzentren kommt von Umweltorganisationen
Kritik an derlei Bauvorhaben kommt unter anderem von der Umweltorganisation BUND. Mit Blick auf den Rechenzentren-Boom in der Region mahnt Vorstandsmitglied Werner Neumann: „Wer angesichts der Klimakatastrophe und der Notwendigkeit, in allen Wirtschaftsbereichen Energie sparsam und effizient zu nutzen, uneingeschränkte Wachstumsoptionen für Rechenzentren fordert und angebliche Überregulierung anprangert, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.“
Wie sind die Rechenzentrumsprojekte industriepolitisch einzuordnen?
Beide Projekte sind Bausteine einer Industriepolitik, die Deutschland im globalen Wettlauf um KI-Ressourcen und digitale Souveränität besser positionieren soll. Die Region Rhein-Main ist schon heute einer der wichtigsten Datenverarbeitungsstandorte Europas. Insgesamt verursachen Rechenzentren in Deutschland derzeit rund 3,5 bis 4 Prozent des Stromverbrauchs, Tendenz steigend. Damit verschärften sich die Debatten um Energieverbrauch, Netzausbau und Kühlwasser ebenso wie die Frage, wie konsequent Abwärme genutzt wird und Rechenzentren mit grünem Strom betrieben werden. „Neue Rechenzentren benötigen zwingend zusätzliche erneuerbare Energie“, warnt Julian Bothe von Algorithm Watch, „sonst wird der KI-Hype zum Klimakiller.“