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BWE-Serviceumfrage 2026

Wartung von Windkraftanlagen: Zufrieden – aber nicht begeistert

Immer mehr Betreiber von Windkraftanlagen zeigen sich zunehmend wechselwillig. Bei den Herstellern schiebt sich Enercon in der 26. BWE-Serviceumfrage an Nordex vorbei auf die Spitzenposition.
13.03.2026 | 5 Min.
Erschienen in: Ausgabe 03/2026
Im Test: Der BWE befragte zum 26. Mal die Windenergiebranche zur Servicezufriedenheit.
Im Test: Der BWE befragte zum 26. Mal die Windenergiebranche zur Servicezufriedenheit.
Foto: AdobeStock

Wenn Windräder sich nicht drehen, verdienen die Betreiber kein Geld. Umso wichtiger ist die Wartung vor allem von Rotorblättern, Getrieben oder Generatoren. Ein- bis zweimal pro Jahr werden mechanische und elektrische Komponenten geprüft, Schmierstoffe kontrolliert und Verschleißteile getauscht. Idealerweise werden potenzielle Probleme frühzeitig erkannt, sodass Ausfallzeiten vermieden werden können. Stattdessen werden Reparatur- oder Austauscharbeiten auf passende Zeitpunkte gelegt. Data Analytics und künstliche Intelligenz helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen.

Windbranche zum 26. Mal vom BWE befragt

Wie gut klappt das in der Praxis? Die BWE-Serviceumfrage fragt jährlich bei den Betreibern von Windkraftanlagen an, die Qualität ihrer Serviceunternehmen zu beurteilen. Zu den Kriterien, die mit Schulnoten bewertet werden, gehören die Qualität der regelmäßigen Wartungsarbeiten, der außerplanmäßigen Instandsetzungen oder Reparaturen und das Ausmaß außerordentlicher Serviceleistungen.

367 Betreiber mit insgesamt 2644 Anlagen haben bei der inzwischen 26. BWE-Serviceumfrage teilgenommen. Der Gesamteindruck: Ist schon okay, aber es gibt noch Luft nach oben. Es steigt die Zahl der Betreiber, die sich wechselwillig zeigen. „Für den Service in Deutschland besteht insgesamt Verbesserungsbedarf“, sagt daher Ronny Meyer, Vorstand der Deutschen Windtechnik.

Die Servicequalität ist zwangsläufig bei einigen Unternehmen besser als bei andern. In die Endauswertung wurden allerdings nur Unternehmen aufgenommen, für die es mindestens zehn Bewertungen gab. Mit Ausnahme der Deutschen Windtechnik fielen daher alle reinen Serviceunternehmen durch das Raster der BWE-Serviceumfrage. Für die Hersteller ist die Schwelle von zehn Bewertungen hingegen kein Problem.

Umfrage zu Herstellen: Spitzenreiter ist Enercon

Servicequalität ist kein Ziel, sondern ein kontinuierlicher Anspruch." Enercon
Ganz vorn liegt Enercon mit einer Durchschnittsnote von 2,52. Im Vorjahr hatte das Unternehmen sich noch mit Platz zwei hinter Nordex zufriedengeben müssen. „Unsere Kundennähe ist weit mehr als ein Versprechen: Wir sind erreichbar, bleiben auch bei komplexen Themen dran“, zeigt sich Enercon erfreut über das Umfrageergebnis. Die Serviceabteilung im Hause wisse, was Kunden brauchen. Sie sei daher „für die Bedeutung schneller Reaktionszeiten sowie die Werthaltigkeit einer hohen Verfügbarkeit sensibilisiert“. Enercon nimmt die Spitzenposition offenbar als Auftrag: „Servicequalität ist kein Ziel, sondern ein kontinuierlicher Anspruch. Wir arbeiten weiter daran, immer besser zu werden.“

Einiges an Luft nach oben gibt es auch bei Enercon. Denn während der Service von Kunden mit Vollwartung durchschnittlich mit der Note 2,43 bewertet wurde, gaben Betreiber ohne Vollwartungsvertrag lediglich die Note 2,91. Die schlechtere Bewertung zieht sich durch alle Kategorien. Die Folge: Während die Wechselbereitschaft bei den Vollwartungskunden unter sechs Prozent liegt, zeigen sich 23 Prozent etwa der Enercon-Kunden ohne Vollwartung wechselwillig.

Nordex will nachschärfen

Vor einem Jahr konnte Nordex noch jubeln: 2,09 als Durchschnittsnote, das ist hervorragend. Aber offenbar schwer zu halten: Mit einem Bewertungsschnitt von 2,63 fällt Nordex hinter Enercon zurück. Das liegt offenbar an Deutschlands Süden. „Insbesondere in den norddeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, aber auch in Nordrhein-Westfalen konnten wir unsere gesetzten Ziele erreichen“, sagt Volker Bartolles, Director Service Central bei der Nordex Group. In diesen Regionen sei Nordex als Hersteller mit Neuinstallationen zuletzt stark gewachsen. Anders sehe es im Süden aus: „Hier sind wir punktuell sehr schwach bewertet worden.“

Das will Nordex ändern und zum Beispiel beim baden-württembergischen Geisingen einen neuen Servicepoint mit Servicetechnikern etablieren. Auch in Hessen und Bayern werde zusätzliches Servicepersonal aufgebaut: „So können wir die Regionen entlasten, kürzere Reaktionszeiten erzielen und weitere Kapazitäten vorhalten“, heißt es bei Nordex. Man werde „nachschärfen“, um wieder an das hohe Zufriedenheitsniveau anzuknüpfen. „Die Ergebnisse der BWE-Serviceumfrage nehmen wir wie jedes Jahr sehr ernst“, sagt Bartolles.

Siemens Gamesa verbessert sich minimal, GE Wind zeigt Einsatz

Befriedigend, aber noch nicht gut: Für Siemens Gamesa gibt es als Gesamtnote eine 3,04. Die minimale Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (3,13) ist bei fast allen Einzelbewertungen erkennbar. Dieses Ergebnis empfindet Matthias Schlabitz, Head of Onshore Operations Germany bei Siemens Gamesa, als nicht komplett fair. „Im vergangenen Jahr konnten wir unsere Reaktionszeiten bereits deutlich verbessern“, sagt Schlabitz. „Gleichzeitig wissen wir, dass wir uns weiterentwickeln müssen.“ Deshalb arbeite man gemeinsam mit Kunden, Partnern und Lieferanten daran, den Wartungs- und Reparaturservice weiter zu stärken. Zudem entwickle Siemens Gamesa zusätzliche Lösungen, die beispielsweise Ertrag und Lebensdauer der Bestandsanlagen besser unterstützen.

Im vergangenen Jahr konnten wir unsere Reaktionszeiten bereits deutlich verbessern." Matthias Schlabitz, Siemens Gamesa
Den deutlichsten Sprung nach vorne macht GE Wind Energy: Mit der Note 3,28 (Vorjahr 3,93) reicht es für Platz vier. Vor allem bei außerplanmäßigen Instandsetzungen und Reparaturen hat sich der Service aus Sicht der Kunden signifikant verbessert. Die GE-Teams hätten „ihre Bemühungen intensiviert, um Offline-Anlagen so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen“, sagt Andreas-Markus Hecken, Service Director Central Europe bei GE Vernova. Das Unternehmen sei sich allerdings bewusst, „dass außerordentliche Serviceleistung ein Bereich ist, der weitere Verbesserungen erfordert.“ Das gilt auch für das neue Schlusslicht Vestas mit einer Durchschnittsnote von 3,94. Was die Kunden besonders ärgert und sich in einer Note von 4,64 niederschlagt: Die Kulanzbereitschaft der Dänen ist extrem gering.

Wechselwillige Kunden verdoppeln sich

Die BWE-Serviceumfrage spiegele „gut unsere Marktwahrnehmung wider“, sagt Ronny Meyer, Vorstand der Deutschen Windtechnik. Sein Unternehmen nehme die Hinweise ernst und nutze sie als Impuls zur weiteren Verbesserung des eigenen Services. Mit einer Gesamtnote von 2,60 rangiert die Deutsche Windtechnik ungefähr auf einem Level mit Nordex. Gleichwohl hat sich die Zahl der wechselwilligen Kunden auf fast 14 Prozent mehr als verdoppelt. Das sei auf einzelne Kunden mit älteren Anlagen zurückzuführen, sagt Meyer: „Sie sehen sich einem durch die Direktvermarktung angestiegenem Preisdruck ausgesetzt und suchen eine kostengünstigere Alternative – bei kleineren Serviceanbietern.“

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