Wenn Windräder sich nicht drehen, verdienen die Betreiber kein Geld. Umso wichtiger ist die Wartung vor allem von Rotorblättern, Getrieben oder Generatoren. Ein- bis zweimal pro Jahr werden mechanische und elektrische Komponenten geprüft, Schmierstoffe kontrolliert und Verschleißteile getauscht. Idealerweise werden potenzielle Probleme frühzeitig erkannt, sodass Ausfallzeiten vermieden werden können. Stattdessen werden Reparatur- oder Austauscharbeiten auf passende Zeitpunkte gelegt. Data Analytics und künstliche Intelligenz helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen.
Windbranche zum 26. Mal vom BWE befragt
Wie gut klappt das in der Praxis? Die BWE-Serviceumfrage fragt jährlich bei den Betreibern von Windkraftanlagen an, die Qualität ihrer Serviceunternehmen zu beurteilen. Zu den Kriterien, die mit Schulnoten bewertet werden, gehören die Qualität der regelmäßigen Wartungsarbeiten, der außerplanmäßigen Instandsetzungen oder Reparaturen und das Ausmaß außerordentlicher Serviceleistungen.
Die Servicequalität ist zwangsläufig bei einigen Unternehmen besser als bei andern. In die Endauswertung wurden allerdings nur Unternehmen aufgenommen, für die es mindestens zehn Bewertungen gab. Mit Ausnahme der Deutschen Windtechnik fielen daher alle reinen Serviceunternehmen durch das Raster der BWE-Serviceumfrage. Für die Hersteller ist die Schwelle von zehn Bewertungen hingegen kein Problem.
Umfrage zu Herstellen: Spitzenreiter ist Enercon
Einiges an Luft nach oben gibt es auch bei Enercon. Denn während der Service von Kunden mit Vollwartung durchschnittlich mit der Note 2,43 bewertet wurde, gaben Betreiber ohne Vollwartungsvertrag lediglich die Note 2,91. Die schlechtere Bewertung zieht sich durch alle Kategorien. Die Folge: Während die Wechselbereitschaft bei den Vollwartungskunden unter sechs Prozent liegt, zeigen sich 23 Prozent etwa der Enercon-Kunden ohne Vollwartung wechselwillig.
Nordex will nachschärfen
Vor einem Jahr konnte Nordex noch jubeln: 2,09 als Durchschnittsnote, das ist hervorragend. Aber offenbar schwer zu halten: Mit einem Bewertungsschnitt von 2,63 fällt Nordex hinter Enercon zurück. Das liegt offenbar an Deutschlands Süden. „Insbesondere in den norddeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, aber auch in Nordrhein-Westfalen konnten wir unsere gesetzten Ziele erreichen“, sagt Volker Bartolles, Director Service Central bei der Nordex Group. In diesen Regionen sei Nordex als Hersteller mit Neuinstallationen zuletzt stark gewachsen. Anders sehe es im Süden aus: „Hier sind wir punktuell sehr schwach bewertet worden.“
Siemens Gamesa verbessert sich minimal, GE Wind zeigt Einsatz
Befriedigend, aber noch nicht gut: Für Siemens Gamesa gibt es als Gesamtnote eine 3,04. Die minimale Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (3,13) ist bei fast allen Einzelbewertungen erkennbar. Dieses Ergebnis empfindet Matthias Schlabitz, Head of Onshore Operations Germany bei Siemens Gamesa, als nicht komplett fair. „Im vergangenen Jahr konnten wir unsere Reaktionszeiten bereits deutlich verbessern“, sagt Schlabitz. „Gleichzeitig wissen wir, dass wir uns weiterentwickeln müssen.“ Deshalb arbeite man gemeinsam mit Kunden, Partnern und Lieferanten daran, den Wartungs- und Reparaturservice weiter zu stärken. Zudem entwickle Siemens Gamesa zusätzliche Lösungen, die beispielsweise Ertrag und Lebensdauer der Bestandsanlagen besser unterstützen.
Wechselwillige Kunden verdoppeln sich
Die BWE-Serviceumfrage spiegele „gut unsere Marktwahrnehmung wider“, sagt Ronny Meyer, Vorstand der Deutschen Windtechnik. Sein Unternehmen nehme die Hinweise ernst und nutze sie als Impuls zur weiteren Verbesserung des eigenen Services. Mit einer Gesamtnote von 2,60 rangiert die Deutsche Windtechnik ungefähr auf einem Level mit Nordex. Gleichwohl hat sich die Zahl der wechselwilligen Kunden auf fast 14 Prozent mehr als verdoppelt. Das sei auf einzelne Kunden mit älteren Anlagen zurückzuführen, sagt Meyer: „Sie sehen sich einem durch die Direktvermarktung angestiegenem Preisdruck ausgesetzt und suchen eine kostengünstigere Alternative – bei kleineren Serviceanbietern.“
Die Ergebnisse der BWE-Serviceumfrage 2026 steht auf der Website des BWE als PDF zum Download zur Verfügung.

