Akzeptanz

Ein Jahr Praxiserfahrung: Was datenbasierte Akzeptanzanalysen für Energieprojekte leisten können

Vor einem Jahr hat AVALY den Startup-Preis auf dem BEE-Sommerfest gewonnen. Zwölf Monate später blickt Gründerin Sophie Apel auf die Erfolge und Weiterentwicklung des Unternehmens, das Projektierer mit datenbasierten Akzeptanzanalysen unterstützt.
Gastbeitrag*: Sophie Apel
30.06.2026 | 4 Min.
Das Team von AVALY: Sophie, Julius und Archanaa (v.l.n.r.).
Das Team von AVALY: Sophie, Julius und Archanaa (v.l.n.r.).
Foto: Janis Wetzel

Vor rund einem Jahr haben wir bei AVALY unsere ersten Pilotprojekte gestartet – unter anderem mit Netze BW, VSB Energie sowie dem belgischen Übertragungsnetzbetreiber Elia Group. Mit unseren Analysen haben wir unsere Partner dabei unterstützt, Potenziale für lokalen Widerstand gegen Energieprojekte zu identifizieren – und darauf einzugehen. Basis sind ganz unterschiedliche Daten von den Menschen und Rahmenbedingungen vor Ort: von soziodemografischen Daten aus öffentlichen Quellen über Statistiken, Umfragen und Wahlergebnissen in der Region bis zu Presseberichten und Social-Media-Beiträgen, Petitionen, Stellungnahmen oder Gemeinde­rats­beschlüsse. Noch vor Projektbeginn können wir somit zeigen, welche Themen vor Ort diskutiert werden, welche Zielgruppen angesprochen werden sollten und wie eine passende Beteiligung aussehen kann.

Für uns war die Zusammenarbeit ein wichtiger Praxistest: Funktionieren unsere datenbasierten Akzeptanzanalysen tatsächlich im Projektalltag? Können sie Planungs- und Kommunikationsprozesse sinnvoll unterstützen? Die Antwort fällt heute eindeutig aus: Die Pilotprojekte verliefen erfolgreich und unsere Pilotkunden haben ihre Zusammenarbeit mit uns verlängert oder befinden sich aktuell in entsprechenden Gesprächen. Inzwischen kommt unsere Lösung in einer Vielzahl konkreter Energieinfrastrukturprojekte zum Einsatz.

Von Windenergie bis Netzausbau: Akzeptanz als strategischer Faktor

In den vergangenen zwölf Monaten konnten wir unsere Methoden in unterschiedlichen Projektkontexten anwenden. Neben mehreren Windenergieprojekten mit bestehenden Kunden wie VSB Energie haben wir weitere Unternehmen für unsere Software gewonnen, darunter Energiekontor, EnBW und wiwi consult. Darüber hinaus haben wir Analysen für zwei verschiedene Übertragungsnetzbetreiber durchgeführt und dabei wertvolle Erfahrungen im Bereich Netzausbau gesammelt.

Besonders prägend war für uns die Zusammenarbeit mit EnBW: Was mit einzelnen Projekten begann, entwickelt sich jetzt zu einer langfristigen Partnerschaft. Heute unterstützen wir das Unternehmen in unterschiedlichen Fragestellungen rund um Energieinfrastruktur mit Akzeptanzanalysen und Workshops.

Diese Vielfalt an Anwendungsfällen hat uns vor allem eines gezeigt: Akzeptanz ist eine strategisch relevante Größe, die sich systematisch analysieren und in Planungsprozesse integrieren lässt.

Daten bestätigen die Erfahrungen vor Ort

Eine der häufigsten Rückmeldungen, die wir von Nutzerinnen und Nutzern erhalten, betrifft die Detailtiefe unserer Analysen. Viele sind positiv überrascht, wie differenziert sich lokale Einstellungen und potenzielle Akzeptanzrisiken abbilden lassen. Besonders wertvoll ist für uns dabei die Beobachtung, dass sich unsere Ergebnisse häufig mit den Erfahrungen und Einschätzungen der Projektteams vor Ort decken. Gleichzeitig helfen die Analysen dabei, Rechercheaufwände zu reduzieren und zusätzliche Perspektiven für die Projektplanung und Kommunikation zu eröffnen.

Natürlich lernen auch wir mit jedem Projekt dazu. Die Qualität und Verfügbarkeit relevanter Daten unterscheiden sich regional teilweise deutlich. Das wirkt sich auch auf die Vorhersagegüte aus. Genau deshalb nutzen wir jedes Projekt, um unsere Modelle weiter zu validieren, neue Einflussfaktoren zu identifizieren und unsere Methoden kontinuierlich zu verbessern.

Die Praxis als wichtigster Innovationstreiber

Die Erfahrungen aus den vergangenen zwölf Monaten haben unsere Produktentwicklung maßgeblich geprägt. Das Feedback unserer Kunden ist dabei ein zentraler Treiber: Wir haben unsere Analysemodelle kontinuierlich weiterentwickelt und zusätzliche Datenquellen integriert, um die Genauigkeit unserer Akzeptanzprognosen weiter zu erhöhen. Erkenntnisse aus realen Projekten helfen uns dabei, Vorhersagen gezielt zu schärfen und neue Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

Gleichzeitig haben wir die Benutzeroberfläche überarbeitet, damit Anwenderinnen und Anwender schneller zu den für sie relevanten Erkenntnissen gelangen und diese einfacher in ihre tägliche Arbeit integrieren können. Darüber hinaus haben wir unser Produktportfolio erweitert. Neben projektspezifischen Analysen bieten wir inzwischen bundeslandweite Akzeptanzkarten an. Diese ermöglichen es beispielsweise bei der Flächenakquise oder der Priorisierung von Kommunikationsmaßnahmen, Gemeinden mit erhöhtem Akzeptanzrisiko frühzeitig zu identifizieren. Nutzerinnen und Nutzer können auf einen Blick erkennen, wie Gemeinden innerhalb eines Bundeslandes oder im deutschlandweiten Vergleich bei Themen wie Windenergie, Windenergie im Forst, Netzausbau oder Solarenergie einzuordnen sind.

Akzeptanz frühzeitig mitdenken

Die Energiewende wird in den kommenden Jahren weiter an Tempo gewinnen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Projektentwickler, Energieversorger und Netzbetreiber, Projekte nicht nur technisch und wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich erfolgreich umzusetzen. Unsere Erfahrungen aus den vergangenen zwölf Monaten zeigen, dass datenbasierte Akzeptanzanalysen dazu einen wichtigen Beitrag leisten können. Sie ersetzen nicht den Dialog vor Ort, schaffen aber eine fundierte Grundlage, um Risiken frühzeitig zu erkennen, Kommunikationsmaßnahmen gezielter zu planen und Projekte effizienter umzusetzen.

Je früher Akzeptanz in Planungsprozessen berücksichtigt wird, desto größer sind die Chancen, Infrastrukturprojekte erfolgreich und gemeinsam mit den betroffenen Regionen voranzubringen.

* An dieser Stelle lesen Sie einen Gastbeitrag, der nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wiedergibt. Für den Inhalt sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Dieser Gastbeitrag entstand im Rahmen der Vorberichterstattung zum BEE-Sommerfest 2026. Mehr zum Startup AVALY erfahren Sie bei unserem Kooperationspartner energiezukunft.

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