Wind Energy Hamburg 2026

„Kooperation ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Branche“

Eine engere Zusammenarbeit soll die Windenergiebranche bei Batteriespeichern, Netzstabilität, IT-Sicherheit und standardisierter Fertigung voranbringen. Die Wind Energy Hamburg diesen September bietet eine Plattform für gemeinsame Lösungen.
03.09.2026 | 5 Min.
Erschienen in: Ausgabe 09/2026
Ein Highlight für die Branche: Vom 22. bis 25. September 2026 trifft sich die Windindustrie in Hamburg.
Ein Highlight für die Branche: Vom 22. bis 25. September 2026 trifft sich die Windindustrie in Hamburg.
Foto: Hamburg Messe und Congress/Michael Zapf

Der Sommer war heiß. Austrocknende Flüsse und brennende Wälder zeigten, auf welche Wetterlagen sich Europa einstellen muss. Trotzdem wird der Klimawandel nicht unbedingt das häufigste Gesprächsthema auf der Wind Energy Hamburg sein, der weltweiten Leitmesse der Windindustrie. Ebenso wichtig ist die Herausforderung, sich mit erneuerbaren Energien unabhängig zu machen von Gas und Öl. Stichwort: Straße von Hormus. „Der Ölpreis-Schock hat den erneuerbaren Energien wieder mächtig Auftrieb gegeben“, sagt Claus Ulrich Selbach, bei Hamburg Messe und Congress zuständig für die Wind Energy.

Ins Congress Center Hamburg kommen vom 22. bis 25. September mehr als 40.000 Fachbesucherinnen und -besucher, um sich zu vernetzen und sich die Lösungen und Neuerungen von 1600 Unternehmen aus 40 Ländern anzuschauen. Erstmals einen eigenen Bereich erhalten Unternehmen, die sich mit Batteriespeichern beschäftigen. Für Selbach folgerichtig, denn „der Ausbau der erneuerbaren Energien macht Speicher zum Gamechanger der Energiewende“.

Damit Sonne und Wind die Rolle von Kohle und Öl übernehmen, müssen sie jederzeit verfügbar sein. Nicht nur diese Aufgabe übernehmen Batteriespeicher: Sie erlauben es gleichzeitig, die vorhandenen Stromnetze bestmöglich auszulasten. „Die Netzdienlichkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung, und dabei spielen Batteriespeicher eine wichtige Rolle“, sagt Alexander Lennemann von der PNE Group, Projektentwickler und Betreiber von Onshore- und Offshore-Windparks. Deshalb werde die Co-Location von Speichern mit Wind- oder Solarparks wichtiger, sagt Felix Bitzer von Emsys VPP: „Durch die intelligente Kombination und Steuerung von Wind und Photovoltaik mit Batteriespeichern lassen sich Erzeugungsspitzen besser nutzen und Anlagen effizienter vermarkten.“

Furcht vor Cyberangriffen auf Windparks

Ein moderner Anlagenbetrieb muss Technik und IT zusammendenken.“ Philipp Heidebroek, LandService
Emsys VPP entwickelt Software für virtuelle Kraftwerke und kann mit viel Interesse bei der Wind Energy Hamburg rechnen: IT-Sicherheit ist eines der dominierenden Themen. Windparks sind zunehmend durch Cyberangriffe gefährdet. Veraltete Steuerungssoftware, unverschlüsselte Webzugänge und auch die Fernwartung bieten Einstiegstore. Da immer mehr Anlagen digital vernetzt und zentral gesteuert werden, wächst die Angriffsfläche für die kritische Energieinfrastruktur. „Ein moderner Anlagenbetrieb muss Technik und IT zusammendenken“, fordert daher Philipp Heidebroek, Geschäftsführer von LandService, Dienstleister für den technischen Betrieb von Windparks. Er sieht „einen klaren Trend zu integrierten Dienstleistungen: Wer Schnittstellen reduziert und Leistungen sinnvoll bündelt, kann Prozesse schlanker gestalten und schneller reagieren.“

Innovative Lösungen in der standardisierten industriellen Fertigung

Reagieren müssen deutsche und überhaupt europäische Unternehmen auch auf Konkurrenten aus Übersee. Sie sind für Annekatrin Strunz, Sales Manager beim Kettenhersteller RUD, einer der Gründe für die Fahrt nach Hamburg. Sie will sich anschauen, was die chinesischen Hersteller draufhaben: „Sind die technisch weiter als wir?“ Mehr als 70 Prozent der neuen Windenergieanlagen weltweit wurden im vergangenen Jahr von chinesischen Konzernen errichtet. Damit schrumpft der Markt für europäische Hersteller. Die denken darüber nach, was sie der chinesischen Dominanz entgegensetzen zu können, etwa durch die industrielle Serienfertigung von Komponenten. „Die Branche verzeichnet bedeutende technologische Fortschritte in Bereichen wie Turbinenleistung, Leichtbau und Haltbarkeit,“, sagt Ligia Bogdan, Global Energy Strategy & Business Development Leader beim Technologiekonzern 3M. Sie beobachtet einen Trend zu größeren und leistungsstärkeren Turbinen, leichtgewichtigen und kosteneffizienten Konstruktionen sowie einen verstärkten Fokus auf Zuverlässigkeit und Lebenszyklusoptimierung. „Angesichts des weiteren Wachstums der Windkraftbranche suchen Hersteller und Betreiber nach innovativen Lösungen, die dazu beitragen, die Leistung zu steigern, das Gewicht zu reduzieren und den Wert ihrer Anlagen langfristig zu maximieren.“

Dabei geht es verstärkt darum, die innovativen Lösungen umzusetzen in eine standardisierte industrielle Fertigung. Daher ist die Skalierung von Komponenten ein weiteres wichtiges Thema auf der Wind Energy. Weitere Skaleneffekte lassen sich durch gemeinsamen Einkauf, standardisierte Produktplattformen und optimierte Wartungspläne erzielen. „Kooperation ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Branche – dafür ist unsere Weltleitmesse die optimale Plattform“, sagt Andreas Arnheim, Director der Wind Energy Hamburg.

Nadelöhr der Energiewende: Netzanschlüsse

Mit Kooperationen lässt sich auch eine zentrale Herausforderung angehen: die Wirtschaftlichkeit. Nur wenn Windenergie ihren Strom verlässlicher und preiswerter als Kohle, Gas und Öl liefert, kann sie langfristig überzeugen. Genau bei diesem Argument wird es knifflig für den grünen Strom aus den Windparks: Bei der Produktion kann Windenergie problemlos mit der fossilen Konkurrenz mithalten, es hapert allerdings an den weiteren Schritten. In Deutschland ist ebenso wie in vielen anderen Ländern das Stromnetz nicht vorbereitet auf die Mengen, die es aufnehmen soll. Und das sorgt für diverse Folgeprobleme. „Das Thema Netzstabilität gewinnt zunehmend an Bedeutung“, sagt Stefan Häselbarth, Geschäftsführer vom Software-Anbieter Blindleister. Das zeige sich aktuell vor allem bei Redispatch- und Abregelungsmaßnahmen im Rahmen des neuen Netzmodells. 

Der Netzanschluss bleibt ein zentraler Engpass für den weiteren Ausbau der Windenergie.“ Gernot Gauglitz, UKA
Als ebenso wichtig ordnet Gernot Gauglitz, CEO des Projektentwicklers UKA, den Netzanschluss von Windparks ein: „Der Netzanschluss bleibt ein zentraler Engpass für den weiteren Ausbau der Windenergie.“ Auch Alterric als Planer, Bauer und Betreiber von Windparks sieht die fehlenden Netzanschlüsse als „drängendes Nadelöhr: Fehlende Kapazitäten und verzögerte Anschlüsse sind mittlerweile zur größten Bremse bei der Realisierung von Ausbauprojekten geworden.“ Wie dieses Nadelöhr erweitert werden kann, auch das zeigen Aussteller in Hamburg. So entwickelt das Startup Novventos dezentrale und hybride Systeme ohne direkten Netzzugang. Was sich Novventos-CTO Bernhard Fellner wünschen würde: mehr Rückenwind aus der Politik. 

Damit steht er nicht allein. Auch Marc Wollschläger, Leiter für Vertrieb und Business Development beim Dienstleister BWTS, sorgt sich um die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau der Windenergie. Und die Deutsche Windtechnik fährt „in diesen politischen herausfordernden Zeiten“ auch deshalb gern nach Hamburg, um bewusst „den politischen Druck zu erhöhen“. Hersteller Enercon formuliert dieses Anliegen diplomatischer: „Gerade in einer Zeit, in der die Energiewende weltweit an Dynamik gewinnt, bietet die Wind Energy Raum für neue Impulse, gemeinsame Lösungen und zukunftsweisende Gespräche.“

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