Der Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland hat im Jahr 2025 wieder an Dynamik gewonnen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Repowering dabei eine zentrale Rolle spielt. Zwar ging der Repowering-Anteil am Zubau im Vergleich zum Vorjahr zurück, doch angesichts des hohen Alters vieler Bestandsanlagen bleibt das Potenzial erheblich.
Knapp 30 Prozent des Zubaus entfallen auf Repowering
Nach einer Analyse von Jürgen Quentin für die Fachagentur Wind und Solar, erstellt im Auftrag des Bundesverbands WindEnergie (BWE) und des VDMA Power Systems, wurden im Jahr 2025 deutschlandweit 958 Windenergieanlagen an Land mit einer Gesamtleistung von 5.232 Megawatt (MW) neu in Betrieb genommen.
Von der neu installierten Leistung entfielen 1.548 MW auf Repowering-Projekte. Dabei wurden ältere Windenergieanlagen durch 279 neue ersetzt. Damit lag die Repowering-Quote bezogen auf die installierte Bruttoleistung bei knapp 30 Prozent. Gegenüber 2024 bedeutet dies allerdings einen Rückgang um sieben Prozentpunkte.

Wind an Land: Keine ausgeprägte Stilllegungswelle erkennbar
Dennoch bleibt Repowering ein wesentlicher Bestandteil des Ausbaus. Hintergrund ist die Altersstruktur des deutschen Anlagenbestands: Rund die Hälfte aller Windenergieanlagen ist seit mindestens 15 Jahren in Betrieb. Etwa 10.400 Anlagen haben inzwischen ein Alter von mehr als 20 Jahren erreicht – und fallen daher aus der EEG-Förderung. Für viele dieser Standorte stellt sich die Frage, ob sie mit moderner Anlagentechnik weiter genutzt werden können oder ob die bestehenden Anlagen nach dem Ende ihrer technischen Lebensdauer ersatzlos stillgelegt werden.
Im Jahr 2025 wurden bundesweit 456 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 631 MW als endgültig stillgelegt registriert. Bezogen auf die Leistung entspricht das einem Rückgang von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar rechnen die Autoren der Analyse noch mit Nachmeldungen, doch es zeichnet sich derzeit keine umfassende Stilllegungswelle ab. Nach Einschätzung der Autoren korreliert die Zahl der Stilllegungen vielmehr mit der Entwicklung des Repowerings: Ältere Anlagen würden überwiegend im Zuge ihres Ersatzes durch leistungsstärkere Windenergieanlagen außer Betrieb genommen.
Hierzu hat die Fachagentur Wind und Solar analysiert, dass zwischen Januar 2023 und April 2026 genau 2.327 Bestandsanlagen zurückgebaut und gegen 1.708 Repowering-Anlagen ersetzt wurden. Damit hat sich die Zahl der Anlagen in diesem Zeitraum um 27 Prozent reduziert. Die installierte Leistung hingegen stieg deutlich: von 3.314 MW auf 10.127 MW – eine Verdreifachung. Das lässt sich mit der höheren durchschnittlichen Generatorleistung erklären, die von 1,4 MW auf 5,9 MW anstieg. Und auch die Höhe der Repowering-Anlagen wächst enorm: Die Gesamthöhe verdoppelte sich laut der Fachagentur Wind und Solar von durchschnittlich 115 Metern bei Altanlagen auf 228 Meter bei Neuanlagen.
Unter Repowering versteht man den Austausch alter, kleiner Windenergieanlagen gegen moderne, deutlich leistungsstärkere Modelle am selben Standort oder im direkten Umfeld. Oft werden dabei viele Altanlagen durch wenige, aber höhere und effizientere neue Windräder ersetzt, was den Stromertrag vor Ort vervielfacht. Nach Ablauf der 20-jährigen EEG-Förderung ist ein Weiterbetrieb oft nicht mehr wirtschaftlich. Repowering macht die Standorte dann für weitere Jahrzehnte rentabel.
Bundesländer im Vergleich: Niedersachsen führt beim Repowering
Repowering-Projekte wurden im Jahr 2025 in insgesamt zwölf Bundesländern umgesetzt. Den größten Anteil an der repowerten Leistung verzeichnet Niedersachsen mit 430 MW beziehungsweise 28 Prozent der bundesweit durch Repowering installierten Leistung. Es folgen Nordrhein-Westfalen mit 299 MW und Sachsen-Anhalt mit 275 MW. Besonders hoch fällt die Bedeutung des Repowerings in Sachsen-Anhalt aus: Dort wurden 83 Prozent der neu installierten Windenergieleistung im Rahmen von Repowering-Projekten realisiert. Dahinter folgen Sachsen mit einer Repowering-Quote von 59 Prozent sowie Rheinland-Pfalz mit 46 Prozent.
| Bundesland | Leistung in MW | Repowering-Quote |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 4,2 | 2,2% |
| Bayern | 5,6 | 6,7% |
| Brandenburg | 112,4 | 18,1% |
| Hessen | 28,0 | 17,5% |
| Mecklenburg-Vorpommern | 39,9 | 23,9% |
| Niedersachsen | 430,3 | 37,2% |
| Nordrhein-Westfalen | 299,0 | 22,2% |
| Rheinland-Pfalz | 104,6 | 46,4% |
| Sachsen | 38,3 | 59,1% |
| Sachsen-Anhalt | 192,4 | 83,2% |
| Schleswig-Holstein | 184,0 | 24,4% |
| Thüringen | 18,0 | 25,1% |
| Deutschland insgesamt | 1547,9 | 29,6% |
Quelle: Fachagentur Wind & Solar
Großes Repowering-Potenzial im Bestand
Ein erhebliches Potenzial für den weiteren Repowering-Markt ergibt sich aus der Struktur des Anlagenbestands. Knapp ein Drittel aller bestehenden Windenergieanlagen gehört zur Leistungsklasse zwischen ein und zwei MW. Diese rund 14.800 Anlagen stellen etwa 25 Prozent der installierten Gesamtleistung und weisen überwiegend ein hohes Betriebsalter auf. Gerade diese älteren Anlagen bieten nach Einschätzung der Analyse ein großes Potenzial für den Ersatz durch moderne Windenergieanlagen mit deutlich höheren Leistungen und besseren Erträgen.